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FC Ingolstadt 04:Aus der Region

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Endlich am Ziel: Hobby-Triathlet Manuel Sternisa, der nach 2004 in der zweiten Mannschaft des FC Ingolstadt kickte, spielt inzwischen beim Ü40-Team des Vereins. „Mich verbindet sehr viel mit Stadt und Verein“, sagt der neue Geschäftsführer.

(Foto: Stefan Bösl/imago)

Mit Geschäftsführer Manuel Sternisa will der Drittligist wieder Ausbildungsklub für Oberbayerns Talente werden.

Von Johannes Kirchmeier

Man merkte Franz Spitzauer am Relegationsabend in Ingolstadt an, dass es besondere Stunden für ihn waren. Der Geschäftsführer des FC Ingolstadt 04, der sich vorzugsweise im Hintergrund hält und lieber seine Arbeit sachlich ruhig macht, zeigte sich noch einmal am Rasen des Sportparks. Er musste die Menschen um ihn herum nach der knappen und bitteren Relegationsniederlage gegen den 1. FC Nürnberg um einen Zweitliga-Platz trösten, aber er bekam so auch die Chance, sich selbst zu verabschieden. "Für mich geht eine wundervolle und vor allem emotionale Zeit zu Ende", sagt er zweieinhalb Wochen danach. Der 56-Jährige hat an diesem Freitag seinen letzten Arbeitstag als Geschäftsführer - ihm folgt Manuel Sternisa, 46. Sternisa war bis zuletzt Chefjurist bei der Ingolstädter Media Markt Saturn Retail Group.

Es ist für den noch jungen Klub ein Einschnitt: Spitzauer gehört ihm ja seit der Gründung 2004 an, er arbeitete als Schatzmeister, dann ab 2009 als Geschäftsführer Finanzen. Kollege Harald Gärtner war für den Sport und die Kommunikation nach außen zuständig. Nachdem der den Klub vor einem Jahr verließ, wurde Spitzauer zum alleinigen Geschäftsführer.

Sternisa trainierte einst einen der Vorgängerklubs des FCI, den ESV Ingolstadt-Ringsee

Man darf ihm daher durchaus unterstellen, dass er "den FCI im Herzen" trage. Doch mit diesen Worten bedachte der Klub auf seiner Webseite am Montag nicht Spitzauer, sondern dessen Nachfolger Sternisa. Den gebürtigen Ingolstädter eint mit Spitzauer, dass auch er schon im Gründungsjahr dabei war. 2004 begann er als Spieler der zweiten Mannschaft und kickte dort vier Jahr lang, inzwischen sportelt er beim Ü40-Team und als Hobby-Triathlet. "Mich verbindet sehr viel mit Stadt und Verein, deshalb ist es für mich nicht nur eine neue Herausforderung, sondern auch eine Herzensangelegenheit", wird Sternisa in einer Vereinsmitteilung zitiert. Sein Jura-Studium finanzierte er sich als Fußballer beim FCI-Vorgängerklub MTV Ingolstad, ehe er im Jahr 2001 bei Media Markt Saturn startete. Später schloss er ein Management-Studium an der Warwick Business School in England ab. Und den zweiten FCI-Vorgängerklub, ESV Ingolstadt-Ringsee, trainierte er übrigens einmal eine Saison lang.

So wird Sternisa das Privileg zuteil, dass er als einer von nur wenigen Profi-Geschäftsführern direkt in der Heimat beginnen darf. Er steht daher auch dafür, dass die Ingolstädter künftig erhöhten Wert auf Regionalität legen, sie wollen zum Klub "aus der Region, für die Region" werden. Nach den strahlenden überregionalen zwei Bundesliga-Jahren ab 2015 bestreitet der Verein ab September seine zweite Saison in der kargen dritten Liga in Serie. Er soll wieder mehr zum Ausbildungsklub für oberbayerische Talente werden. Jüngst wechselte der Freisinger Mittelfeldspieler Maximilian Thalhammer zum SC Paderborn in Liga zwei, weil ihm der FCI zu klein wurde. Einige weitere frühere Jugendspieler haben es schon in den Profikader geschafft.

Es gibt wahrlich einfachere Einstiegswochen für Geschäftsführer als diese für Sternisa, in denen nicht klar ist, ob zur neuen Saison wieder Zuschauer ins Stadion dürfen. Und wenn ja, wie viele. Das Virus untergräbt jegliche Planung - niemand weiß, ob bei einer möglichen zweiten Welle der Spielbetrieb wieder ruhen müsste. Immerhin hinterlässt Spitzauer einen schuldenfreien Klub mit Rücklagen aus der Bundesliga-Zeit. Auch deswegen sieht Sternisa "so viel Potenzial" beim FCI. Am Montag stellte er sich in der Geschäftsstelle vor.

Franz Spitzauer bleibt übrigens noch in Sternisas Nähe im Ingolstädter Osten. Er will ihm einerseits bei der Einarbeitung im grauen Funktionsgebäude helfen und ist zudem bis ins kommende Jahr Geschäftsführer der Audi Events und Services GmbH, die unter anderem Betreiber des Sportparks ist. Das eine oder andere Mal könnte Spitzauer also noch auf den Rasen zurückkehren.

© SZ vom 29.07.2020

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