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Hängende Spitze:Reuter for President!

Euphorie in Augsburg nach einer Nacht an der Tabellenspitze? Natürlich nicht! Denn Manager Stefan Reuter hat seinen Laden im Griff. Und empfiehlt sich damit für deutlich höhere Aufgaben - sogar außerhalb der Fußballbranche.

Von Sebastian Fischer

Gerade in unruhigen Zeiten wie diesen braucht es noch Menschen, die mit klarem Kopf von Spiel zu Spiel denken, und so hat sich Sport-Geschäftsführer Stefan Reuter vom FC Augsburg am Wochenende für höhere Aufgaben empfohlen. Am Samstag gab es im bayerischen Schwabenland ja immerhin eine Sensation zu bejubeln, die Tabelle zeigte es an: der FCA im zehnten Bundesligajahr für eine Nacht erstmals auf Platz eins! Doch der Manager ließ sich davon nicht verführen. "Wir sind realistisch genug, dass da jetzt keiner zum Träumen anfängt", sagte er - und niemand träumte (Okay, die Fans im Stadion vielleicht, aber die sind ja bekanntlich unkontrollierbar.)

Bei so viel Überzeugungskraft, für die kleinen Ziele zu werben, dürfte Reuter kaum zu halten sein. Da er als Chef in der freien Wirtschaft allerdings den Verkauf viel zu vieler Produkte für viel zu geringe Ablösesummen verantworten müsste, erscheint ein Wechsel in die Politik logischer. Mit Reuter als SPD-Parteivorsitzendem, zum Beispiel, würden die Genossen endlich einsehen, was es für ein Riesenerfolg ist, jede Legislaturperiode aufs Neue im Bundestag vertreten zu sein. Der bessere Job, das wäre aber US-Präsident. "America first", das hat schon viel zu viel Schaden angerichtet. "America 15th", das wäre unter Reuter die Losung, und solange der Klassenerhalt mit beruhigendem Vorsprung gelänge, wären selbst die strammsten Patrioten zufrieden.

© SZ vom 28.09.2020

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