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Handball:Ein unerklärliches Ergebnis

Handball - Johannes Bitter

Positiv getestet: Handball-Nationaltorwart Johannes Bitter.

(Foto: dpa)

Der positive Corona-Test von Johannes Bitter irritiert nicht nur den Handball-Nationaltorhüter selbst. Der Fall könnte auch Folgen für den Bundesliga-Betrieb haben.

Von Joachim Mölter

Handball-Nationaltorwart Johannes Bitter ist nach dem Länderspiel am Sonntag in Estland positiv auf das Coronavirus getestet worden. Das teilte der Deutsche Handballbund (DHB) am Dienstagabend mit, nachdem ein weiterer Test das Ergebnis des ursprünglichen Befundes vom Montag bestätigt hatte. Bitter habe sich in häusliche Isolation begeben und zeige bislang keine Symptome, hieß es in der Mitteilung. Der 38-Jährige fällt nun mindestens für die nächsten beiden Bundesligaspiele seines Klubs TVB Stuttgart aus, am Mittwoch in Erlangen und am Samstag gegen Hannover-Burgdorf. "Für mich ist unerklärlich, was Ursache der Infektion ist", sagte er. Nicht nur für ihn: Im ganzen Verband rätselt man noch, wo und wie Bitter sich angesteckt haben könnte.

Im Verlauf eines einwöchigen Trainingslehrgangs mit EM-Qualifikationsspielen gegen Bosnien-Herzegowina am Donnerstag in Düsseldorf (25:21) und Estland am Sonntag in Tallinn (32:21) hatte sich die DHB-Delegation so gut es ging abgeschottet; alle Mitglieder waren insgesamt fünfmal auf das Virus getestet worden, und die Ergebnisse waren stets negativ - bis auf den einen Fall in der letzten Testrunde, der dann als Bitter identifiziert wurde.

Die Spieler waren am Samstag gleich nach ihrer Ankunft in Tallinn getestet worden, sie hatten sich anschließend in ihren Hotelzimmern isoliert und durften diese erst am Sonntagvormittag verlassen, nach dem Eintreffen der negativen Resultate. Vor dem Heimflug am Sonntagabend nahm der Teamarzt erneut einen Abstrich vor, der dann in einem deutschen Labor ausgewertet wurde - und Bitters positiven Befund ergab. Dass zwischen dem letzten negativen und dem ersten positiven Test nur rund anderthalb Tage lagen, ist nun Grund für die Irritation im DHB. Die sogenannte Inkubationszeit zwischen Ansteckung und ersten Symptomen beträgt in der Regel fünf, sechs Tage; die Latenzzeit, in der man bereits infiziert ist, aber noch nicht ansteckend, wird von den Experten auf zwei bis drei Tage taxiert.

Welche Folgen hat der Fall für den Bundesliga-Betrieb?

"Alle Maßnahmen des Hygienekonzepts wurden eingehalten", versicherte der Verband in seiner ersten Erklärung vom Montag. "Wir Nationalspieler haben uns während des gesamten Lehrgangs sehr sicher gefühlt", wird Bitter nun zitiert: "Die Abläufe waren sehr gut und professionell." In diesem Sinn hatte sich auch der Kieler Kreisläufer Hendrik Pekeler am Sonntagabend noch geäußert: "Der DHB hat alles dafür getan, dass wir ohne Ansteckung durch die Woche gekommen sind." Der 29-Jährige hatte zuvor seine Bedenken gegen die Länderspielreise in den Kieler Nachrichten artikuliert: Er halte sie für "kaum vertretbar" angesichts der europaweit steigenden Zahl von Corona-Infektionen.

Auch Frank Bohmann als Geschäftsführer der Handball-Bundesliga (HBL) stand dem Ausflug skeptisch gegenüber: "Es steht außer Frage, dass dies ein erhöhtes Risiko bedeutet", hatte er der Deutschen Presse-Agentur (dpa) gesagt und präzisiert: "Nicht unbedingt die Reisen an sich, sondern das Zusammenkommen mit Spielern aus anderen Vereinen und die Spiele gegen andere Nationalmannschaften."

Das könnte nun tatsächlich weitere Folgen für den Bundesliga-Betrieb haben, der an diesem Mittwoch weitergehen soll. Laut Informationen der dpa sind zwei Nationalspieler nach der Rückkehr aus Estland mit Bitter im Auto nach Hause gefahren. Ihre Testergebnisse lagen zunächst noch nicht vor. Auch ob Partien verlegt werden müssen, stand noch nicht fest. "Das weitere Vorgehen wird von den Gesundheitsämtern abhängen", sagte Bohmann.

© SZ vom 11.11.2020/ebc
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