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Fußball in Russland:"Grandioses Projekt"

Nach all den Unruhen ist es jetzt ein fußballerischer Aufruhr im Kaukasus, der halb Russland bewegt. Nur langweiligen Nachrichtenwert hat da vergleichsweise das Gerücht, der ehemalige Wolfsburger Zvezdan Misimovic wechsele zu Dynamo Moskau, wo auch der einstige Schalker Kevin Kuranyi spielt.

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Im Klub der Teuersten

In Russland lässt sich bei reichen Klubs und einem Mehrwertsteuersatz von nur 13 Prozent viel Geld verdienen, das hat sich herumgesprochen. Jetzt aber rüsten auch die kaukasischen Provinzklubs auf und wollen den Vereinen aus Moskau, St. Petersburg und Kasan Konkurrenz machen. Roberto Carlos sprach von einem "grandiosen Projekt", das sich der Klubbesitzer Suleiman Kerimow ausgedacht habe. Für die Meisterschaft werde es gleich am Anfang zwar nicht reichen, aber in Zukunft könnten sich auch aus Russland ein paar neue Exotenvereine mit den Bundesligaklubs in der Europa League messen. Es ist alles eine Frage der Politik.

"Gullit in Grosny - das ist eine PR-Aktion, die zeigen soll: In Tschetschenien ist es ruhig", schreibt die Nowaja Gaseta. Dass Gullits Frau durch die Grosny-Wahl ihres Mannes in einen leichten Schock gefallen sein soll und das Team außerhalb Tschetscheniens trainiert und nur zu den Heimspielen in die runderneuerte Hauptstadt fliegt, spielt dabei eine untergeordnete Rolle. Mit den Zuschlägen für die Olymischen Winterspiele in Sotschi 2014 und die Fußball-WM 2018 ist die internationale Funktionärsriege in Vorleistung getreten. Jetzt will Moskau beweisen, dass das Land sicher und der Enthusiasmus groß ist.

Dass Terek Grosny sich so viel Geld leisten kann, um Gullit zu holen und selbstbewusst um Ronaldo zu buhlen, ist ohne die Unterstützung der russischen Führung in Moskau schwer vorstellbar. Russische Medien berichteten bereits vor einem Jahr, dass die reichsten Kapitalisten des Landes sanft gebeten wurden, mehr in den nationalen Fußball zu investieren. Suleiman Kerimow fällt dies nicht schwer. Der Investment-Unternehmer ist mehrfacher Milliardär und einer der reichsten Menschen in Russland. Und er ist stolzer Dagestaner.

Die Personalie Robert Carlos wird sein Ansehen in der Bevölkerung hochtreiben, es ist eine Art Berlusconisierung des Kaukasus. So wie dem Italiener einst dessen Milan-Erfolge auf dem Weg ins Premiersamt halfen, könnte Kerimow sich mit seinen populären Einkäufen für Machatschkala auch als möglicher Präsident von Dagestan in Stellung bringen, wie die Nowaja Gaseta vermutet: "Dies interessiert ihn wahrscheinlich noch etwas mehr, als einen starken europäischen Verein zu schaffen."