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FC Augsburg:Drei plus

FC Augsburg - FSV Mainz 05

„Ich bin überrascht und entsetzt“: FCA-Präsident Klaus Hofmann kritisiert die Argumente zur Abschaffung der 50+1-Regel und Verstöße gegen Financial Fairplay.

(Foto: Stefan Puchner/dpa)

"Demütig, bodenständig und dankbar bleiben!" - Trainer Manuel Baum, einst Lehrer, hält sein Team für entwicklungsfähig und gibt ihm vorerst noch eine durchschnittliche Note.

Von Maik Rosner, Augsburg

Manuel Baum wollte noch etwas loswerden, ganz am Ende des letzten Heimspiels der Saison. Zusammen mit Domenico Tedesco saß er auf dem Podium, und der Schalker Trainerkollege lauschte geduldig all jenen Dankesworten, mit denen der Augsburger Coach gefühlt jeden Mitarbeiter einzeln sowie die gesamte Anhängerschaft bedachte. Erst dann konnte sich Tedesco wieder den Feierlichkeiten seiner Schalker zuwenden, die sich durch den 2:1-Auswärtssieg die Qualifikation für die Champions League gesichert hatten und durch Platz zwei vor Borussia Dortmund für Sportvorstand Christian Heidel auch die "gefühlte Meisterschaft".

Mehrere Minuten füllte Baum mit seiner Dankesrede, die zugleich von seinem Ehrgeiz erzählte. Die Note "drei plus" hatte der ehemalige Realschullehrer in seinem Saisonfazit an seine Mannschaft vergeben, "weil wir schon noch entwicklungsfähig sind und uns sehr oft nicht für gute Leistungen belohnt haben", wie er begründete. Und das, obwohl der FCA im vergangenen Sommer von außen als akut gefährdet eingeschätzt worden war, die Versetzung aber souverän erreichte. "Ich finde es ganz wichtig, dass wir in Augsburg demütig, bodenständig und dankbar bleiben, dass wir ein achtes Jahr in der Bundesliga spielen und danach hoffentlich ein neuntes", sagte Baum zwar einerseits. Aber vielleicht, befand er unter dem Eindruck der unglücklichen Niederlage andererseits, "ist es nicht schlecht, dass wir für die nächste Saison noch Luft nach oben haben."

Tatsächlich stand das Spiel gegen Schalke stellvertretend für den ambitionierten Befund der Augsburger, dass sogar mehr möglich gewesen wäre als der Platz im gesicherten Mittelbau der Liga. Trotz ihres starken Beginns waren sie durch Thilo Kehrers kunstvolles Außenristtor in Rückstand geraten (23.). Und nachdem Linksverteidiger Philipp Max umgehend das 1:1 erzielt hatte (27.), konnten sie nach Kehrers Kopfball, der von Alfred Finnbogasons Hüfte ins eigene Tor abgelenkt wurde (34.), trotz einer überlegen geführten zweiten Halbzeit nicht erneut ausgleichen. Auch, wie Manager Stefan Reuter einigermaßen fassungslos anführte, weil unter anderem ein Handspiel von Yevhen Konoplyanka nicht als strafstoßwürdig erachtet worden war, auch nicht vom Videoassistenten in Köln. "Wenn ich mir die Bilder anschaue, dann drehe ich nahezu durch", schimpfte Reuter und bemängelte die seiner Ansicht nach uneinheitlichen Entscheidungen.

Grundsätzliche Kritik schwang ohnehin mit an diesem eigentlich harmonischen Nachmittag in Augsburg, an dem der wohl künftige Dortmunder Torwart Marwin Hitz und Defensivspieler Gojko Kacar warm verabschiedet worden waren. Was Augsburgs Präsident Klaus Hofmann im Stadionheft schrieb, klang fast wie ein Appell, sich am Ehrgeiz und Ertrag des kleinen FCA ein Beispiel zu nehmen. "Ich bin überrascht und entsetzt, mit welchen Argumenten hier hantiert wird, um das bisherige Statut des deutschen Fußballs in Frage zu stellen oder gar ganz los zu werden. Was hat denn bitteschön die bestehende 50 plus 1 Regel mit dem diesjährigen Abschneiden der Bundesligisten auf europäischer Ebene zu tun?", schrieb Hofmann. Er verwies auf die Bundesligisten, die es in der Europa League und Champions League nicht geschafft hatten, sich gegen "Vereine wie Domzale, Borissov, Nikosia, Rasgrad und Östersund durchzusetzen. Daran soll dann die 50 plus 1 Regelung schuld sein? Da fehlen mir die Worte", befand Hofmann. Vielmehr müsse "endlich eine Diskussion" geführt werden, "Financial Fair Play und eine deutlich gleichmäßigere Verteilung der Champions-League-Gelder auf europäischer Ebene anzustoßen. Daran werden sich UEFA, DFB und DFL künftig messen lassen müssen."

Angesprochen fühlen mussten sich die Schalker von diesem Vorwort nicht. Für den Moment waren sie schlicht stolz auf ihre Rückkehr in Europas Eliteliga. Heidel lauschte erst einmal mit Vorfreude der Champions-League-Hymne, die ihm sein Sohn zugeschickt hatte.

© SZ vom 07.05.2018
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