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Fußball: U-20-WM:Ohne 27

Trainer Horst Hrubesch reist mit einem dezimierten Kader zur U-20-WM nach Ägypten - viele namhafte Nachwuchsspieler bekommen von ihren Vereinen keine Freigabe.

U. Hartmann

Die Vorfreude an Bord von Flug LH582 nach Kairo war groß, die Mannschaft war klein. Lediglich 15 Fußballer des deutschen U-20-Kaders flogen am Dienstagmittag zur Nachwuchs-WM nach Ägypten, bei der das Team vom kommenden Samstag an mit einem Notkader versucht, die Vorrunde zu überstehen. 15 Spieler sowie drei Nachzügler, die von ihren Klubs noch in den Pokalspielen der zweiten Runde gebraucht wurden und hinterherfliegen, bilden den Kader. Bundestrainer Horst Hrubesch hatte ursprünglich den U-20-WM-Titel im Sinn, er hat sich von diesem Traum aber längst verabschiedet. "Es wäre vermessen, den Titel zu fordern", sagt er, "unser Ziel ist zunächst einmal nur, die Vorrunde zu überstehen."

Geplagter Bundestrainer: U-20-Coach Horst Hrubesch muss bei der WM auf viele Spieler verzichten.

(Foto: Foto: dpa)

Kurz vor dem Abflug erreichte Hrubesch noch die jüngste von zahlreichen Absagen: der Dortmunder Mittelfeldspieler Sven Bender wird von seinem Klub nicht freigegeben, weil die Borussia ihn wegen der Verletzung von Defensivspieler Sebastian Kehl selbst braucht. Bender ist damit der 25. Spieler, der von seinem Klub keine Freigabe erhält. "25 - das ist wirklich eine ganze Menge", sagt Hrubesch. Zwei Spieler, Danny Latza von Schalke 04 und Ömer Toprak vom SC Freiburg, mussten zudem wegen Verletzungen absagen. Weil ihm so viele Spieler fehlen, fordert Hrubesch vom Rest, "sich richtig in das Turnier reinzubeißen". Verständnis für die Bundesligatrainer, ihre Fußballer nicht freizugeben, bringe er für die Fälle auf, "in denen sich ein Spieler in seiner Mannschaft festgespielt hat - aber so ganz viele sind das ja gar nicht".

Keine Kritik

Hrubesch verkneift sich deutlichere Kritik an den Vereinstrainern, denn er weiß, dass keine Abstellungspflicht bestand und dass die wegen der sommerlichen Hitze in Ägypten in den Herbst verschobene WM wirklich ungünstig terminiert ist. Zwei Bundesliga-Spieltage sowie ein Pokal- und ein Europapokal-Spieltag fallen in die Zeit dieses bis zum 16. Oktober dauernden Turniers.

Hrubeschs Pech ist eigentlich das Glück des deutschen Nachwuchses. Denn etliche der 19- und 20-jährigen Fußballer spielen in ihren Klubs bereits größere Rollen. Allein aus den Daheimgebliebenen hätte Hrubesch eine titelwürdige Mannschaft zusammenstellen können. Bundesliga-erprobte Spieler wie Sascha Burchert (Berlin), Holger Badstuber, Thomas Müller (Bayern München), Toni Kroos (Leverkusen), Konstantin Rausch (Hannover), Timo Gebhart (Stuttgart), Christoph Moritz (Schalke), André Schürrle (Mainz) oder Philipp Bargfrede (Bremen) hätten Deutschland zum WM-Favoriten gemacht.

Viele Talente fehlen

Mit Spielern wie Ron-Robert Zieler (Manchester United), Florian Jungwirth (1860 München), Björn Kopllin (Bayern München), Lars Bender und Richard Sukuta-Pasu (beide Leverkusen) verfügt Hrubesch aber immerhin noch über fünf Akteure, die im Juli 2008 in der Startelf standen, die das Endspiel bei der U-19-EM in Tschechien gewann und Europameister wurde.

Hrubesch hat vor einem Jahr die U 19 und im vergangenen Juni in Schweden die U 21 zum Europameistertitel geführt, aber in beiden Fällen hatte er auch die besten verfügbaren Spieler auswählen dürfen. Diesmal ist alles ganz anders. Wenn seine Mannschaft gegen die USA (Samstag), Südkorea (Dienstag) und Kamerun (Freitag, alle drei Spiele live bei Eurosport) Erster, Zweiter oder einer von vier besten Dritten in den insgesamt sechs Vorrundengruppen wird, schafft sie aber zumindest den Sprung ins Achtelfinale.

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Wer fehlt

Keine Freigabe: Choupo-Moting, Diekmeier, Gündogan, Risse (Nürnberg), Gebhart, Rudy, Schieber (Stuttgart), Badstuber, Müller (Bayern München), Bargfrede, Marin (Bremen), Kroos, Reinartz (Leverkusen), Pezzoni, Schorch (Köln), Burchert (Hertha BSC), S. Bender (BVB), Eßwein (Wolfsburg), Moritz (Schalke), Naki (St. Pauli), Nsereko (ACFlorenz), Oczipka (Rostock), Rausch (Hannover), Rode (Offenbach), Schürrle (Mainz). - Verletzt: Latza (Schalke), Toprak (Freiburg).

Wer dabei ist

Tor: Mickel (HSV), Mielitz (Bremen), Zieler (Manchester United).

Abwehr: Funk (Stuttgart), Jung (Frankfurt), Jungwirth (1860 München), Kaptan (Bursaspor), Kopplin (Bayern München), Rodenberg (Bielefeld), Schulz (HSV), Vrzogic (BVB).

Mittelfeld: Aydilek (Kayserispor), L. Bender (Leverk.), Holtby (Schalke), Perthel (Bremen), Vrancic (Ahlen).

Angriff: Kempe (Bremen), Schäffler (1860 München), Schahin (Greuther Fürth), Sukuta-Pasu (Leverkusen).

© SZ vom 23.09.2009/jbe
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