Patrick Herrmann:Goldkonfetti und ein Chor wären das Mindeste

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Bekanntes Bild: Der Gladbacher Patrick Herrmann (links) bei einer seiner zahlreichen Auswechslungen.

(Foto: Mario Hommes/Eibner/imago)
  • Die häufigsten Auswechslungen der Ligageschichte: Ein kurioser Rekord, dem der Gladbacher Patrick Herrmann immer näher kommt.
  • 139 Mal wurde er ausgewechselt, noch zwei Mal und er ist Rekordhalter.
  • Für das Spiel von Trainer Rose ist Herrmann aber auch als Teilzeitkraft sehr wertvoll.

Von Ulrich Hartmann, Mönchengladbach

Patrick Herrmann lässt sich nicht gerne auswechseln, Fußballer wollen immer mitspielen, nie zuschauen. Und doch wäre der Flügelstürmer von Borussia Mönchengladbach nicht allzu pikiert, wenn er ins Geschichtsbuch der Bundesliga einginge mit einem Rekord, der auf dem verhassten Moment der Auswechslung basiert. Wenn der 28-Jährige auf dem Feld steht, an der Seite sich ein Ersatzmann bereitmacht und das Leuchttableau des vierten Offiziellen in die Höhe geht, "dann schiele ich eigentlich immer sofort rüber", verrät Herrmann. Der gebürtige Saarländer rechnet dann mit der leuchtenden Sieben, seiner Rückennummer, vermutlich träumt er längst davon.

139 Mal hat bei Gladbacher Auswechslungen in den vergangenen zehn Jahren die Sieben aufgeleuchtet, 139 Mal wurde Herrmann in seinen 257 Bundesligapartien aus dem Spiel genommen. Ein einziges Mal nur noch, dann hat er den am häufigsten ausgewechselten Spieler der Ligahistorie eingeholt, Halil Altintop, und bald ist er wohl der meistausgewechselte Spieler seit der Ligagründung vor 56 Jahren.

"Irgendwie will man diesen Rekord ja schon", sagt Herrmann, aber er sagt es ziemlich verhalten, fast ein bisschen verschämt, weil es halt nicht gerade der prestigeträchtigste Rekord ist.

Herrmann gehört bei der Borussia schon fast zum Inventar

Der Fußballer Herrmann, den sie in Mönchengladbach "Flaco" nennen, den Dürren, ist ein eher unauffälliger Spieler. Zwei Länderspiele hat er 2015 machen dürfen, einmal 73 Minuten gegen die USA, einmal 56 Minuten gegen Gibraltar. Dann war, wie sich mit den Jahren erwies, seine Nationalmannschaftskarriere schon wieder zu Ende. In Mönchengladbach allerdings ist Herrmann eine Institution.

Er ist hinter Tony Jantschke, der seit 2006 im Klub ist, der am längsten bei der Borussia weilende Profi. In der Liste der Gladbacher Rekordspieler steht Herrmann (315 Pflichtspiele) auf Platz 14. Noch vier Spiele, dann hat er Rainer Bonhof eingeholt, noch neun Spiele, dann zieht er mit Ewald Lienen gleich und rückt in die ewigen Top Ten des Traditionsvereins.

Herrmanns Vertrag gilt bis 2022, er könnte also auch Jupp Heynckes (407 Spiele) auf Platz fünf noch einholen, und wenngleich Berti Vogts mit seinen 528 Spielen auf Platz eins schwierig zu erreichen sein dürfte, so wird Herrmann einst als einer der treuesten Spieler in die Vereinsgeschichte eingehen. Wegen seiner Auswechsel-Bestmarke wird ihm ein Platz im Museum gleich neben dem Stadion gewiss sein.

Der Fußball des Trainers Rose erfordert Spieler wie Herrmann

Doch ins Museum gehört der Fußballer Herrmann noch längst nicht. Im Winter vor einem Jahr stand mal ein Vereinswechsel im Raum, weil er unter dem damaligen Trainer Dieter Hecking nicht viele Einsätze bekommen hatte. In dieser Zeit hat er sein Auswechselkonto so richtig schön auf Rekord trimmen können - wohl oder übel. Zum Verbleib am längst zur Heimat gewordenen Niederrhein hat ihm dann der Trainerwechsel verholfen.

Seit dem Frühjahr stand fest, dass Marco Rose von RB Salzburg die Borussia übernimmt, ein Trainer, der für seinen Fußball schnelle Spieler benötigt, also Männer wie Herrmann. Im Mai verlängerte der Angreifer bis 2022, und es fehlt nicht mehr viel dazu, dass Herrmann seine Karriere eines Tages vielleicht beenden wird, ohne jemals für einen anderen Verein gespielt zu haben - außer in der Jugend natürlich, da hießen seine Klubs FC Uchtelfangen und 1. FC Saarbrücken.

Unter Rose gibt es den prädestinierten Auswechselspieler Herrmann mittlerweile nicht mehr. Bei zwölf Bundesligaeinsätzen bislang in dieser Saison hat er fünf Mal durchgespielt, fünf Mal wurde er eingewechselt - und nur zwei Mal ausgewechselt. Der schmale Herrmann erweist sich im Kampf um einen von drei Startplätzen im Sturm mittlerweile als ebenbürtiger Konkurrent der bulligen Paradestürmer Marcus Thuram, Alassane Pléa und Breel Embolo. Herrmanns bislang letzte Auswechslung in der Liga ist jetzt schon siebeneinhalb Wochen her. Muss er sich etwa Sorgen machen um seinen Rekord?

Bei der 1:2-Last-Minute-Niederlage am Sonntag in Wolfsburg wurde Herrmann erst 20 Minuten vor Schluss eingewechselt. Die Chancen stehen nicht schlecht, dass er an diesem Mittwoch im Heimspiel gegen Paderborn wieder von Beginn an mitwirken darf. Die Rahmenbedingungen werden allerdings härter, weil Gladbach aus dem DFB-Pokal und der Europa League ausgeschieden ist und weil Einsatzmöglichkeiten im breiten Kader geringer werden. Für Herrmann bedeutet dies, dass später reinzukommen oder früher wieder rauszugehen ein elementarer Bestandteil seiner Karriere bleiben wird. Nur bei der übernächsten Auswechslung, da müssen sie ihn wirklich feiern: Goldkonfetti und ein jubilierender Chor am Spielfeldrand während seiner 141. Auswechslung wären das Mindeste.

© SZ vom 18.12.2019/lys
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