Frankfurt - Augsburg (18 Uhr) Nach dem Schnitt

Neues Personal, neue Taktik, neue Stimmung - beim FC Augsburg soll sich durch Trainer Martin Schmidt vieles ändern. Der erste Härtetest führt den Klub nach Frankfurt.

Von Sebastian Fischer, Augsburg

Martin Schmidt, seit Dienstag Trainer des FC Augsburg, hat bei seinem neuen Klub nachweislich schon vor seinem ersten Spiel an diesem Sonntag bei Eintracht Frankfurt etwas verändert. In seiner ersten Pressekonferenz am Mittwoch redete Schmidt fast 50 Minuten lang so euphorisch und energiegeladen, dass er gerne etwas getrunken hätte. Doch vor ihm stand nur Wasser in Plastikflaschen, kein Glas, er merkte das an. Am Freitag, in seiner zweiten Pressekonferenz, stand dann ein Glas vor ihm. Es ist eher nicht davon auszugehen, dass es bei dieser Neuerung bleibt.

Der neue Trainer beim FC, Martin Schmidt (Mitte), will mit Fußballgrundtugenden Augsburg aus dem Abstiegskampf ziehen.

(Foto: Christof Stache/AFP)

"Wir haben einige strukturelle Dinge verändert", hat Augsburgs Präsident Klaus Hofmann am Dienstag gesagt. Für gewöhnlich tritt der wichtigste Entscheider im Verein eher selten öffentlich auf, aber diesmal war der Anlass wohl wichtig genug. Es war ja einer der radikalsten Schnitte in der fast acht Jahre langen Bundesligageschichte des Klubs: Neben Trainer Manuel Baum wurden in akuter Abstiegsgefahr auch dessen Assistent Jens Lehmann und der Technische Direktor Stephan Schwarz freigestellt - und die Vertragsverlängerung von Manager Stefan Reuter bis 2023 bekanntgegeben.

Was nun Schmidt kurzfristig anders machen will, das hat der neue Trainer schon an seinem ersten Arbeitstag beschrieben: die Stimmung verbessern. Der Schweizer sprach am Mittwoch viel von Leidenschaft und Mentalität, von einem einfachen und klar strukturierten Plan, Fußball zu spielen. Dem Taktiker und studierten Pädagogen Baum war zuletzt wohl eine Ansprache mit Hang zum Verkomplizieren zum Verhängnis geworden. Und der im Winter angeblich zu Baums Unterstützung verpflichtete frühere Nationaltorwart Lehmann, heißt es, soll die Atmosphäre in der Kabine noch weiter verschlechtert haben.

Anders als sein Vorgänger bevorzugt Schmidt eine Viererkette in der Abwehr

Es sei keine "Bedrücktheit" zu spüren, sagte Schmidt am Freitag. Am Mittwoch hatte er schon berichtet, seine erste Ansprache habe seinem Eindruck nach "geholfen, ein paar Dinge zu lösen". Am Donnerstag sei er "mit einem Smiley" vom Trainingsplatz gegangen, habe bereits wieder die typisch kämpferische Augsburger Mentalität erkannt. Gegen Frankfurt gehe es darum, "dass wir alle dieselbe Idee haben". Seine Idee vom Spiel, so war es bei seinen vorherigen Bundesligastationen in Mainz und Wolfsburg, fußt auf einer Viererkette in der Abwehr, meistens eingebettet in ein 4-2-3-1-System. Baum hatte dagegen meist eine Kette aus drei Innenverteidigern und zwei offensiven Außenverteidigern aufgestellt. Ansonsten, kündigte Schmidt an, werde er auf Experimente verzichten, die Achse der Mannschaft sei gesetzt, Torwart Gregor Kobel etwa, Kapitän Daniel Baier auch. In Defensivspieler Rani Khedira und Stürmer Alfred Finnbogason könnten zwei wichtige "Eckspieler" zurückkehren, die beim für Baums Entlassung ausschlaggebenden 0:4 gegen Hoffenheim noch in der Startelf fehlten. Soweit die Aktualität. Und dann kam Schmidt nicht darum herum, ein wenig über die längeren Linien zu sprechen.

Martin Schmidt im Gespräch mit Sportdirektor Stefan Reuter (rechts).

(Foto: Christof Stache/AFP)

Am Sonntag trifft Augsburg in Frankfurt ja auf einen für den FCA sehr besonderen Gegenspieler, den Verteidiger Martin Hinteregger. Es war der Österreicher mit dem im Januar in Augsburg viele Probleme begannen, weil er nach einem 0:2 in Mönchengladbach öffentlich seinen Trainer kritisierte. "Ich kann nichts Positives über ihn sagen und werde auch nichts Negatives sagen", sind in Augsburg inzwischen berühmte Worte. Hinteregger wurde suspendiert und nach Frankfurt verliehen, wo er nun als von den Fans besungener Leistungsträger um den Einzug in die Champions League spielt. Und nun ist natürlich die Frage, ob er im Sommer nach Augsburg zurückkehrt - wogegen mindestens das kolportierte Interesse der Eintracht spricht, ihn fest zu verpflichten. "Momentan gehe ich von den Fakten aus. Er ist ein Leihspieler, der in Augsburg unter Vertrag steht. Fußballerisch macht er jedenfalls alles ganz gut in Frankfurt", sagte Schmidt.

Auch die Position des Kaderplaner ist vakant

Wie der Augsburger Kader der neuen Saison aussieht, das hängt natürlich vor allem noch von der Ligazugehörigkeit ab, eine Punktgewinn bei der Eintracht würde schon helfen, die Abstiegssorgen des Tabellenfünfzehnten zu mindern. Es hängt aber auch von der Neubesetzung der nach der Entlassung von Stephan Schwarz vakanten Position des Kaderplaners ab. Schwarz galt als Kopf hinter vielen Transfers der vergangenen Jahre, doch in dieser Saison überwarf er sich mit Manager Reuter, galt zudem als Kritiker von Baum, den Reuter lange verteidigte. Nach einem Bericht der Bild-Zeitung soll Timon Pauls, Jugend-Chefscout des FC Bayern, sein Nachfolger werden. Der FC Augsburg wollte dies am Freitag nicht kommentieren. Doch der Klub will die Stelle zeitnah neu besetzen.

Als Martin Schmidt am Mittwoch begründen sollte, warum er sich für den FC Augsburg entschieden hat, da verglich der Schweizer den Klub mit Mainz 05 und dem SC Freiburg, zwei anderen Underdogs der Liga, wie der FCA nicht mit riesigem Etat ausgestattet. In der vergangenen Saison waren sie in Augsburg durchaus stolz darauf, dass sie in der Abschlusstabelle der beste Klub in der Liga der Kleinen waren. In dieser Saison ist Augsburg wieder klarer Dritter. Wie es in der kommenden Saison aussieht, das wird auch von der Substanz der Entscheidungen in den nächsten Wochen abhängen.

Das Wasserglas in der Pressekonferenz am Freitag blieb übrigens unberührt, Schmidt trank nichts. Aber er diesmal sprach er auch nur für rund 20 Minuten. Es muss sich ja nicht gleich alles auf einmal ändern.