Gladbach in der Champions League:Raffael wird fast zum Anti-Helden

Anfänglichen Respekt vor den pomadigen Ballbesitz zelebrierenden Briten legte die Gladbacher zunehmend ab und erkannten mutig eigene Stärken im Vorwärtsspiel. Raffael (34.) und Patrick Herrmann (36.) vergaben schön herausgespielte Chancen kläglich. Statt eines weiteren Elfmeters erhielt Lars Stindl nach einem etwas zu theatralischen Sturz im Strafraum kurz vor der Pause die (unberechtigte) gelbe Schwalben-Karte. Einen "Festabend" hatte Schubert vor dem Spiel versprochen, und es war wirklich großartige Unterhaltung. Das berührte Publikum verabschiedete beide Teams mit frenetischem Applaus vorübergehend in die Kabinen.

Raffael hatte 60 Sekunden nach Wiederanpfiff schon wieder eine sehr gute Chance zur Führung, vergab aber auch diese und wäre bereits jetzt zum Anti-Helden avanciert, wenn die fiebrige Partie nicht zu rastlos weitergegangen wäre, um sich mit solchen Zwischenbilanzen aufzuhalten. Unter dem wachsenden Schallpegel der euphorisierten Zuschauer kamen die Gladbacher in der 54. Minute nämlich doch noch zu ihrer durchaus berechtigten Führung. Außenverteidiger Julian Korb legte Stindl, im Rücken der Abwehr, zum Torschuss auf, und der schob flach ein.

Diese gute Nachricht für alle Gladbach-Fans ging freilich mit der schlechten einher, dass die technisch äußerst beschlagenen Gäste nun die Schlagzahl erhöhten und die Gladbacher zunehmend unter Druck setzten. In der 65. Minute klärte Korb einen Schuss von Martin Demichelis hinter Linie, doch ehe sich die Schiedsrichter dieses Umstands widmen konnten, drosch Otamendi den Nachschuss über die Linie. Im finalen Verlauf war Manchester dem Sieg näher, musste aber bis zur 89. Minute warten, ehe die Entscheidung per Foulelfmeter fiel.

"Eine total ärgerliche Niederlage war das", bilanzierte Gladbachs Torschütze Stindl, "denn wir haben sensationell gespielt, viele Chancen herausgespielt und mit unserer Spielweise begeistert. Das müssen wir aus dieser Partie mitnehmen für die nächsten Wochen: dass wir mithalten können mit großen Teams."Sein derzeitiger Trainer sieht allerdings noch ein anderes Gesprächsthema: "Über die Vielzahl der Elfmeter müssen wir reden, da sind wir vielleicht manchmal etwas zu ungestüm." Das "Vielleicht" hätte er vielleicht weglassen können.

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