bedeckt München 16°
vgwortpixel

Formel 1 in Montréal:Zwischen Vettel und den Verfolgern liegt eine Welt

Sebastian Vettel Formel 1, Montréal Kanada

Dusche für den Gewinner: Hamilton bespritzt Vettel.

(Foto: dpa)

Triumph am Ort der Demütigung: Vor zwei Jahren hatte Sebastian Vettel beim Großen Preis von Kanada das schlimmste Debakel seiner Karriere erlebt, nun gewinnt der Formel-1-Weltmeister mit einem Start-Ziel-Sieg souverän und baut in der WM-Wertung seine Führung deutlich aus. Nach dem Rennen ist er kaum zu bremsen.

Wenn ein Sieg Sebastian Vettel besonders viel bedeutet, ist das immer gleich zu hören: Dann gerät der Formel-1-Weltmeister ins Schwärmen und ist kaum mehr zu bremsen. Nach dem Großen Preis von Kanada an diesem Sonntagabend auf dem Circuit Gilles Villeneuve in Montréal war das so. Sebastian Vettel schwärmte über sein Auto: "Es war perfekt, einfach grandios. Und je weniger Benzin an Bord war, desto besser wurde es." Er schwelgte in Zufriedenheit, die zuletzt aufkommenden Rivalen auf die Plätze verwiesen zu haben: "Es war absolut wichtig zu zeigen, dass der Speed da ist."

Und seine Gedanken schweiften sogar zu den vielen Menschen daheim in Deutschland, die gerade gegen das Hochwasser ankämpfen. "Kein anderes Land in Europa", findet Vettel, bekomme es angesichts einer solchen Naturkatastrophe derart gut hin, zusammenzurücken. Hätte sich nicht irgendwann die Dunkelheit über die Rennstrecke gesenkt - Vettel hätte vermutlich noch ein Weilchen weitergedankt und sinniert.

1. Vettel/Red Bull, 2. Fernando Alonso/Ferrari, 3. Lewis Hamilton/Mercedes - so lautete das nüchterne Ergebnis des siebten Saisonrennens. Zustande gekommen war der Triumph - Vettels dritter in diesem Jahr - auf wenig bemerkenswerte Weise. Am Samstag hatte sich der 25-Jährige in einer verregneten und deshalb turbulenten Qualifikation die beste Startposition erkämpft. Den begehrten Platz an der Spitze verteidigte Vettel, als die Startampel erlosch. Auf dem ersten Umlauf war er dann gleich einmal zwei Sekunden schneller als der nächstbeste Verfolger. Zwei Sekunden! In der Zeitrechnung, die in der Formel 1 gilt, ist das eine Welt. Und so, wie er begann, setzte Vettel die Hatz dann auch fort: Überlegen, von vorne weg fuhr er den ungefährdeten Sieg ein, der ihm so viel bedeutete, weil er auf dieser Strecke noch nie gewonnen hatte.

Vor zwei Jahren hatte er auf der Schleife die schlimmste Demütigung seiner Karriere erlebt, die schlimmste Demütigung, die ein Rennfahrer wohl überhaupt erleben kann: In der letzten Runde, auf den letzten Metern eines außergewöhnlich chaotischen und deshalb auch außergewöhnlich anstrengenden Rennens, hatte er den Sieg verschenkt - ein winziger Fahrfehler hatte dem McLaren-Rivalen Jenson Button damals einen Abstauber-Erfolg erlaubt.

Auch dieses Mal ging nicht alles ganz glatt. Früh im Rennen touchierte Vettel einmal die Wand, an der beim Einbiegen auf die lange Geraden schon viele Champions zerschellt sind, etwas später leistete er sich in Kurve 1 einen Verbremser. Am Ende aber gab es ein gutes Ende und ein großes Lob von Teamchef Christian Horner: "Fantastisch Seb, phantastisch!"

Zur SZ-Startseite