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Hamburger SV:Die Schritte des Minimalisten

Hamburger SV - Dynamo Dresden

Maximale Freude der Minimalisten: Hamburgs Lewis Holtby (re.) und Orel Mangala feiern den knappen Sieg gegen Dresden.

(Foto: Christian Charisius/dpa)

Nur 28 Tore haben die Hanseaten bislang erzielt, so viele wie Darmstadt, der Tabellenvierzehnte - und doch behauptet sich das Team dank seiner Effizienz an der Zweitliga-Spitze.

Vom 1:0-Arbeitssieg des Hamburger SV gegen Dynamo Dresden am Montagabend bleibt vermutlich vor allem die farbenfrohe Pyroshow der 8000 mitgereisten Sachsen in Erinnerung. Die wird Dynamo wieder eine ordentliche Strafe kosten. Die Dresdner Spieler dagegen präsentierten sich, wie sich häufiger Gäste im Volksparkstadion präsentieren: mit einer "Superverteidigung", wie HSV-Torjäger Pierre-Michel Lasogga feststellte, und einem Einsatz, den Dynamos Abwehrchef Sören Gonther später auf "105 bis 110 Prozent" taxierte. Das Ergebnis war auch wie so oft: Die Hamburger Aufstiegsfavoriten haben zum zehnten Mal mit einem Tor Differenz gewonnen und verteidigten ihren ersten Tabellenplatz in Liga zwei.

Statistikfreunde haben schnell errechnet: Mit 43 Zählern aus 21 Spielen ist der HSV zu 96 Prozent aufgestiegen. Von 27 Teams, die ihr Punktekonto zu diesem Zeitpunkt so gefüllt hatten, schaffte es nur Mainz 05 einmal, zum Saisonende dennoch in der zweiten Liga zu bleiben. Zugleich fanden die Statistikfreunde aber auch einen fragwürdigen Rekord des HSV: Noch nie hat ein Tabellenführer der zweiten Liga so wenig Tore geschossen. 28 sind es jetzt, so viele wie der Tabellenvierzehnte Darmstadt 98 und 23 weniger als der Verfolger 1. FC Köln. Für den traf allein der Angreifer Simon Terodde bereits 23 Mal.

Der HSV steuert also als Minimalist die Rückkehr in die erste Liga an. Wobei die Elf ja fast immer die Gegner beherrscht. Auch gegen Dresden hatte das Team 61 Prozent Ballbesitz, gewann 57 Prozent der Zweikämpfe und "bespielte den Gegner", wie Lasogga es nannte. Anders als Terodde hat der Hamburger Torjäger erst neunmal getroffen. Gegen Dresden hat er vier Chancen liegen lassen. Und das wäre fast bestraft worden, als in der 52. Minute die einzige Dynamo-Spitze Moussa Koné bei einem Konter David Bates davonlief und erst von Keeper Julian Pollersbeck im letzten Moment gebremst wurde. Es hätte also schlimmer ausgehen können.

Zwar stimmte nach der "schlechten ersten Halbzeit", so HSV-Trainer Hannes Wolf, am Schluss "Mentalität, Einstellung und Gegenpressing" wieder. Aber der Coach fragte sich auch, weshalb die Offensivkräfte achtmal ins Abseits gelaufen waren, "davon siebenmal sinnlos". Sportvorstand Ralf Becker hat sogar einen Virus ausgemacht, der den alten HSV in der Vergangenheit oft behelligt hatte. Der überlegene Sieg im DFB-Pokal gegen den Bundesligaklub 1. FC Nürnberg habe wohl bei einigen Spielern "zu große Euphorie" ausgelöst. Dazu kam in der 60. Minute wegen muskulärer Problemen der Ausfall von Douglas Santos, den sie in der Hansestadt gern als "besten Zweitligaspieler" bezeichnen.

So musste schließlich ein Missgeschick der Dresdner helfen, um den 13. Sieg sicherzustellen. Der "Kommunikationsfehler", so Dynamo-Kapitän Patrick Ebert, passierte in der 84. Minute. Verteidiger Linus Wahlqvist spielte Torwart Markus Schubert an. Und der war so überfordert, dass er erst über den Ball trat und ihn dann Lewis Holtby in die Beine spielte. Holtby traf aus sieben Metern und beschrieb die Szene so: "Ich habe gesehen, dass sie sich nicht einig waren, da bin ich dazwischen gegangen." Am Ende war es ein gerechtes Ergebnis. Der selbstkritische Abwehrmann Rick van Drongelen fand das Spiel zwar "zäh", sagte aber auch: "Solche Spiele braucht man, um aufzusteigen."

Leichter wird es für den HSV nicht. Erst kommt am Samstag das Auswärtsspiel beim Überraschungs-Vierten und Pokalschreck 1. FC Heidenheim. Dann muss das Team zum SSV Jahn Regensburg. Das ist jener Klub, der den Hamburgern das Torverhältnis in der Hinrunde mit einem 5:0-Sieg im Volksparkstadion so beschädigte, dass Wolfs Vorgänger Christian Titz gehen musste.