Erster Sieg für Gladbach:Nur kurz blitzt die Klasse auf

Borussia Mönchengladbach - Arminia Bielefeld

Gladbachs Kapitän Lars Stindl weiß, dass seiner Mannschaft noch manches zur alten Klasse fehlt.

(Foto: Federico Gambarini/dpa)

Borussia Mönchengladbach schafft gegen Bielefeld den ersten Saisonsieg - große Lust auf die Saison ist der Mannschaft aber nicht anzumerken.

Von Ulrich Hartmann, Mönchengladbach

Bielefelds Trainer Frank Kramer wollte den Gladbacher Fußball nicht diskreditieren, als er in der Pressekonferenz sagte: "Bei den Toren hat man die Klasse von Borussia Mönchengladbach gesehen." Das Lob verriet allerdings en passant auch etwas über die gegenwärtigen Probleme der Borussia. Denn jenseits des siegbringenden Doppelschlags - Lars Stindl zum 2:1 in der 69. Minute, Denis Zakaria zum 3:1-Endstand in der 72. - hat man die Klasse von Borussia Mönchengladbach am Sonntagabend gegen Arminia Bielefeld eigentlich nicht gesehen.

Die mittelprächtige Leistung pendelte sich ein zwischen dem verheißungsvollen 1:1 zum Saisonauftakt gegen Bayern München und der miserablen 0:4-Klatsche bei Bayer Leverkusen sowie der mauen 1:2-Niederlage bei Union Berlin. "Dieser Sieg war sehr wichtig", sagte umso erleichterter der Trainer Adi Hütter zu seinem Premieren-Erfolg am Niederrhein: "Er war ein Befreiungsschlag." Ob das stimmt, zeigt sich am kommenden Samstag, wenn Gladbach beim FC Augsburg gastiert.

Im Sommer, als der Österreicher Hütter für 7,5 Millionen Euro Ablöse von Eintracht Frankfurt verpflichtet worden war, beschrieb ihn Gladbachs Sportdirektor Max Eberl gern explizit als entspannte Führungspersönlichkeit. "Adi Hütter ist ein sehr gelassener Mensch", sagte Eberl wiederholt. In den jüngsten drei Ligaspielen hatte man nun den Eindruck, eine gewisse Gelassenheit habe sich auch auf die Mannschaft übertragen.

"Natürlich war noch nicht alles in Butter", gesteht Kapitän Stindl

An der grundsätzlichen Qualität der Borussen, die in der jüngsten Transferperiode so relevante Spieler wie Matthias Ginter, Florian Neuhaus, Jonas Hofmann oder Alassane Pléa unerwartet behalten haben, hat sich nichts verändert. In den Kategorien Körpersprache, Schärfe und Kreativität hingegen waren ihnen die Bielefelder voraus. Hätten die Ostwestfalen bei 18:17 Torschussversuchen und 7:4 Bällen aufs Tor ihre Chancen besser genutzt, dann hätten sie dieses Spiel womöglich gewonnen.

"Natürlich war noch nicht alles in Butter", gestand der Gladbacher Kapitän Stindl. Wie in allen vier vorangegangenen Pflichtspielen, einschließlich des 1:0-Siegs im Pokal beim Drittligisten 1. FC Kaiserslautern, zeigten die Gladbacher beim Zug zum Tor eine gewisse Zurückhaltung. "Wir brauchen viel mehr Bewegung, um gefährlich zu werden", erklärte der Innenverteidiger Ginter das Verbesserungspotenzial: "Dafür standen das zweite und das dritte Tor exemplarisch." Als bewältigt erachtete Stindl "die Aufgabe, endlich in die Saison zu kommen".

Mit dem vergangenen Dreivierteljahr abzuschließen, das wäre dringend nötig für die Borussen. Unter dem Vorgängertrainer Marco Rose hatten sie sukzessive alle Saisonziele verspielt, im Sommer mussten sie sich deshalb auf eine Saison ohne internationale Bühne vorbereiten, und der eine oder andere Spieler hatte vielleicht auch deswegen auf einen lukrativen Vereinswechsel gehofft. Doch es hat sich nichts ergeben. Und so meint man der Mannschaft bislang noch nicht so richtig eine überbordende Lust auf die Saison anzumerken, was durch die Ausfälle verletzter Spieler wie Stefan Lainer, Ramy Bensebaini und Marcus Thuram sicher verstärkt wird.

Umso emotionaler reagierten Spieler und Trainer auf die Kulisse mit 24 500 Zuschauern, die in der zweiten Halbzeit so lange am Lautstärkeregler schoben, bis Stindl und Zakaria mitten in einer Phase der Bielefelder Dominanz die überraschenden Siegtreffer gelangen. "Genau im richtigen Moment haben uns die Fans geholfen", lobte hernach der Trainer Hütter. "Es freut mich auch für mich, dass ich meinen ersten Sieg im Borussia-Park einfahren durfte", witzelte der 51-Jährige.

Wenn jetzt die Champions League beginnt, müssen die Gladbacher am Fernseher zuschauen. Vor einem Jahr hatten sie gegen Real Madrid, Inter Mailand und Schachtar Donezk begeisternde Vorstellungen gezeigt. Doch der aktuelle Herbst könnte noch grauer werden, weil auch im DFB-Pokal das Aus droht. Ende Oktober empfangen sie zum Zweitrundenspiel den FC Bayern München.

© SZ/ebc
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