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FC Augsburg:Wieder bergauf

FC Augsburg v 1. FSV Mainz 05 - Bundesliga

Acht Elfmeterversuche, acht Treffer: Augsburgs isländischer Stürmer Alfred Finnbogason verfügt über eine Nervenstärke, wie sie in der Bundesliga nur ganz selten zu finden ist.

(Foto: Adam Pretty/Getty Images)

Augsburg zeigt gegen Mainz jenen Fußball, für den sie lange bekannt waren. Stürmer Alfred Finnbogason beendet mit seinen Toren die Serie von zehn sieglosen Spielen.

Unterschiedlicher hätte die vergangene Woche für die beiden Bundesligaklubs FC Augsburg und Mainz 05 nicht laufen können. Während die Mainzer zum ersten Mal in ihrer 114-jährigen Vereinsgeschichte eine eigene Fastnacht organisierten und sich im bunten Faschingstreiben selbst auf die Schippe nahmen, haben sie in Augsburg zwei Spieler rausgeworfen und mit Jens Lehmann überraschend einen neuen Co-Trainer vorgestellt, worüber sich zumindest der ehemalige Bundesligastürmer Axel Kruse am Samstag vor den Kameras des Bezahlsenders Sky prächtig amüsierte.

Ob Lehmann jemand sei, der Menschen hinter sich bringen kann, wurde Kruse gefragt, worauf dieser beherzt auflachte und antworte: "Natürlich nicht."

Am Sonntagabend waren es dann aber die Augsburger, die nach ihrem überzeugenden 3:0 Heimsieg mit guter Laune durch die Mixed Zone spazierten und nach den Turbulenzen der vergangenen Tage auch keinerlei Anstalten machten, diese zu verbergen. Manuel Baum lächelte unentwegt mit der Erleichterung eines Trainers, der soeben eine Serie von zehn sieglosen Partien hinter sich gelassen hat und dessen Kompetenzen kürzlich noch von einem eigenen Spieler öffentlich infrage gestellt worden waren. Sichtlich gelöst wirkte auch Stefan Reuter, wenngleich beim FCA-Manager nicht ganz auszumachen war, ob er nur erleichtert war oder auch mit einer kleinen Prise Genugtuung über seine radikalen Personalentscheidungen referierte. Selbst das spitzbübische Dauergrinsen von Michael Gregoritsch wurde umso größer, als er nach seiner Einschätzung zu den jüngsten Augsburger Chaostagen gefragt wurde. Chaos? Welches Chaos? Immerhin habe der Angreifer doch mal beim Hamburger SV gespielt.

Nur einer strahlte nicht so, wie man es von einem dreimaligen Torschützen eigentlich erwarten würde, was in diesem speziellen Fall aber nichts damit zu tun hatte, dass für ihn dieser Erfolg weniger bedeutsam als für alle anderen gewesen wäre. Alfred Finnbogason verweist gerne darauf, dass er Isländer und Stürmer zugleich sei, also irgendwie schon eine besondere Art von Mensch. Diese Kombination ist womöglich auch der Grund dafür, dass Finnbogason über eine Nervenstärke verfügt, wie sie in der Bundesliga nur ganz selten zu finden ist. Es soll ja Spieler geben, denen sich ausgerechnet am Elfmeterpunkt der Gedanke aufdrängt, dass die eigene Mannschaft seit Oktober vergangenen Jahres kein Spiel mehr gewonnen hat - und man selbst nun derjenige ist, der mit einem Schuss den Weg aus der Krise ebnen soll.

Für sich genommen wären das schon allerhand Gründe gewesen, um ein bisschen nervös zu werden, aber die Augsburger hatten noch dazu eine besonders ereignisreiche Woche hinter sich. Und dann dieser unverhoffte Handelfmeter in der achten Minute, endlich mal wieder jenes sogenannte "Spielglück", auf das die Mannschaft laut Baum in letzter Zeit so schmerzlich verzichten musste. Nee, sagte Finnbogason hinterher, nervös sei er keinesfalls gewesen, sondern "zuversichtlich wie immer". Die Mainzer vollbrachten dann in der 34. Minute das seltene Kunststück, der Heimelf noch einen weiteren Handelfmeter zu gewähren, woraufhin der Isländer ein weiteres Mal "ganz entspannt" zum Punkt gelaufen sei.

Augsburg hatte jenes "Spielglück" auf das die Mannschaft zuletzt so schmerzlich verzichten musste

"Ich liebe eben solche Situationen", erklärte Finnbogason noch, und einem Stürmer, der in seiner Bundesliga-Karriere nun bei acht Elfmeterversuchen genauso viele Treffer vorzuweisen hat, darf man das auch gerne glauben. Sein drittes Tor erzielte Finnbogason nach einem dieser rasend schnellen Augsburger Konter, von denen es in der zweiten Halbzeit einige gegeben hatte. Immer wieder kombinierte sich der FCA nach Balleroberungen flott und über wenige Stationen vors gegnerische Tor. Verteidigt wurde endlich wieder mit jener soldatischen Disziplin, für die man in der Liga lange gefürchtet war.

"Unser Schlüssel war immer schon die Defensive", sagte Finnbogason, der am Freitag seinen 30. Geburtstag gefeiert hat, was für den kühlen Isländer dann doch noch ein Anlass für ein Lächeln war. "Ich denke es geht bergauf und nicht Berg runter", sagte Finnbogason dann noch in seiner typisch-charmanten Art, und damit meinte er weniger sich selbst, sondern vor allem die Augsburger Mannschaft.

Nachdem Rani Khedira schon während des Spiels die Antwort darauf gegeben hatte, wie man Innenverteidiger Martin Hinteregger ohne Qualitätsverlust ersetzen kann und der rausgeworfene Brasilianer Caiuby ohnehin kein Thema mehr ist, stellte sich eigentlich nur noch eine Frage: Was hat Jens Lehmann eigentlich zum Erfolg beigetragen? Er sei sicherlich "ein Faktor gewesen", sagte Gregoritsch, "genauso wie die anderen drei Co-Trainer." Na immerhin, könnte sich Axel Kruse nun denken.