FC Bayern:Links spielt Costa, rechts spielt Robben

Ein Jahr, nachdem Götze als Finaltorschütze der WM in Rio de Janeiro sein feinfüßiges Talent nachgewiesen hatte, bleibt er beim FC Bayern ein Spieler auf der Suche nach seinem Platz. Und in diesen Wochen wirkt das so, als ob Mario Götze als FC-Bayern-Spieler auch weiter auf der Suche nach sich selbst ist - nach diesem besonderen Spieler, der bei Borussia Dortmund eine Attraktion der Liga war.

In der vergangenen Saison ersetzte Götze gelegentlich den verletzten Franck Ribéry auf der linken Seite, auch dort hat er diese selten sanfte Ballführung, ihm fehlt aber oft das Tempo, um in die Gefahrenzone zu stoßen. Insgesamt traf Götze in der Bundesliga neunmal, meist gegen überforderte Gegner; seit Mitte Februar wartet er in der Liga auf ein Tor. Da er zudem selten als Vorbereiter aufgefallen ist, zweifeln sie im Verein daran, ob Götze auf dem Flügel richtig aufgehoben ist - gezeigt hat sich das vor allem in der Verpflichtung von Douglas Costa.

Der Brasilianer hat Götze vorerst auf der linken Seite verdrängt, rechts ist Robben gesetzt; hinzu kommt der weiter verletzte Ribéry. Auch Götze dürfte zudem nicht entgangen sein, dass der FC Bayern um einen zusätzlichen Flügelspieler wirbt, zum Beispiel um Kingsley Coman von Juventus Turin. Ein Tauschgeschäft des Deutschen mit dem Franzosen können sich manche vorstellen - am wenigsten jedoch Mario Götze selbst.

Es droht die Rolle des Einwechselspielers

Dieser sieht sich beim FC Bayern, und er sieht sich am liebsten auf einer Position in der Mitte. Aber auch dort ist in Guardiolas Aufstellungen an liebsten Spielern kaum Platz für ihn. In der Spitze ist Robert Lewandowski gesetzt, gegen den HSV spielte hinter ihm erst Robben, dann Thomas Müller. Weiter hinten, im Spielaufbau, vertraut Guardiola den Passmaschinen Xabi Alonso, Thiago Alcántara oder dem im Sommer verpflichteten Arturo Vidal. Götze droht daher weiter die Rolle, die er gegen den HSV hatte: die des Einwechselspielers, der nie lange einfach mal Fußball spielen darf.

So hatte er zum Auftakt seine auffälligste Szene erst nach dem Abpfiff. Ein Fan war auf Götze zugestürmt, mit der Bitte um dessen Trikot. Eskortiert von grimmigen Ordnungshütern schlurfte der Fan aus dem Innenbereich der Arena, Götze lief ihm hinterher, so unkompliziert und nahbar, wie ihn nur wenige sehen. Der Fan wollte sein Trikot, sagte Götze später den Journalisten, mehr sagte er nicht. Er kennt die Fragen, er kennt die Antworten, und er weiß, dass ihm Worte zurzeit nicht helfen.

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