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Bundesliga: Transfers im Winter:Vier Wochen Theater

Abzocker Farfán, Streikstürmer Ba und ein vergifteter Abschied in München: Die Wechselfrist ist abgelaufen, es bleibt die Erinnerung an eine absurde Transferphase. Die kuriosesten und misslungensten Wechsel des Winters.

Jonas Beckenkamp

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Quelle: AP

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Abzocker Farfán, Streikstürmer Ba und ein vergifteter Abschied in München: Die Wechselfrist ist abgelaufen, es bleibt die Erinnerung an eine absurde Transferphase. Die kuriosesten und misslungensten Spielerwechsel des Winters.

Noch ist es etwas ungewohnt: Edin Dzeko im Trikot von Manchester City. Nach ausgiebigem Gepokere um einen möglichen Transfer konnte der VfL Wolfsburg dem Rekordangebot des englischen Scheich-Klubs am Ende nicht mehr widerstehen - mit einer Ablöse von knapp 35 Millionen Euro avancierte der Bosnier gleich zu Beginn des Jahres zum teuersten Bundesligaspieler der Geschichte.

TSG 1899 Hoffenheim  - 1. FC Nuernberg

Quelle: dapd

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Die Transfer-Saga um Hoffenheims Demba Ba nahm dagegen groteske Züge an. Er geht, er geht nicht, er will weg, er muss auf die Tribüne, er wechselt zu Stoke City, er fällt durch den medizinischen Test - ja, was denn nun? Zwischenzeitlich wusste nicht einmal der Senegalese selbst, wohin es geht. Immerhin wusste Ba jedoch, dass er mehr Geld kassieren möchte. Dafür steht sein Name nun ein für allemal in enger Verbindung mit dem Begriff "Streik-Stürmer". Letztlich landete Ba bei West Ham United, dem aktuellen Tabellenletzten der Premier League. Ganz sicher.

1. FC Nuernberg - Hamburger SV

Quelle: dapd

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Noch ein Theatermacher: Dass er bei Real Madrid nur Lückenfüller für den verletzten Stürmer Gonzalo Higuain sein sollte, störte Ruud van Nistelrooy nicht die Bohne, als sein ehemaliger Verein beim HSV anklopfte. Real Madrid, sein Herzensklub, seine große Liebe! Da muss einer wie der ruhelose Ruud nicht lange überlegen. Doch die Hamburger spielten nicht mit, ließen ihren offensiv vermeintlich wichtigsten Mann nicht ziehen. Dafür gab's von van Nistelrooy die Ansage, dass "Van the Man" seinen Vertrag im Sommer auf keinen Fall verlängert. Wie jetzt? Hätte er seinen Vertrag beim HSV etwa verlängert, würde er nun bei Real Madrid spielen? Schon klar. Wie ein Angestellter mit seinem Arbeitgeber eben so umspringt.

Jefferson Farfan

Quelle: dpa

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Ein besonderes Verhältnis verbindet auch den Schalker Jefferson Farfán mit seinem Arbeitgeber. Mehrfach verlängerte der Peruaner eigenmächtig diverse Heimatreisen und ärgerte damit seinen Chef Felix Magath. Extrawürste dieser Art sind bekanntlich nicht unbedingt die Sache des Schalker Trainers, der eher als Freund von Tee und Trainingsfleiß gilt. Magath vefiel in große winterliche Aussortierlaune, die unter anderem Ivan Rakitic, Erik Jendrisek und Jermaine Jones traf. Der einzige Streichkandidat, der scheinbar doch bleibt, ist kurioserweise Farfán. Sein Wechsel nach Wolfsburg platzte in letzter Sekunde, weil der Peruaner offenbar eine Millionen-Abfindung von den Gelsenkirchenern forderte. Die wollte Magath den Wolfsburgern zuschlagen - was diese dankend ablehnten.

