Fußball-WM 2018 Das Problem mit dem Rasen

Besonders heftig tobt die Kostendiskussion in St. Petersburg, wo das Eröffnungsspiel des Confed Cups steigt und nicht nur Spiele der WM 2018, sondern auch der quer durch Europa verstreuten EM 2020 stattfinden sollen. Als vor zehn Jahren die Arbeit begann, war die Rede von 6,7 Milliarden Rubel. Am Ende summierten sich die Rechnungen auf 45 Milliarden. Aktuell sind das rund 750 Millionen Euro; als der Rubel mitten in der Bauphase noch einen anderen Wert hatte, entsprach diese Summe sogar mal mehr als einer Milliarde Euro. So erwarb sich die Arena den Ruf, die teuerste der Welt zu werden.

Zwar lagen Verzögerungen und Kostensteigerungen auch daran, dass es zu Baubeginn weder Zusagen für die WM 2018 noch für die EM 2020 gab. Aber es gab auch noch andere Gründe. Ständig kam es zu Baustopps und zu Verwicklungen bei den Finanzen. Gelder sollen veruntreut worden sein. Der Energiekonzern Gazprom stieg früh als Sponsor aus, dafür musste der Staatshaushalt herhalten. Wenige Monate vor Fertigstellung wurde dem Generalunternehmer gekündigt und dafür das Unternehmen Metrostroj eingesetzt, an dem die Stadt viele Anteile hielt. Beobachter wunderten sich über den Ablauf und die Konditionen fürs neu beauftragte Unternehmen; jetzt verklagen sich die Seiten gegenseitig auf Zahlungen.

So können sich geplante Kosten schon mal versiebenfachen. Und als zwischenzeitlich die Wahl anstand, ob das Stadion dauerhaft "Krestowskij-Arena" oder nach dem lokalen Klub "Zenit-Arena" oder aber nach dem Energiekonzern "Gazprom-Arena" heißen sollte, da war bei den Spöttern der Vorschlag "Raspil-Arena" der große Renner. Raspil bedeutete im Russischen ursprünglich, von einem Stück Holz etwas abzuschneiden; inzwischen bedeutet es auch, von einem großen Batzen Staatsgeld etwas abzuschneiden.

Doch das kümmert die Verantwortlichen nicht so sehr. Sie müssen sich einem drängenderen Problem widmen. Denn die vielen Rubel führten nicht dazu, dass auch tauglicher Rasen ausliegt. Schon früher monierte die Fifa, dass das Spielfeld zu stark vibriere. Und als vor knapp zwei Wochen Bilder des Untergrundes kursierten, war nicht viel Grün zu sehen, aber viel Gelblich-Bräunliches. Das bessern sie jetzt aus, und bis zum Confed Cup, versichern sie, sei der Rasen in Top-Zustand.

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