Fußball Im Gamp Nou

Soll in Hallein wieder den Retter spielen: Werner Lorant.

(Foto: Uwe Lein/dpa)

Mission für sieben Spiele: Werner Lorant soll den österreichischen Fünftligisten FC Hallein vor dem Abstieg retten.

Von Thomas Gröbner

Manchmal mag es dem Fußball-Rentner Werner Lorant im Strandbad Waging am See ein wenig zu ruhig zugehen, zwischen all den Dauercampern, Minigolfern und Gassigehern, bei denen er seit 2011 wohnt. Ein kleines Abenteuer im oberbayerischen Idyll könnte da gerade recht kommen. Vor drei Wochen habe er sich deshalb ein Angebot eines chinesischen Vereins angehört, aber das sei doch eher war für einen jungen Laptoptrainer, knurrte Lorant und lehnte ab.

Als dann der FC Hallein auf der Suche nach einem Retter anklingelte, da mussten sie Lorant nicht lange bitten. "Zwei, drei Telefonate, ein Treffen," mehr brauchte David König nicht, um ihn zu überzeugen, den Retter für den Tabellenletzten der Landesliga Salzburg zu geben. Schon 2017 hatte König ihn als Trainer nach Hallein gelotst. "Wenn jemand Hilfe braucht, dann mach ich das", sagt Lorant. "Werner brennt schon wieder darauf. Wenn er es nicht schafft, dann niemand", sagte Halleins König glücklich bei Sky Sport Austria.

Und hier wird die Geschichte kurios. Denn Sportdirektor David König hat Werner Lorant nicht für seinen Verein Union Hallein verpflichtet, den Lorant 2017 schon mal vor dem Abstieg gerettet hatte. Sondern für den Stadtrivalen FC Hallein. Keine selbstlose Nachbarschaftshilfe, wie man nun denken könnte, kein Akt der Nächstenliebe. Denn König wechselt in der kommenden Saison selbst die Seiten in der Stadt, von Union zum FC. Und der 33-Jährige versucht nun alles, um seinen zukünftigen Klub in der Liga zu halten.

So richtig weiß Lorant noch nicht, worauf er sich diesmal eingelassen hat. Noch kennt er weder die Mannschaft, noch die Liga. Lorant, der Mann, der schon so viel im Fußball erlebt hat, vor allem beim TSV 1860 München, bringt das nicht aus der Ruhe. "Die Jungs sind eh schon nervös, wenn ich komme, da muss doch ich nicht auch noch nervös sein."

Die neue Arbeitsstätte von Werner Lorant wird liebevoll "Gamp Nou" genannt und liegt auf einer Art Insel neben einem Kraftwerk, umspült von einem Nebenarm der Salzach - und hat so gar nichts mit Barcelonas Fußball-Kathedrale Camp Nou zu tun. Spanisches Tiki-Taka wird es unter Lorant auch nicht geben. "Ich werde dem FC Hallein das Kämpfen und Laufen lehren. Mit Schönspielen werden wir die Liga sicher nicht halten", sagte er den Salzburger Nachrichten.

Sieben Spiele stehen noch aus, das erste am Samstag gegen den SV Schwarzach. Sieben Wochen soll Lorants Mission in Hallein dauern, und weil dann schon Ferien beginnen, warten auch die Eltern und Kinder in der Fußballschule am Campingplatz auf ein Training mit Werner "Beinhart". Abstiegskampf und Kindertraining, ist die Doppelbelastung nicht zu viel für einen Siebzigjährigen? "Quatsch. Fußball ist für mich keine Doppelbelastung."