Ali Karimi und Bastian Schweinsteiger

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Die Weiterbeschäftigung Farfáns hielt Magath nicht davon ab, zwei weitere bemerkenswerte Transfers zu tätigen: Ex-Europameister Angelos Charisteas und Ex-Bayer Ali Karimi (links im Bild). Die Wechsel liefen zwar gänzlich geräuschlos ab - was auch daran liegen könnte, dass um Charisteas und Karimi garantiert niemand mitbot. Wo Magath die beiden letztlich jedoch ausgrub, wird für immer sein Geheimnis bleiben. Welch nette Anekdote in einer von Intrigen und Raffgeiern geprägten Winterzeit.

Lakic wechselt im Sommer vom 1. FC Kaiserslautern zum VFL Wolfsburg

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Auch die Geschichte des Wechsels von Srdjan Lakic zum VfL Wolfsburg ist ebenfalls von einem Hauch von Komödienstadl umweht. Als der Kroate vergangene Woche mit VfL-Manager Dieter Hoeneß einig war, ließ er sich an dessen Seite mit einem Wolfsburg-Trikot fotografieren und sorgte damit bei FCK-Boss Stefan Kuntz für Wutwallungen. "Das ist eine Frechheit. Die Aktion ist unter der Gürtellinie. Dafür wird er zahlen", polterte Kuntz - und fing sich eine geballte Portion Unverständnis von Hoeneß ein. Der Einzige, der zu der missglückten PR-Nummer nichts sagte, war - richtig - Lakic selbst.

Everton's Baines celebrates scoring with teammates against Manchester City during their English Premier League soccer match in Manchester

Quelle: REUTERS

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Einen solchen Korb haben sich die Bayern lange nicht mehr eingefangen: Da schwärmten sie bereits in den höchsten Tönen von diesem begabten Linksverteidiger Leighton Baines (Bildmitte) vom FC Everton, nachdem sie ihn mehrfach persönlich unter die Lupe genommen hatten, um sich von seiner Lizarazu-haftigkeit zu überzeugen. Die Bayern-Granden waren sich einig: Das ist einer für uns! Ein kerniger Engländer, der kämpfen und flanken kann wie einst der allseits beliebte Bixente aus dem Baskenland. Und dann? Sagt ihnen Baines einfach ab. Er würde in Deutschland Heimweh bekommen, so die simple Erklärung. Hoeneß, Rummenigge & Co. blieben baff zurück.

SV Werder Bremen v FC Bayern Muenchen - Bundesliga

Quelle: Bongarts/Getty Images

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Doch die Bayern wären nicht die Bayern, wäre ihnen nicht ein passabler Plan B eingefallen: Mit Hoffenheims Klubchef Dietmar Hopp fädelten sie den Transfer von Luiz Gustavo (rechts im Bild) ein, was die Münchner zwar stattliche 15 Millionen Euro kostete. Im Vergleich zu dem, was der Transfer jedoch im Kraichgau auslöste, erscheint der Wechsel des Brasilianers nur Beiwerk in einer Seifenoper. Hoffenheims Trainer Ralf Rangnick fühlte sich von Mäzen Hopp übergangen und kündigte prompt seinen Job, den er stets als langjähriges Erfolgsprojekt zu verkaufen versuchte. Die Causa Gustavo endete somit in der wohl ersten Demission eines Bundesliga-Coaches wegen eines Spielertransfers.

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Wie die Dinge doch manchmal zusammenhängen. Mit der Verpflichtung Luiz Gustavos hatten die Bayern-Bosse ihrem Kapitän Mark van Bommel ein klares Zeichen gegeben: Sie wollten auf der Position des Holländers im defensiven Mittelfeld ziemlich kurzfristig einen jüngeren, agileren Spieler - wie Gustavo. Van Bommel überlegte, ob er sich van Gaals Degradierung (er wollte van Bommel auch das Kapitänsamt wegnehmen) gefallen lassen solle und entschied sich zur Flucht nach Mailand. Bei van Bommels Verabschiedung fielen dann Worthülsen wie "tolle Zeit", "Super-Verein" oder "Schade, dass er geht". Doch der freundliche holländische Abschiedsgruß "Tot ziens" (bis bald) unter den Landsleuten van Bommel und van Gaal war nicht zu vernehmen.

