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Freiburg - Düsseldorf:Lockruf der Wiese

Fussball Bundesliga - 19/20 - SC Freiburg vs. Fortuna Duesseldorf - 22-02-2020 Torjubel Erik Thommy (Fortuna Duesseldorf

Nachholbedarf: Niko Gießelmann und Eric Thommy hatten mit Fortuna Düsseldorf in der Bundesliga nur wenig Grund zur Freude. In Freiburg änderte sich das.

(Foto: Gerd Gruendl/imago)

Nach einem Usain-Bolt-verdächtigen Sprint von Erik Thommy rätseln die Freiburger, warum sie sich trotz Warnungen übertölpeln ließen.

Von Christoph Ruf, Freiburg

Nach dem Spiel musste Freiburgs Trainer Christian Streich erst mal über die Blase von Nicolas Höfler sprechen. Nein, Harndrang sei nicht der Grund gewesen, warum Freiburgs Mittelfeldspieler nach einer Stunde vom Platz rannte und in der Kabine verschwand, wie zunächst geraunt wurde. In Wahrheit, so verriet sein Trainer Christian Streich nach dem Spiel, sei Höfler am Sprunggelenk verbunden worden: "Er ist umgeknickt und hat gefragt, ob er raus kann."

Der Moment für diese Behandlungspause war allerdings unglücklich gewählt, denn die zehn verbliebenen Freiburger postierten sich nach einem eigenem Eckball so ungeschickt, dass Düsseldorfs Erik Thommy nach einem Usain-Bolt-verdächtigen Sprint über 70 Meter nur noch Freiburgs Torhüter Alexander Schwolow vor sich hatte, als er das zweite Düsseldorfer Tor erzielte (61.) und somit den Sieg gegen merkwürdig ideenlose Freiburger sicherstellte. Von einem "Tor des Willens" sprach Thommy nach dem Spiel: "Ich hatte plötzlich die ganze Wiese vor mir und wollte einfach unbedingt das Tor machen."

Aufgrund der Niederlagen von Bremen und Paderborn konnte die Fortuna also durch ein Willens- und ein Kopfballtor von Innenverteidiger André Hoffmann (37.) drei Punkte im Kampf um den Klassenverbleib gutmachen. "Das war vielleicht nicht sexy, aber wir haben gewonnen", fasste Trainer Uwe Rösler den Vortrag zusammen, der tatsächlich auch jede Menge taktische Fouls und Reklamationen vorsah. "Wir haben viele Freistöße rausgeholt und den Rhythmus der Freiburger unterbrochen", gab auch Angreifer Rouwen Hennings zu, der prognostizierte, dass "die nächsten Tage allen ein bisschen leichter fallen werden", womit der norddeutsche Karnevals-Agnostiker aber nicht auf die fünfte Jahreszeit angespielt haben wollte.

Freiburgs Torhüter Schwolow wollte den Düsseldorfer Kollegen nicht widersprechen. Doch wie sein Trainer wollte auch er sich nicht über die Kniffe der Düsseldorfer beschweren. Zumal ja nur ein Bruchteil der Entschlossenheit und Abgezocktheit gereicht hätte, um nach der Heimniederlage gegen Paderborn vor vier Wochen nicht nun auch gegen die nächste Mannschaft zu verlieren, die man am Ende der Saison hinter sich lassen will. "Ich kann es nicht so richtig verstehen, wie wir heute gespielt haben", sagte Alexander Schwolow: "Wir wussten eigentlich genau, was uns erwartet."

Tatsächlich war die Fortuna vor dem Spiel als besonders gefährlicher Gegner ausgemacht worden. Denn gegen eine Spielweise, wie sie die Fortuna pflegt, scheint der Sportclub im Moment machtlos zu sein. Gegen tief stehende Mannschaften, die das Freiburger Offensivpressing mit langen Bällen umgehen, tut sich der SC in dieser Saison extrem schwer, weil statt Balleroberungen im vorderen Drittel ein möglichst kreativer Spielaufbau von hinten heraus gefragt ist. Und dabei hapert es beim SC seit längerem gewaltig.

Luca Waldschmidt und Vincenzo Grifo, die beiden Hochbegabten in der Freiburger Offensive, spielten auch am Samstag schwach; Lucas Höler versprangen Bälle, die in der ersten Liga sonst produktiv verarbeitet werden. Ein zielführendes Aufbauspiel fand nicht wirklich statt, die Fünferkette der Fortuna dichtete die an guten Tagen durchaus gefährlichen Freiburger Außenbahnen ab, die Zentrale wurde mit beachtlicher Zweikampffreude entnervt.

Nach zuletzt nur acht Punkten aus neun Spielen darf sich derweil Christian Streich bestätigt fühlen, der Fragen nach Ambitionen auf den internationalen Wettbewerb immer sehr energisch als hanebüchene Spinnereien abtut. Angesichts von immer noch 13 Zählern Vorsprung auf den Relegationsrang, den nun Fortuna Düsseldorf innehat, reicht aber auch der Pessimismus von Christian Streich nicht dafür, um ernsthaft noch akute Abstiegsnot heraufzubeschwören. Die Gefahr, eine vielversprechend begonnene Saison mit mittelmäßigen bis schlechten Leistungen ausdimmen zu lassen, besteht aber durchaus.

© SZ vom 24.02.2020
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