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FC Bayern:Ende der Eifersüchteleien

29 10 2016 Fussball 1 Bundesliga 2016 2017 9 Spieltag FC Augsburg FC Bayern München in der WWK

"Wenn er den dritten auch gemacht hätte, wäre auch eine Übernachtung drin gewesen": Arjen Robben (oben) und Robert Lewandowski scherzen nach dem 3:1 in Augsburg, wer wem das nächste Abendessen zahlen muss.

(Foto: mis/imago)

Arjen Robben und Robert Lewandowski betrachten sich gelegentlich mit Argwohn - beim 3:1 der Münchner in Augsburg legen sie sich alle Tore gegenseitig auf und werben so für ihre jeweiligen Vertragsverlängerungen.

Von Benedikt Warmbrunn, Augsburg

Wie wichtig einem der eigene Stolz sein darf, lernte Arjen Robben schon als Teenager. Er stand kurz vor einem Wechsel zu Ajax Amsterdam, aber weil in einem Vertragsentwurf sein Name falsch geschrieben stand, sagte Vater Hans ab. Also unterschrieb der damals 17 Jahre alte Arjen beim PSV Eindhoven, bei dem Verein, zu dem er nun am Dienstag mit dem FC Bayern zurückkehrt. Als ein Mann, dessen Namen niemand mehr falsch schreibt. Und als ein Mann, der sich seinen Stolz auch als 32-Jähriger bewahrt hat.

Am Samstag zum Beispiel sagte ein stolzer Robben, ohne zu zögern: "Er zahlt."

Der FC Bayern nahm sich am Samstag die Zeit, sich ausführlich mit einem Witz des Vorstandbosses zu beschäftigen. Karl-Heinz Rummenigge hatte gesagt, dass Robben und Robert Lewandowski, die sich beim 3:1 beim FC Augsburg alle Tore gegenseitig aufgelegt hatten, später noch ein "Date" hätten. Lewandowski, 28, der zweimal getroffen hatte (19., 48.), war dabei nicht ganz so gedankenschnell wie auf dem Rasen, er sagte nur, dass dieses Essen "bald" möglich sei, und pflichtbewusst fügte er noch hinzu, dass er "großen Respekt" vor Robben habe. Der Niederländer, der zum zwischenzeitlichen 2:0 (21.) getroffen hatte, nutzte dagegen die Vorlage seines Bosses nur allzu gerne. Erstens: Lewandowski müsse zahlen. Zweitens: "Wenn er den dritten auch gemacht hätte, wäre auch eine Übernachtung drin gewesen."

Aufgelegt hätte ihm den dritten Treffer selbstverständlich auch Arjen Robben.

Lewandowski versteht nicht immer, warum Robben stets den Laufweg in die Mitte sucht

Es ist ein ungewöhnliches Duo, das den FC Bayern in einer ansonsten souveränen, aber wenig berauschenden Partie zum Erfolg in Augsburg geführt hat. Lewandowski und Robben zählen zu den größten Offensivbegabungen im Fußball des 21. Jahrhunderts. Auf der einen Seite der polnische Mittelstürmer, der so eiskalt vor dem Tor ist wie nur wenige andere, der Bundesliga-Torschützenkönig der Jahre 2014 und 2016, der Fünf-Tore-in-neun-Minuten-Schütze; auf der anderen Seite der niederländische Außenbahndribbler mit diesem einen und dennoch unnachahmlichen sowie selten zu stoppenden Laufweg in die Mitte, der Siegtorschütze im Champions-League-Finale 2013. Die beiden könnten ein traumgleiches Offensivduo bilden. Wenn sie sich nicht gegenseitig so skeptisch sehen würden.

Lewandowski und Robben haben beide den Anspruch, der eine Spieler zu sein, auf den es ankommt, in jedem Wettbewerb, in jeder Partie, bei jedem Angriff. Da aber nicht zwei dieser eine Spieler sein können, leben sie in einer unausgesprochenen Konkurrenz. Lewandowski versteht nicht immer, warum Robben so oft diesen einen und dennoch unnachahmlichen sowie selten zu stoppenden Laufweg in die Mitte wählt, statt ihn, Lewandowski, anzuspielen. Robben spürt diesen Argwohn, versteht ihn aber nicht, immerhin trifft Lewandowski ja auch so oft genug. Dieses nicht gerade uneingeschränkt wohlwollende Verhältnis war auch für Außenstehende kaum zu überhören nach dem Hinspiel gegen Eindhoven vor knapp zwei Wochen. Robben hatte nach seiner Verletzung im Sommer erstmals wieder in alter Form gespielt, er hatte ein Tor erzielt, zwei weitere hatte er vorbereitet, darunter auch eins von Lewandowski. Ob Robben auch ihn, Lewandowski, besser mache, wurde der Stürmer anschließend gefragt. Lewandowski druckste herum, "das weiß ich nicht", er stammelte ein bisschen weiter, sagte, dass es schwer sei, auf diese Frage zu antworten. Dann verabschiedete er sich abrupt.

In Augsburg war von diesem Wettstreit der stolzen Männer wenig zu spüren. Nach den Treffern jubelten sie so innig miteinander, als hätten sie auch ohne Date all diese kleinen Eifersüchteleien beseitigt. Einmal flankte Robben sogar von der Grundlinie aus auf Lewandowski, dessen Kopfball verfehlte jedoch das Tor, es wäre der von Robben erwähnte dritte Treffer gewesen (36.). "Wenn das immer so gut funktioniert, ist das gut für die Mannschaft", sagte Lewandowski, wobei er offen ließ, ob dies nur für Nachmittage gilt, an denen er der Spieler mit den meisten Toren ist. "Sie haben wirklich sehr gut gespielt, sie haben gut kombiniert", sagte Trainer Carlo Ancelotti: "Wenn Spieler dieser Qualität so zusammenspielen, ist das gut für das Team." Nicht gesagt hat Ancelotti, welchen Anteil er, der so viel Wert auf mannschaftsinterne Harmonie und Zufriedenheit legt, an dieser frischen fußballerischen Freundschaft hat.

Abgesehen von Rummenigges Witz wurden die beiden anschließend auch noch nach ihrer Zukunft befragt, beide würden gerne auch ihren Vertrag verlängern. Der von Robben endet im Sommer, er hat schon signalisiert, dass er bleiben möchte. Lewandowski, dessen Vertrag erst 2019 ausläuft, kündigte gar an, dass es schon "bald" mehr zu sagen gebe. So zuversichtlich klang er dabei, als gehe es nur noch darum, einen Betrag dazuzuverhandeln, mit dem er vielleicht tatsächlich irgendwann Arjen Robben zum Essen ausführen kann.

© SZ vom 31.10.2016

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