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FC Ingolstadt:Unheimliche Freude daran, sich aufzuopfern

FC Augsburg v FC Ingolstadt - Bundesliga

K.o., aber zufrieden: Die Spieler vom FC Ingolstadt in Augsburg

(Foto: Bongarts/Getty Images)
  • Aufsteiger FC Ingolstadt gelingt ein erstaunlicher Saisonstart: Nach dem Sieg gegen Augsburg hat die Mannschaft bereits sechs Punkte.
  • Trainer Hasenhüttl lässt das Team bis zur völligen körperlichen Erschöpfung spielen - er dagegen schaut von einem Gartenstuhl aus zu.
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Ralph Hasenhüttl stellt sich gerne einen Gartenstuhl an seinen Arbeitsplatz. Er platziert diesen möglichst weit am Rande der sogenannten Coaching-Zone, um dem Kontakt mit dem vierten Schiedsrichter an der Seitenlinie zu entgehen, der ihn sonst so oft ermahnen würde - Hasenhüttl ist ein aufbrausender Trainer. In Mainz hat er das verraten, beim ersten Bundesligasieg des FC Ingolstadt vor zwei Wochen - weil da der Gartenstuhl fehlte. Am Samstag in Augsburg hatten sie ihm und Assistenztrainer Michael Henke wieder ihre Stühle organisiert, Hasenhüttl hätte also 90 Minuten schimpfen und aufspringen und sich wieder hinsetzen können, alles relativ ungestört. Allerdings: Das musste er gar nicht.

Ja, natürlich war es wieder ein aufregender Nachmittag für den Österreicher, einmal fuchtelte er zornig mit seiner offenen Wasserflasche herum, weil er mit dem Schiedsrichter unzufrieden war. Doch am Spiel seiner Mannschaft hatte er wenig zu korrigieren. "Ich bin stolz", sagte er später, als der 1:0-Sieg gegen den FC Augsburg feststand. Und konnte sich ein kleines Selbstlob nicht verkneifen: "Unser Ansatz war der richtige, glaube ich. Wir wollten nicht viel ändern."

Plan B wird gar nicht benötigt

Unter der Woche war davon zu lesen gewesen, dass der Trainer nach der deutlichen 0:4-Heimniederlage gegen Borussia Dortmund an einem Alternativplan zu dem riskanten Pressing feilt, das er seine Mannschaft bis zur völligen körperlichen Erschöpfung spielen lässt. Stimmt, gab Stürmer Lukas Hinterseer hinterher zu, es gebe nun einen zweiten Plan, etwas defensiver, etwas vorsichtiger. "Aber den haben wir heute noch nicht gebraucht. Unser Pressing hat ja funktioniert."

In der Tat bedrängten die Ingolstädter Stürmer Leckie, Hartmann und Hinterseer die Augsburger Innenverteidiger effektiv, sodass die Abwehr um den wiedergenesenen Kapitän Marvin Matip mit den unkontrolliert vorgetragenen Angriffen keine großen Probleme hatte. Klar gehörte auch Glück dazu, dass Augsburgs Tobias Werner das leere Tor verfehlte. Und dass Leckie den Ball vor dem 1:0 mit seinem schwachen linken Fuß perfekt traf, "das war eines meiner schönsten Tore", sagte der Australier hinterher. Hasenhüttl lief von seinem Gartenstuhl aus eine kleine Jubelrunde über den Platz, als der Ball im Winkel einschlug.

Doch wie der FCI seinen Plan konzentriert durchzog, sich von kleinen Schwächephasen davon nicht abbringen ließ, sprach für taktische Disziplin. Und für die Freude daran, sich aufzuopfern. Die Gründe für den erstaunlichen Saisonstart des Aufsteigers, mit sechs Punkten aus drei Spielen? "Vielleicht liegt es daran, dass wir alle unbekümmerte Jungs sind", sagte Torhüter Ramazan Özcan. Und Hinterseer erklärte: "Jeder Ballgewinn zieht die Mannschaft hoch. Es pusht uns, wenn der Gegner an unserer Spielweise verzweifelt." Es sieht so aus, als würden noch ein paar mehr Gegner in diesem Jahr daran verzweifeln.