Golf Tiger Woods hat sich zurückgeputtet

Er kann es noch: Tiger Woods beim Golfen.

(Foto: dpa)
  • Tiger Woods spielt wieder richtig gut Golf und zeigt das bei den PGA Championships.
  • Trotzdem kann er nicht ganz hinter sich lassen, was für eine Größe er in seinem Sport einmal war.
Von Barbara Klimke

Der Kunstschlag aus dem Schotter am 9. Loch war wichtig: 150 Meter weit segelte der Ball, ehe er mit einem satten, fast zufriedenen Plopp kurz vor dem Fähnchen wie ein Stein vom Himmel sank. Der Abschlag am 10. Loch hatte größere Bedeutung, weil die Zuschauer erstmals nicht in Deckung gehen mussten an diesem Tag und die Kugel tatsächlich auf Anhieb das Fairway traf. Und natürlich war das 18. und letzte Loch entscheidend, das Tiger Woods auf dem Weg ins Ziel im Eilschritt und mit Minimalaufwand nahm. Abgeklärt und ruhig bewegte er sich am Sonntag über den Platz des Bellerive Country Clubs in Missouri. Jeder Schlag entfernte ihn ein weiteres Stück von der gefürchteten Vorstellung, nur noch "ein Youtube-Golfer" zu sein.

Auch um dieses Zerrbild von sich selbst zu tilgen, hat sich Tiger Woods vor Monaten mit 42 Jahren wieder zurück auf die Tour gequält. Seine Kinder, so sagte er im Frühjahr, hätten nie wirklich verstanden, wie ihr Vater seinen Sport ausübt. Zu seinen Glanzzeiten seien sie zu klein gewesen, nie hätten sie ihn "in Aktion" gesehen, sondern nur auf Smartphones als Videoclip bestaunt. So wie die anderen Youtube-Menschen, die zu Instant-Berühmtheiten aufsteigen, die Rapper, Komödianten, Gameplay-Presenter und die Girls, die Tipps beim Lidstrich-Pinseln geben.

Jener Youtube-Golfer der Vergangenheit, der eine Trophäe nach der nächsten in die Höhe stemmte, hat sich am Wochenende endgültig ins konturenscharfe Hier und Jetzt zurückgeputtet: mit dem zweiten Platz bei der 100. US PGA Championship in St. Louis, dem vierten Major-Turnier des Kalenders (nach Masters, US Open und British Open), bei dem ihm zum Abschluss eine 64-Runde glückte. Vielleicht war diese Runde sogar noch bemerkenswerter als die Platzierung hinter Sieger Brooks Koepka: Denn nie zuvor, bei keinem seiner 14 Triumphe, hat Woods bei einem Major weniger Schläge benötigt.

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Und so marschierte er mit jenem strahlenden Tiger-Woods-Lächeln zurück zum Klubhaus, das noch von 2008 in Erinnerung geblieben ist, dem Jahr, als er den letzten dieser großen Titel, die US Open, gewonnen hatte. Selten, sagte er am Sonntag, habe er sich so großartig gefühlt nach einem Turnier, bei dem ihm der Sieg versagt geblieben ist. Er wartete dann ein Weilchen, um dem nachfolgenden Brooks Koepka noch zu gratulieren, der ihn in der Endabrechnung um zwei Schläge übertroffen hatten; auch solche Demut hatte er früher nicht allzu oft zur Schau gestellt.

Zu Zeiten, als der Tiger noch das gefürchtetste Alpha-Tier auf den Greens und Fairways war, hätte womöglich schon seine bedrohliche Präsenz gereicht, um einen Rivalen wie Koepka einzuschüchtern. Koepka, gerade mal 28 Jahre alt, spielt indes nun seinerseits mit jener ruhigen Souveränität, die dem selbstgewissen Vertrauen in das eigene Können folgt.