Eintracht Frankfurt v Borussia M'gladbach - Bundesliga

Quelle: Bongarts/Getty Images

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Beim Medizin-Check durchgefallen, die Zweite. Wie Demba Ba, dessen Wechsel zu Stoke City bereits in staubtrockenen Tüchern verpackt war und doch noch platzte, scheiterte auch der Frankfurter Caio mit seinen Bemühungen, nach Moskau - zu Dynamo - überzusiedeln. Schuld war erneut die ärztliche Untersuchung beim vermeintlich neuen Arbeitgeber, die bei den Russen Zweifel an der Fitness des Brasilianers aufkommen ließ. Das bereits ausgemachte Geschäft löste sich in Rauch auf und Caio, bei der Eintracht zuletzt kaum mehr im Einsatz, befand sich plötzlich wieder in der Startelf der Frankfurter (gegen Borussia Mönchengladbach).

Patrick Helmes

Quelle: dpa

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In der Rubrik "Hängepartie" war die Übernahme von Patrick Helmes durch den VfL Wolfsburg wohl der prominenteste Fall des Winters. Wochenlang pokerten der VfL und Bayer Leverkusen um einen finalen Deal, am Ende musste Leverkusens Trainer Jupp Heynckes Helmes sogar aus dem Kader streichen, weil der zu sehr mit seinem möglichen Umzug beschäftigt war. Endgültig über die Bühne ging der Transfer erst wenige Minuten vor Ablauf der offiziellen Wechselfrist am 31. Januar. Helmes? Da war doch was! Richtig, bereits bei seinem Wechsel von Köln nach Leverkusen im Jahr 2008 hatte es wochenlange Querelen gegeben, ehe alles klar war. Alles andere wäre ja auch langweilig.

TSV 1860 München - Arminia Bielefeld

Quelle: dpa

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Zum Schluss noch eine Wechselgeschichte, wie sie vielleicht nur bei 1860 München möglich ist: Wenn es den "Löwen" an einem nicht mangelt, dann an vielversprechendem Nachwuchs. So auch der 18-jährige Spielmacher Moritz Leitner, der nach all den Benders, Gebharts, Schäfers oder Träschs der vorerst letzte 60-Export in die Bundesliga sein sollte. Borussia Dortmund sicherte sich den jungen Techniker für eine Million Euro, wollte ihn aber leihweise noch bei den Münchnern "parken", um ihn für die kommende Saison als Profi zu integrieren. Wie eng es um die Finanzen des TSV bestellt ist, zeigt die Tatsache, dass man sich die Ausleihe Leitners nicht leisten wollte - und so landete der Mittelfeldmann beim FC Augsburg. 1860-Sportchef Miroslav Stevic passte das gar nicht, doch wenn es stimmt, was Augsburgs Manager Andreas Rettig sagt ("Ohne Zustimmung von 1860 wäre der Transfer gar nicht möglich gewesen"), dann sind die "Löwen" wieder mal vor allem eines: selbst schuld.

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Quelle: AFP

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Ein Schmankerl zum Schluss - wohlgemerkt in Zeiten mobiler Kommunikation, in denen sich Profis mitunter entscheiden müssen, ob sie das Zweit- oder Dritt-iPhone mit zum Training nehmen. Ein gutes altes Faxgerät hat jedenfalls den Wechsel von Maxim Choupo-Moting vom Hamburger SV zum 1. FC Köln verhindert. Die Geschehnisse im Zeitraffer: Vater Just Choupo-Moting wollte den unterschriebenen Vertrag um 17.49 Uhr zum 1. FC Köln faxen, das Faxgerät streikte, der Vertrag fand kurz darauf den Weg zur DFL nach Frankfurt - jedoch erst um 18.12 Uhr. Um 18.00 Uhr schloss jedoch die deutsche Transferliste, Choupo-Moting bleibt ein Hamburger. "Die DFL hat uns mitgeteilt, dass die Unterlagen nicht rechtzeitig eintrafen und der Transfer nicht zustande kommt", sagt Kölns-Geschäftsführer Claus Horstmann: "Ihr Standpunkt ist: Für technische Probleme können wir nichts. Wir aber auch nicht. Wir haben gegen die Entscheidung Beschwerde eingelegt. Unsere Hoffnung ist aber gering, dass wir die DFL noch überzeugen."

© sueddeutsche.de/jbe/ebc
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