Tennis in Hamburg:Ein echter Heimsieg für Zverev

Tennis in Hamburg: Der Hamburger strahlt in Hamburg: Alexander Zverev präsentiert seine Trophäe für den Turniersieg am Hamburger Rothenbaum.

Der Hamburger strahlt in Hamburg: Alexander Zverev präsentiert seine Trophäe für den Turniersieg am Hamburger Rothenbaum.

(Foto: Frank Molter/dpa)

Alexander Zverev erfüllt sich mit dem Turniersieg in Hamburg - jener Stadt, in der er aufgewachsen ist - einen sentimentalen Traum.

Von Thomas Hürner, Hamburg

An Tradition mangelt es ihm nicht, dem Tennis-Areal am Hamburger Rothenbaum. Lange fand dort das bedeutendste Turnier der Republik statt, Steffi Graf hat hier triumphiert, Boris Becker war als gerade mal 16-Jähriger da, auch die Namen Federer und Nadal stehen auf der Siegerliste. Im hanseatischen Volksmund ist gar von der "Wiege des weißen Sports" die Rede, doch am Sonntag stimmte das nur so halb. Alexander Zverev trug ein schwarzes Stirnband, ein schwarzes Shirt und schwarze Shorts, während er sich vom Publikum feiern ließ.

Doch klar, das Outfit war an diesem Sonntag eher weniger von Interesse. Für Zverev und die Zuschauer war entscheidend, was er in der Hand halten durfte: Eine etwas sperrige Trophäe in den Farben Gelb und Schwarz. Deutschlands begabtester Tennisspieler hat am Sonntag das Turnier am Rothenbaum gewonnen, mit 7:5, 6:3 setzte er sich im Finale gegen den Serben Laslo Djere durch. "Für die, die mich nicht kennen, ich bin der Sascha", sagte Zverev bei der Siegerehrung. Ein Witz, natürlich. Im Stadion wussten alle, wer der Sascha ist, sein Spitzname ist den Hamburger Tennisfans bestens bekannt. Zverev ist schließlich in der Hansestadt geboren - und hier hat der 26-Jährige, woran er selbst erinnerte, auch zum "ersten Mal einen Tennisschläger in der Hand gehabt".

Zverev dankte den Zuschauern für die "großartige Unterstützung"

Die Sympathien waren die gesamte Turnierwoche klar verteilt, so viel Lokalpatriotismus rufen in Hamburg nur wenige Einzelsportler hervor. Dabei war genau das zuletzt ja etwas in den Hintergrund gerückt: der Sport. Die Berliner Staatsanwaltschaft hat Anfang Juli den Erlass eines Strafbefehls gegen Zverev beantragt, der Vorwurf lautet Körperverletzung. Das mutmaßliche Opfer ist seine frühere Partnerin Brenda Patea, am Sonntag war derweil seine aktuelle Freundin vor Ort: Sophia Thomalla, der Zverev - so wie auch den anderen Zuschauern - für die "großartige" Unterstützung dankte. Zu Beginn der Woche hatte Zverev alle Vorwürfe zurückgewiesen, seine Anwälte kümmerten sich um die Sache.

Aus dem Konzept bringen ließ sich Zverev jedenfalls nicht, weder von den Anschuldigungen noch vom Hamburger Wetter. Das Endspiel gegen Djere musste wegen starker Regenfälle kurz unterbrochen werden. Als es dann weiterging, entwickelte sich eine enge Partie, in der Zverev das Momentum immer wieder auf seine Seite zog: Im ersten Satz geriet er beim Stand von 4:4 kurz unter Druck, doch die vier Breakbälle konnte er abwehren. Im zweiten Satz nahm Zverev seinem Gegner beim Stand von 4:3 dann das Aufschlagspiel ab und verwandelte nach 1:50 Stunden seinen ersten Matchball. Für Zverev war es der erste Turniererfolg seit dem ATP-Finale 2021, als es vorbei war, kniete er auf dem Center Court nieder - rote Farbtupfer setzten nun neue Akzente auf seinem Outfit, während ihn die Zuschauer frenetisch bejubelten.

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