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Hamburger SV:Trainer Hannes Wolf vor dem Aus

Trends der Saison

Endet seine Zeit in Hamburg? Cheftrainer Hannes Wolf scheint kurz vor der Entlassung zu stehen.

(Foto: Guido Kirchner/dpa)

Beim HSV beginnen nach dem verpassten Erstliga-Aufstieg die Umbauarbeiten: Vorstandschef Bernd Hoffmann kündigt nach zwei schlaflosen Nächten an, er wolle jetzt "jeden Stein umdrehen".

Erstmals nach "zwei relativ schlaflosen Nächten" hat sich Bernd Hoffmann, der Vorstandsvorsitzende des Hamburger SV, am Dienstag über den nach seiner Meinung "überflüssigsten Nicht-Aufstieg der Fußball-Geschichte" geäußert. Nach der verpassten Rückkehr des HSV in die erste Bundesliga kündigt er an, "jeden Stein umzudrehen", um den seit Jahren anhaltenden "Kreislauf des Schreckens" zu durchbrechen. Und wo er gerade dabei war, das Desaster zu beschreiben, sprach er noch von einem "Systemversagen". Der sportliche Bereich habe bereits "im Winter begonnen zu kollabieren".

Die Aufräumarbeiten nach einer Saison, die noch schlimmer war als die Abstiegssaison 2017/18, werden eine Weile dauern. Trainer Hannes Wolf wird vermutlich schon nach dem letzten Heimspiel gegen den MSV Duisburg entlassen. Nach Informationen des Hamburger Abendblattes ist eine Beurlaubung des 38-Jährigen "intern beschlossene Sache", obwohl sowohl Hoffmann als auch Sportvorstand Ralf Becker auf der letzten Mitgliederversammlung im Januar davon sprachen, Wolf werde lange beim HSV bleiben - selbst wenn mal eine Krisensituation zu überstehen sei.

Natürlich geistern schon Namen möglicher Nachfolger durch die Hansestadt. Einer, mit dem sich die HSV-Führung angeblich beschäftigt, ist der in Wolfsburg ausscheidende Bruno Labbadia, der schon zweimal beim HSV als Trainer angestellt war und 2015 nach dem Klassenerhalt zum "Hamburger des Jahres" gewählt wurde. Ein anderer ist Dieter Hecking, der in Mönchengladbach aufhört. Auch Alexander Zorniger (zuletzt Bröndby Kopenhagen) und Peter Stöger (zuletzt 1. FC Köln und Borussia Dortmund) wurden genannt.

Eines versprach Hoffmann: Man habe genug Kapazitäten, mit einem leicht verringerten Etat (er wird wohl von 28,5 auf 25 Millionen Euro sinken) zu versuchen, im kommenden Jahr den jetzt verpassten Aufstieg nachzuholen. "Wir werden uns nicht mit der zweiten Liga anfreunden", sagte er. Einen Absturz wie der anderer Traditionsvereine - 1. FC Kaiserslautern, 1860 München oder Eintracht Braunschweig - bis in die dritte Liga hält er für ausgeschlossen. Um den dringend erforderlichen Kulturwandel beim HSV einzuleiten, will er sogar Hilfe von außen holen. Es solle aber kein "Paartherapeut" sein, eher ein Kenner der Branche. Es müsse doch eine Erklärung geben, dass beim 1:4 in Paderborn eine Mannschaft im Wert von 27 Millionen Euro gegen ein Team, das bisher nur mit zwölf Millionen taxiert ist, keine Chance hatte.

Der HSV dürfe keine "Wohlfühloase" mehr sein, sagte Sportchef Becker. Auch er selbst, die Scouting-Abteilung und alle Angestellten müssten "liefern". Man werde auch alle anderen möglichen Gründe analysieren: medizinische Themen, mentale Probleme, Ernährung, Vertragsdetails. Das letzte Saisonspiel gegen Duisburg war trotz Preisaufschlags übrigens fast ausverkauft. Nun wollen etliche HSV-Fans die Tickets zurückgeben. Angeblich hätten andere nach dem verpassten Aufstieg aber auch Karten bestellt, so Hoffmann. Daraus schließe er, dass die "phänomenalen Fans" den HSV in seiner zweiten Zweitligasaison nicht im Stich lassen.