FSV Mainz 05 Gar nicht so heile Mainzer Welt

Unter Druck: Der Mainzer Päsident Harald Strutz (vorne, Archivbild).

(Foto: Fredrik von Erichsen/dpa)

Warum erhält der Präsident von Mainz 05 für sein Ehrenamt so viel Geld? Vor der Europa-League-Partie gegen Qäbälä gerät Harald Strutz in Erklärungsnot.

Von Tobias Schächter, Mainz

Christian Heidel war am Dienstagabend nicht da, aber Gesprächsthema war er trotzdem. Harald Strutz, der Präsident des FSV Mainz 05, sprach in seiner Rede auf der Mitgliederversammlung in den Logen des Mainzer Stadions über den Manager, der den Klub im Sommer nach 24 Jahren verlassen hat. Heidel, sagte Strutz mit Blick auf dessen Situation beim FC Schalke, erlebe "schwierige Zeiten".

Dabei hat er selbst es gerade auch nicht leicht. Als Präsident von Mainz 05 bekleidet Strutz ein Ehrenamt, Anfang Januar aber wurde bekannt, dass der Rechtsanwalt schon seit 2006 eine Aufwandsentschädigung von zuletzt 9000 Euro pro Monat sowie 14 000 Euro monatlich für die juristische Beratung des Klubs erhielt. Die Veröffentlichungen hatten in Mainz für Verstimmung gesorgt - und Debatten nach sich gezogen, was Strutz für seine üppige Entlohnung leiste.

Am Tag der Mitgliederversammlung berichtete die Allgemeine Zeitung zudem, dass Strutz zwischen 2006 und 2014 über die Honorierung einer Rechtsschutzversicherung für seine anwaltlichen Tätigkeiten vor Zivil- und Sportgerichten zusätzlich noch 48 244 Euro und 98 Cent kassiert hatte. Eine legale Absicherung, aber eine mit Geschmäckle. Dass die Interna aus "dem Umfeld des Vorstandes" stammen, wirft ein Licht auf die gar nicht mehr so heile Welt beim FSV.

Strutz muss sich rechtfertigen

Der unter Druck geratene Präsident erklärte, er halte 273 000 Euro im Jahr als Entlohnung für seine Arbeit für "angemessen", gab aber auch zu, dass der Verein "Transparenz habe vermissen lassen". 2005 habe das Präsidium, das seit der Amtsübernahme von Strutz 1988 weitgehend noch heute mit denselben Personen fungiert, für die Aufwandsentschädigungen eine Satzungsänderung vorgenommen. Die anderen Vorstände bekommen seither 2000 Euro monatlich. Strutz rechtfertigte seine Honorierung auch mit der Geschichte des Klubs. Als er 1988 das Präsidentenamt übernahm, stand der Verein vor der Insolvenz. Spätestens mit dem Bundesligaaufstieg 2004 sei er aber nur noch als Präsident von Mainz 05 wahrgenommen worden und nicht mehr als Anwalt. Die Umsätze aus seinem Beruf seien damals um 80 Prozent eingebrochen.

Seine Aussage, dass er nach allem, was er geleistet habe, "nun in der merkwürdigen Situation" sei, sich zu rechtfertigen, zeugt davon, dass er sich zu Unrecht unter Druck gesetzt sieht. Er habe schließlich auch bis zu seinem Rücktritt im August in den Gremien des DFB und der DFL "nicht zum Nachteil von Mainz 05" gearbeitet: "Es ist ja nicht immer nur Scampi essen." Das Jahr war für Mainz 05 ein großer Erfolg, erstmals liegt der Jahresumsatz 2015/16 bei 104 Millionen Euro, und die Mannschaft spielt in der Europa League, an diesen Donnerstag beim FC Qäbälä in Aserbaidschan. Doch es war eben auch das Jahr des Weggangs von Manager Heidel, und der hat vieles verändert. Er habe Heidel als seinen Nachfolger im Kopf gehabt, erklärte Strutz.

Als dieser ihn im Mai 2015 von seinen Wechselgedanken unterrichtete, sei er geschockt gewesen - und behielt das Wissen für sich. Vorstandskollegen ärgern sich darüber bis heute. Im nächsten Jahr will er sich "noch drei Jahre - allerdings nicht in der Hauptamtlichkeit" - wählen lassen. Er sei eine "Identifikationsfigur", sagte Strutz voller Selbstvertrauen. Der Applaus nach seiner Rede war nicht euphorisch, aber Unmutsbekundungen waren kaum zu hören. Womöglich werden die Zeiten in Mainz bald doch wieder leichter.

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