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FC Ingolstadt:Feuerwehreinsatz im Leichenschauhaus

Jubel nach dem Tor zum 1 0 durch 2 v r Dario Lezcano Farina FC Ingolstadt und seinen Mitspieler

Jubel nach der 1:0-Führung: Darío Lezcano (unten) wird von seinen Kollegen beglückwünscht.

(Foto: MaBoSport/imago)

Der FCI gewinnt das erste Spiel unter Trainer Tomas Oral. Thomas Pledl zeigt sich abgezockt, Darío Lezcano trifft mal wieder.

Dass sich der Ingolstädter Angreifer Thomas Pledl alleine auf dem Weg in Richtung des gegnerischen Tores machte, war nicht neu am vergangenen Samstag. Es ist eine Szene, die in den meisten Spielen des FC Ingolstadt mal vorkommt, Pledl ist ein flinker Spieler, der zudem weiß, wohin er zu laufen hat. Dass dieser Pledl allerdings den Ball dann so kühl und abgezockt ins Tor schoss wie dieses Mal, das kam noch nie vor in dieser so vermaledeiten Ingolstädter Spielzeit. Pledl traf nach seinem Sololauf zum Endstand beim Abstiegskonkurrenten MSV Duisburg. Das Tor zum 4:2 (1:0) des FCI bedeutet auch eine Verbesserung in der Tabelle - von Rang 18 aus auf den vorletzten Platz, vorbei am punktgleichen Duisburg. Und es war das Tor, das dem Trainer Tomas Oral einen fulminanten Start beim FCI bescherte, gleich sein erstes Spiel der heiklen Mission gewann er. In den weiteren sechs Spielen soll er den taumelnden früheren Bundesligisten vor dem Absturz in die dritte Liga bewahren, zwei Punkte liegt der Klub nun wieder hinter dem Relegationsplatz.

"Wir haben uns wieder ein Stück zurück ans rettende Ufer gebracht, nicht mehr, nicht weniger", sagte Oral. "Die Mannschaft hat sich das mit einem harten Stück Arbeit verdient, nachdem sie zuletzt so viele Rückschläge verkraften musste." Oral hat dem Verein in einer bitteren Zeit den Glauben an den Klassenverbleib zurückgegeben. "Totgesagte leben länger", betitelte der Klub seine Auswärtsfahrt.

Der frühere Kapitän Marvin Matip steht nicht im Kader, reist aber als Unterstützer mit

Fünfmal nacheinander hatte der FCI unter Orals Vorgänger Jens Keller zuletzt verloren. Und eigentlich sah es dann auch in Duisburg so aus, als würde die Serie weitergehen. Nach dem 1:0 durch den Stürmer Darío Lezcano, der nach fast vier Monaten mal wieder aus dem Spiel heraus traf (31.), glich Stanislav Iljutcenko Sekunden nach dem Ende der Halbzeitpause aus. Ein fast schon typischer Spielverlauf, auch die beiden Partien zuvor verlor der FCI nach einer Führung. Doch Oral hat anscheinend einen Weg gefunden, sein Team nach der Misere wieder aufzurichten. Nach dem Ausgleich erarbeiteten sich die Ingolstädter weiter Chancen, ein unglückliches Handspiel des Duisburgers Joseph Baffoe führte zum Elfmeter, den Lezcano verwandelte (64.). Sonny Kittel erhöhte kurz vor dem Ende zum 3:1, Kevin Wolze verkürzte, ehe Pledl traf. Ihn und Lezcano betraf die offensichtlichste Veränderung unter Oral: Die beiden treffen endlich wieder das Tor. Lezcano galt ja schon als chronisch erfolgloser Stürmer vor dem Duisburg-Spiel. Zwei Tore in einer Partie hatte er zudem erst einmal für den FCI erzielt, beim 3:3 gegen Borussia Dortmund in der Bundesliga - ja, es ist so lange her, wie es klingt, der erste Freudentag war der 22. Oktober 2016. Einwenden muss man dabei natürlich, dass der MSV nicht nur gegen Ingolstadt, sondern generell viele Gegentore kassiert, bisher 46 in 27 Spielen. Wie sehr Orals Änderungen greifen, wird daher wohl erst der kommende Sonntag zeigen, wenn der FCI das Spitzenteam Holstein Kiel empfängt.

Die Erleichterung war dennoch schon in Duisburg groß: "Wir waren schon im Leichenschauhaus, jetzt sind wir wieder auf der Intensivstation. Mal schauen, ob wir's noch auf die Normalstation schaffen", sagte Vorstandsboss Peter Jackwerth dem Donaukurier in einer ersten Reaktion in Duisburg. Der unter Keller degradierte und von Oral ins Team zurückgeholte Abwehrchef Marvin Matip, der nicht im Kader stand, aber als Unterstützer mitreiste, umarmte seine Mitspieler nach dem Abpfiff.

"Es ist klar, dass wir jetzt eine Feuerwehrtruppe geholt haben, die nicht mehr da sein wird in der neuen Saison", sagte der Vorstandsvorsitzende Peter Jackwerth in der Vorwoche zur SZ über das neue Trainerteam Oral und Michael Henke, das der jüngst vom externen Berater zum sportlichen Verantwortlichen aufgestiegene Thomas Linke zurückholte. Auch Linkes Vertrag endet ja bereits im Sommer. Ihren ersten Brand haben Oral und seine Feuerwehrkollegen nun erfolgreich gelöscht - es folgen noch mindestens sechs weitere.