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French Open im Herbst:Die Taktik der FFT könnte Chancen haben aufzugehen

Wie eine Planierraupe ist die FFT wahrlich in das zweiwöchige Zeitfenster ab Ende September gebrettert. Ohne Rücksicht auf Turniere, die dort verankert sind: Metz, St. Petersburg, Chengdu, Sofia, Zhuhai (Männer), Guangzhou, Seoul, Tokio, Wuhan (Frauen). Der Laver Cup in Boston ist auch (17. bis 19. September). Federers Showkampf ist sportlich belanglos, doch die Strahlkraft des 20-maligen Grand-Slam-Siegers aus der Schweiz hat das Duell zwischen sechsköpfigen Teams aus Europa und dem Rest der Welt zu einem millionenschweren Business gemacht. In einer Erklärung machte die Agentur Team 8, die hinter Federer und dem Laver Cup steht, klar: Man will keinen Millimeter weichen.

Das Bizarre ist, dass alle Streitigkeiten vorerst um den hypothetischen Fall kreisen, dass die Pandemie eingedämmt und Tennis gespielt werden kann. Angesichts der dramatischen Entwicklungen gerade in Europa und den USA ist davon aber nur schwer auszugehen. Am Mittwochabend gaben ATP und WTA bekannt, dass die Turnierpause nun weltweit bis 7. Juni mindestens andauert. Trotzdem eint nicht mal diese düstere Aussicht den Tenniskosmos. Das Bild, das sich aufdrängt: Statt in einer fundamentalen gesellschaftlichen Krise zusammenzufinden, hat der Verteilungskampf um Pfründe begonnen. Nicht langsam. Sondern von null auf hundert.

Trotz der Kritik am Vorpreschen könnte aber die Taktik der FFT Chancen haben aufzugehen. Am Ende einer Saison, in der die Profis wohl kaum etwas verdienten, würden die French Open mit 45 Millionen Euro Preisgeld aufwarten, rund 50 000 Euro allein für Runde eins wäre garantiert. Fraglich ist ohnehin, ob die Turniere in China stattfinden und, selbst wenn, ob die Frauen etwa nach Wuhan reisen, dem Corona-Ursprungsort. Der Lockruf des Geldes wird letztlich zur Zerreißprobe.

Selbst Pospisil hat in der L'Equipe eingeräumt, dass ein Boykott kein zu erwartendes Szenario ist. Noch komplizierter könnte die Auseinandersetzung werden, wenn Wimbledon (erste Juli-Hälfte) eine Entscheidung fällt. Wie Rafael Nadal, zwölfmaliger Paris-Gewinner, die Verlegung findet, ist unklar. Es heißt, French-Open-Turnierdirektor Guy Forget habe ihn vor der Bekanntgabe angerufen. Der Mallorquiner hat gerade Wichtigeres zu tun. Auf der Insel muss er sich um jene Talente kümmern, die in seiner Akademie aufgrund Corona ausharren müssen.

© SZ vom 19.03.2020/chge
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