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Frankfurt - Düsseldorf (18 Uhr):Zurück nach London

Eintracht Frankfurt umweht nach überstandener Qualifikation schon wieder eine besondere Europa-Stimmung. Vor dem Spiel gegen Düsseldorf sorgt nur die Causa Rebic für Unruhe.

Frankfurts Vorstandsmitglied Axel Hellmann konnte sich ein genüssliches Lächeln nicht verkneifen. Der Tag war zwar nicht ganz so verlaufen wie von ihm erhofft, aber immerhin fast so. Manchester United hatte sich Hellmann als Gegner für die Gruppenphase der Europa League gewünscht, stattdessen wurde es - neben Standard Lüttich und Vitoria Guimaraes - der FC Arsenal. Aber das ist auch eine reizvolle Runde, und so dürfen die Verantwortlichen der SGE berechtigterweise hoffen, dass sie ihre schöne Europa-Geschichte demnächst um ein paar Kapitel erweitern können.

Die Saison ist zwar erst zwei Bundesliga- und sechs Europapokal-Qualifikations-Spieltage alt, aber in Frankfurt scheint sich schon wieder die Europa-Stimmung des Vorjahres zu verbreiten. Mit einem wilden 3:0 (1:0) gegen Straßburg überstand die SGE am Donnerstagabend die Europa-League-Playoffs, zum zweiten Mal nacheinander erreichte sie die Gruppenphase. "Zwei Jahre nacheinander in Europa dabei zu sein, das ist für den Verein gefühlt wie ein Doublesieg. Das wird uns auch in der Bundesliga tragen", sagte Sportvorstand Fredi Bobic.

Eintracht Frankfurt v Racing Club de Strasbourg - UEFA Europa League Playoffs

Filip Kostic.

(Foto: Alex Grimm/Getty Images)

Die Eintracht und Europa - das ist eine besondere Beziehung geworden. In der Vorsaison war dem Verein ein beeindruckender Lauf gelungen, der über Stationen wie Mailand oder Lissabon bis ins Europa-League-Halbfinale gegen den FC Chelsea führte - und dort erst im Elfmeterschießen endete. Kaum war die Sommerpause vorbei, ging es wieder los mit den Mühen der Qualifikation, erst Tallinn/Estland, dann Vaduz/Liechtenstein, zum Schluss das Duell gegen Straßburg, das die Eintracht nach dem 0:1 im Hinspiel noch drehte. Aber bei kaum einem anderen Klub bejubeln die Zuschauer diese europäischen Duelle so leidenschaftlich wie in Frankfurt.

Das vorige Frankfurter Europa-Jahr war auch deswegen so besonders gewesen, weil sich der Klub unversehens als eine Art Ehrenretter für den deutschen Fußball verstehen musste. In der Champions League war für die Bundesligisten spätestens im Achtelfinale Schluss, in der Europa League für alle - außer Frankfurt - in der Zwischenrunde. Aktuell gibt es mit Blick auf die Champions League schon wieder skeptische Blicke, weil Dortmund und Leverkusen schwere Lose erwischt haben. Und bei den Europa-League-Teilnehmern ist halt die Frage, wie ernst sie den Wettbewerb nehmen.

Die zwölf Vorrundengruppen der Europa League

Gruppe A

FC Sevilla, Apoel Nikosia, Qarabag Agdam/Aserbaidschan, F91 Düdelingen/Luxemburg.

Gruppe B

Dynamo Kiew, FC Kopenhagen, Malmö FF, FC Lugano.

Gruppe C

FC Basel, FK Krasnodar/Russland, FC Getafe, Trabzonspor.

Gruppe D

Sporting Lissabon, PSV Eindhoven, Rosenborg Trondheim/Norwegen, LASK Linz.

Gruppe E

Lazio Rom, Celtic Glasgow, Stade Rennes, CFR Cluj/Rumänien

Gruppe F

FC Arsenal, Eintracht Frankfurt,Standard Lüttich, Vitoria Guimaraes.

Gruppe G

FC Porto, Young Boys Bern, Feyenoord Rotterdam, Glasgow Rangers.

Gruppe H

ZSKA Moskau, Ludogorez Rasgrad/Bulgarien, Espanyol Barcelona, Ferencvaros Budapest.

Gruppe I

VfL Wolfsburg, KAA Gent, AS St. Etienne, PFK Olexandrija/Ukraine.

Gruppe J

AS Rom, Borussia Mönchengladbach, Istanbul Basaksehir, Wolfsberger AC/Österreich. Gruppe K

Besiktas Istanbul, SC Braga, Wolverhampton Wanderers, Slovan Bratislava.

Gruppe L

Manchester United, FK Astana/Kasachstan, Partizan Belgrad, AZ Alkmaar/Niederlande.

Es ist schon mancher Klub dabei ertappt worden, dass er am späten Donnerstagabend eher die B-Elf aufliefen ließ und die Stammformation fürs Bundesliga-Wochenende schonte. Andererseits hat nicht zuletzt das Beispiel Frankfurt im Vorjahr gezeigt, was sich erreichen lässt, wenn sich ein Verein mitsamt Umfeld auf den Wettbewerb einlässt.

Die Frankfurter gehen ihr zweites Europa-Jahr selbstbewusst ein. Das Erreichen der Knockout-Runde sei das klare Ziel, auch der FC Arsenal müsse in der stimmungsvollen Frankfurter "Burg" erst einmal bestehen, bemerkte Marketingvorstand Axel Hellmann. Zudem legte das Spiel gegen Straßburg nahe, dass sich die Eintracht trotz des Verlustes der Topstürmer Luka Jovic (Real Madrid) und Sebastien Haller (West Ham United) ihren kämpferischen Charakter bewahrt hat.

Es war ja eine durchaus turbulente Partie. Erst ging die SGE durch ein Eigentor in Führung, dann sah Ante Rebic wegen einer Attacke gegen den Torhüter die rote Karte (44.). Anschließend fühlten sich Beobachter eher an eine Volksfest-Auseinandersetzung erinnert als an ein Fußballspiel. Viele Fouls gab es, ein Handgemenge sogar im Kabinentrakt, Rot für Straßburgs Dimitri Lienhard wegen Tätlichkeit (55.) - und schließlich durch Filip Kostic und Danny Da Costa zwei erlösende Tore. "Es war eine unglaubliche Willensleistung der Mannschaft", sagte Bobic.

Dabei ist klar, dass die neue Europa-Qualifikation nicht nur beflügelnd wirken, sondern auch negative Abstrahleffekte haben kann. Die Vorrundenpartien im Herbst können sich später bemerkbar machen; die Klubbosse verbreiten zwar stets die Parole, dass sie das souverän angehen und nicht klagen wollen über die Mehrfachbelastung. Aber die SGE spürte die Strapazen schon vor wenigen Wochen, als sie wegen der europäischen Abende im Liga-Schlussspurt nachließ und die Qualifikation zur Champions League verpasste. Zudem geht nach Jovic und Haller möglicherweise noch Ante Rebic, der dritte Topstürmer aus der Vorsaison. Transferschluss ist Montagabend, bis dahin wird in Frankfurt um den Verbleib gezittert.