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Fußball-Bundesliga:Plan 20

DFB und Klubverantwortliche diskutieren eine Erweiterung der Bundesliga. Wird es einen großen Ligapokal geben? Mit neuen Modellen sucht der Fußball Einnahmen.

Philipp Selldorf

Am Donnerstag treffen sich die Spitzenvertreter der Bundesliga mit den Chefstrategen der DFL zur Vorstandssitzung des Ligaverbandes. Zwar handelt es sich um eine turnusmäßige Tagung, aber nicht um einen Routinetermin. Das Gremium, dem sieben Klub-Repräsentanten und vier Führungskräfte der DFL angehören, berät Projekte, die wahrscheinlich bis weit in das nächste Jahrzehnt hinein den Spielplan des deutschen Profifußballs verändern werden.

Uli Hoeneß im Zwiegespräch mit DFL-Vizepräsident Peter Peters, der eine Erweiterung des Ligapokals plant.

(Foto: Foto: Getty)

Auf das Ergebnis der elementaren und wegweisenden Diskussion warten daher nicht nur die 36 Vereine der ersten und der zweiten Liga, sondern auch der große Nachbar DFB. Naturgemäß kann es dem großen Fußballbund nicht einerlei sein, wenn das Profilager erwägt, den Mitgliederkreis zu erweitern und - alternativ oder zusätzlich - einen eigenen Pokalwettbewerb zu gründen.

In der laufenden Spielzeit steht der DFB-Pokal - der an diesem Dienstag in die zweite Runde eintritt - noch konkurrenzfrei im Terminkalender, das soll sich aber wieder ändern. Die Frage ist: auf welche Weise? Die Gründung eines neuen Ligapokals, den die DFL für alle Mitglieder der ersten und zweiten Liga veranstaltet, sei "im Prinzip bereits beschlossen", sagt Schalkes Geschäftsführer Peter Peters, der im Ligaverband als Vizepräsident fungiert. Fraglich ist, wie der Wettbewerb ausgetragen wird: Als Unterhaltungs- und Vorbereitungsprogramm vor dem Saisonstart? Oder als großes Vollzeitprogramm während des Spieljahres?

Großer Ligapokal oder erweiterte Liga

Inzwischen zeichnet sich allerdings die Tendenz zu einer anderen Reformvariante ab. Klubverantwortliche wie der Frankfurter Vorstandschef Heribert Bruchhagen und der Mainzer Präsident Harald Strutz ziehen einem großen Ligapokal die Erweiterung der ersten und der zweiten Liga um jeweils zwei Klubs vor (siehe SZ vom 17.9.). Als "künstliches Konstrukt" betrachtet Bruchhagen den Ligapokal. Somit habe sich in der Debatte ein "souveränes Patt" ergeben, meint Peters spöttisch, aber ohne Vorbehalt: "Wir müssen uns mit dem Gedanken der Aufstockung befassen", sagt er, "aber eines ist klar: Einen großen Ligapokal einführen und die beiden Ligen erweitern, das geht nicht."

Darüber hinaus, erklärt Peters, käme ein Ligabetrieb mit je 20 Vereinen nur als mittelfristige Lösung in Frage: "Da reden wir über das Jahr 2012, vorher geht das nicht." Im Weg steht vor allem der nächste Fernsehvertrag, der ab 2009 gelten und für drei Jahre Bestand haben wird. Die Ausschreibung für dieses komplexe Vertragswerk "ist aktuell von so vielen Dingen beeinflusst und belastet, da kann man dieses Thema nicht auch noch hineinrühren". Dass die übertragenden Fernsehsender größere Ligen grundsätzlich begrüßen würden (ganz einfach deswegen, weil es mehr zu übertragen gäbe), gilt als unbestritten. Dass die TV-Unternehmen dafür auch überproportional bezahlen würden, wird in Zweifel gezogen.

Skepis beim DFB

Der DFB sieht das alles nicht ohne Bedenken, verzichtet aber vorerst auf Einspruch. Zum möglichen Konkurrenzprodukt Ligapokal meint Generalsekretär Wolfgang Niersbach: "Erst mal müssen die Vereine ja klären, was sie wollen. Für die Überlegung haben wir, gerade unter den herrschenden wirtschaftlichen Umständen, Verständnis." Über die folgende Diskussion ist damit noch nichts gesagt. Während Peter Peters vorsorglich feststellt, der DFB dürfe "selbstbewusst genug sein, auf die Tradition des DFB-Pokals zu vertrauen", warnt Niersbach schon mal vor möglichen Folgen einer Angebotsexpansion: "Man ist gut beraten, den Markt nicht durch weitere Wettbewerbe zu überreizen. Wir freuen uns ja alle über die guten Zuschauerzahlen, aber ich bin lange genug dabei, um zu wissen, dass die Kurve auch wieder nach unten gehen kann."

Außerdem führt er an, dass trotz der künftig kürzeren Winterpause kaum zusätzliche Zeit für mehr Vereinsfußball zur Verfügung stehe. So entwendet beispielsweise die Uefa ein Wochenende im Mai, um samstags ihr Champions-League-Endspiel auszutragen. Schon die aktuelle zweite DFB-Pokalrunde mit 36 beteiligten Vereinen sei als Opfer der Terminnot "in den Spielplan gequetscht" worden, sagt Niersbach. Zum Thema Aufstockung der Ligen zieht der DFB-Generalsekretär das gleiche Argument heran: "Da stelle ich noch mal die Frage: Wie schafft man das zeitlich?"

Kleine Teams dafür, große dagegen

Bei der DFL wird erwartet, dass die Reformdebatte eher eine Präferenz für größere Ligen als für einen großen Ligapokal hervorbringt. Dieser Beschluss würde dem Mehrheitsinteresse entsprechen. Das Gros der Klubs - die zweite Liga und die Vereine aus der unteren Hälfte der ersten Liga - wären froh über mehr Beschäftigung für ihre Profis und eine höhere Auslastung der zum Teil in Eigenregie betriebenen Stadien. Weniger begeistert sind die Klubs mit Europapokalambitionen. Spitzenvereine wie Bayern München, Werder Bremen oder Schalke 04 können auf weitere nationale Pflichttermine für ihre ohnehin reichlich strapazierten Nationalspieler gut verzichten.

Schalke-Vorstand Peters meint zudem: "Mehr Spiele bedeuten nicht automatisch mehr Ertrag. Die Kosten steigen, wesentliche Einnahmen nicht. Und den Plan, auf 20 Vereine aufzustocken, hat die Liga schon vor drei Jahren abgelehnt." Vor drei Jahren hatte der Profifußball allerdings noch keine Probleme mit dem Kartellamt. Freudig sah man stetig steigenden Fernseh-Erlösen entgegen. Derzeit wäre es für die Vereine bereits eine Freudenbotschaft, wenn der nächste TV-Vertrag wenigstens das einbringen würde, was der laufende Vertrag garantiert.

© SZ vom 23.09.2008/JBe
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