Freiburg - Wolfsburg Energie Freiburg

Das 3:3 gegen den VfL Wolfsburg belegt die Comeback-Qualität des Sportclubs. Torschütze Vincenzo Grifo überzeugt bei seinem ersten Heimspiel nach seiner Rückkehr. Und auch die Niedersachsen können dem Remis einiges abgewinnen.

Aus Sicht des SC Freiburg gab es zwei Interpretationen des 3:3 gegen den VfL Wolfsburg. Einerseits warten die Breisgauer weiter auf den ersten Rückrundensieg. Andererseits, und das war eher die Meinung der Beteiligten am Samstag, muss inzwischen wohl fast jeder Konkurrent die imposante Moral des Sportclubs fürchten. Denn die Elf von Trainer Christian Streich lässt sich nicht unterkriegen. Die Comeback-Qualitäten sind wertvoll, um - wenn auch mühsam - die Distanz zu den Abstiegsrängen zu wahren.

0:1, 1:2, 2:3 - dreimal lagen die Freiburger gegen den Europa-League-Aspiranten aus Niedersachsen zurück. In der Nachspielzeit flippte auch Trainer Christian Streich kurzzeitig aus. Das vermeintliche 4:3 sorgte für Ärger und Diskussionen, zählte nach einem Videobeweis aber nicht. "Das Positive ist, dass es unseren Riesen-Charakter zeigt", fasste Torschütze Vincenzo Grifo zusammen. Dass Philipp Lienharts Kopfballtor aberkannt wurde, begründete Schiedsrichter Felix Brych mit Abseits und damit, dass SC-Verteidiger Dominique Heintz Wolfsburgs Torhüter Koen Casteels behindert habe. "Es ist ein Witz, da einzugreifen", kritisierte Torjäger Nils Petersen. Streich erklärte, er wisse nicht, wie sich Heintz anders verhalten hätte sollen. Der stets emotionale Coach bemühte sich aber, diplomatisch zu reagieren. Nein, betrogen fühle er sich nicht, behauptete er. Gute Schiedsrichter würden eine Balance schaffen. Wolfsburg hätte einen weiteren Elfer zugesprochen bekommen können.

Christian Streich lobt Schiedsrichter Felix Brych

Trotz viel Gesprächsbedarf waren sich danach die Protagonisten einig: Das leidenschaftliche Auf und Ab bot viel. Ein "Krimi", ein "Leckerbissen", schwärmte Petersen. Und VfL-Coach Bruno Labbadia sagte: "Das ist der Grund, warum ich Fußball so liebe." Es war ein Spektakel, das so nicht zu erwarten gewesen war. Schließlich unterhielten nicht zwei Topteams die 23 600 Zuschauer. Sondern der badische Außenseiter, für den die Bundesliga ein stetiger Überlebenskampf ist, und der niedersächsische Fast-Absteiger von 2017 und 2018. "Das erlebt man nicht alle Tage", sagte Grifo. Der 25-Jährige überzeugte in seinem ersten Heimspiel nach seiner Rückkehr mit einem Tor (37. Minute) und einer Vorlage. Ebenso wie Petersen (70.) und Luca Waldschmidt wandelte der Leihspieler der TSG 1899 Hoffenheim die Freiburger Moral in einen Ausgleich um. Waldschmidt rettete nach Toren von Jerome Roussillon (11.), Wout Weghorst (63./Foulelfmeter) und Renato Steffen (75.) das Remis (88.).

Für die spielerisch reiferen Wolfsburger waren es eine Enttäuschung und zwei Punkte zu wenig für das Ziel Europa. Die Badener hatten schon beim 2:2 am vergangenen Wochenende in Stuttgart dank ihrer Moral eine Niederlage abgewendet. Notwendig wird diese Mentalität aber auch wegen der Schwächen in der Defensive, zwölf Gegentore haben die Freiburger allein in den vier Rückrundenpartien zugelassen. "Schade", bedauerte Streich das dramatische Ende und den verpassten Sieg: "Wir hätten brutale Energie gekriegt." Aber auch so war Freiburgs Energie ja schon ganz beachtlich.