Füchse Berlin bezwingen den HSV:Held Heinevetter muss schlafen

Lesezeit: 3 min

Dank ihres überragenden Nationalkeepers gewinnen die Füchse Berlin auch das Champions-League-Rückspiel beim HSV Hamburg und feiern den größten Erfolg der Vereinsgeschichte. Fragen nach einer Wachablösung im deutschen Handball pariert der Hauptstadtklub allerdings gekonnt.

Carsten Eberts, Hamburg

Vielleicht waren letztlich sogar die eigenen Mitspieler für die miese Konstitution ihres Keepers verantwortlich. Die Partie in der Hamburger Arena war gerade vorüber - und die Feldspieler der Füchse Berlin würfelten sich über Silvio Heinevetter. Sie knuddelten ihren Torhüter, schlugen ihn, womöglich haute ihm einer ein wenig zu fest auf die Schulter.

HSV Hamburg - Fuechse Berlin

Überragend in Hamburg: Berlins Keeper Silvio Heinevetter.

(Foto: dapd)

Auf spektakuläre Weise hatte Heinevetter in der Schlussphase der Partie die wichtigsten Bälle gehalten, mal lag er quer in der Luft, mal schmiss er sich einfach den heranstürmenden Hamburgern entgegen und brachte noch irgendein Körperteil an den Ball. Insgesamt waren es 21 Paraden, mit denen Heinevetter den 24:23-Sieg der Berliner im Rückspiel des Champions-League-Achtelfinals ermöglichte. Ein gigantischer Wert.

Etwas später stand Heinevetter dann in den Gängen der Arena, durchgeschwitzt, sichtlich zerknautscht, als hätten die Kollegen bisweilen auch das Gesicht erwischt. "Wir werden gleich ein kühles Bierchen trinken, das haben wir uns verdient", sagte der Torwart. Und danach? Eine ausgiebige Berliner Partynacht? Wilde Sauferei auf der Busfahrt? "Nein, ich muss schlafen. Ich bin brutal fertig."

Heinevetter und die Füchse hatten nach dem 32:30 im Hinspiel auch im Rückspiel immens viel investiert, am Ende stand nicht weniger als der größte Erfolg der jungen Vereinsgeschichte. "Wir haben nicht die besten oder teuersten Spieler, aber dafür Spieler mit Charakter und Leidenschaft", sagte Manager Bob Hanning stolz, gar ein wenig gerührt. Auch Heinevetter sagte: "Handball ist in Berlin jetzt eine echte Adresse. Das muss erst mal etwas heißen."

Das deutsche Duell im Achtelfinale der Champions-League war eine kuriose Angelegenheit, allein wegen des seltsamen Spielverlaufs. Zu Beginn führte Hamburg (3:1), dann drehte Berlin die Partie (8:10), bevor Hamburg in der zweiten Halbzeit auf 17:12 davonzog. "Das Ding war eigentlich fast weg", erklärte Heinevetter, "die Halle stand Kopf, wir hatten ein ganz, ganz tiefes Tief." Es drohte sogar eine Blamage, wie der Keeper bekannte. Einen Zwei-Tore-Vorsprung hätte der HSV über die Zeit retten müssen. Dazu kam es nicht.

Denn wie so oft in dieser Spielzeit ließen die Hamburger die nötige Konstanz vermissen. Nach der Re-Inthronisierung von Präsident Martin Schwalb vor wenigen Wochen als Trainer hatten Spieler und Fans auf bessere Zeiten gehofft. Das Spiel gegen Berlin sollte der Start in eine bessere Saisonschlussphase werden - es wurde die traurige Bestätigung des bisherigen Trends. Wieder verspielte der HSV einen Vorsprung, erneut waren hocherfahrene Spitzenkräfte wie Pascal Hens, Michael Kraus oder Guillaume Gille trotz guter Aktionen zuvor nicht in der Lage, das Team in den wichtigsten Phasen zu führen.

Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema