bedeckt München
vgwortpixel

Felix Magath:Koryphäe ohne Teebeutel

Magath als Funktionär zurück im Fußball

„Ich will Fußballvereine entwickeln“: Felix Magath bei seiner Präsentation in Würzburg.

(Foto: Daniel Karmann/dpa)

Nach zwei Jahren kehrt der 66-Jährige in den Fußball zurück - als Chefentwickler beim Drittligisten Würzburger Kickers und beim österreichischen Bundesligisten Admira Wacker Mödling.

Auf den ersten Blick haben Felix Magath und Ralf Rangnick nicht allzu viel gemein. Der eine, Magath, ist ein Vertreter der sogenannten alten Schule, er hat seinen Spielern nach einem Waldlauf mal das Trinkwasser rationiert. Der andere, Rangnick, steht für den sogenannten modernen Fußball, er würde seinen Spielern nie das Trinkwasser rationieren und ordnet ohnehin nicht so exzessiv Waldläufe an. Und: Der eine, Magath, hat mit dem Hamburger SV als Spieler den Europapokal der Landesmeister gewonnen. Der andere, Rangnick, hat bei einem Klub namens Viktoria Backnang gespielt, der vom Europapokal der Landesmeister weiter entfernt ist als Backnang von Hamburg.

Aber: Auf den zweiten Blick sind sich Magath und Rangnick dann doch nahe - zumindest seit Montag, seit Magath in Würzburg vor rund 30 Journalisten im siebten Stock des Gebäudes Platz genommen hat, in dem die Online-Druckerei Flyeralarm ihre Geschäftsräume hat. Magath macht beruflich jetzt das, was Rangnick schon eine Weile macht: Er zieht als Chef des Unternehmensbereichs "Flyeralarm Global Soccer" die Fäden im Hintergrund, er berät Funktionäre, er äußert seine Meinung, wenn Entscheidungen zu treffen sind.

Magath, 66, steht dem Drittligisten FC Würzburger Kickers in Zukunft ebenso als Ansprechpartner zur Seite wie dem österreichischen Bundesligisten Admira Wacker Mödling, bei dem die Druckerei ebenso Anteile hält. Magaths Vision: "Ich will Fußballvereine entwickeln." Was er nicht mehr will: Waldläufe anordnen (und anschließend erzieherische Maßnahmen treffen). "Die Zeit des Trainers Magath ist vorbei", sagt er.

Dass er in Würzburg durchaus Einfluss haben wird, ist alleine deshalb klar, weil die Druckerei, für die er jetzt arbeitet, seit etwas mehr als zwei Jahren bei den Kickers 49 Prozent der Anteile hält. Das Unternehmen ist ungemein bedeutend für den Klub. Mehr noch: Ohne die Druckerei wäre Würzburg wohl kaum aus den Niederungen des Amateurfußballs bis in die zweite Bundesliga aufgestiegen. Nun Magath für das Projekt begeistert zu haben, verstehen sie in Würzburg als Coup. "Uns konnte nichts Besseres passieren, als eine solche Koryphäe für uns zu gewinnen", findet Thorsten Fischer, Geschäftsführer der Druckerei und Aufsichtsratsvorsitzender der Kickers. Er sagt: "Ich kenne kaum jemanden im deutschen Fußball, der so viele Erfolge als Spieler, als Manager und als Trainer gefeiert hat. Da gibt es vielleicht noch den Kaiser, der das geschafft hat. Und Felix spielt ja sehr gut Schach. Für uns ist er dann der König im Schach."

Allerdings ein König, der "nicht rundum glücklich" ist, wie er selbst sagte, als er bei der Pressekonferenz am Montagvormittag das Wort ergriff. Es müsse sich einiges ändern, betonte Magath - um dann aufzuklären: "Ich werde keine Pressekonferenz mehr abhalten, ohne dass ich eine Tasse Tee habe. Ich fühle mich ein bisschen hilflos ohne meine Tasse, ohne meinen Teebeutel, den ich dann auswringen kann. Da sehen Sie: Es gibt schon noch Ansatzpunkte."

© SZ vom 21.01.2020
Zur SZ-Startseite