bedeckt München 25°

Europäischer Fußball-Verband Uefa:Zeit für Strafen

UEFA-Präsident Aleksander Ceferin und Andrea Agnelli

Da waren sie noch Freunde: Uefa-Boss Aleksander Ceferin (rechts) und Andrea Agnelli, Präsident von Juventus Turin.

(Foto: Gregorio Borgia/dpa)

Nach dem gescheiterten Super-League-Aufstand von zwölf Vereinen geht es nun um die Konsequenzen. Im Raum stehen ein Bann für die nächste Champions-League-Saison - und eine Korrektur der Königsklassen-Reform.

Die Super-League-Pläne haben sich fürs Erste erledigt, aber welche Konsequenzen die geplante Abspaltung von zwölf europäischen Großklubs aus England, Spanien und Italien für die Rebellen hat, ist noch ungewiss. In einer Reihe von Interviews gab Aleksander Ceferin, Chef des Europa-Verbandes Uefa, an diesem Wochenende jedenfalls zu verstehen, dass man nun nicht einfach so zur Tagesordnung übergehen werde, sondern dass Sanktionen folgen würden. "Jeder muss für das, was er getan hat, Konsequenzen übernehmen", sagte er der englischen Zeitung Mail on Sunday.

Dabei deutete Ceferin an, dass es wohl zu unterscheiden gelte zwischen den verschiedenen an den Super-League-Plänen beteiligten Klubs. Da sei das englische Sextett (Manchester United, Manchester City, Chelsea, Liverpool, Arsenal, Tottenham), das nach dem gigantischen Protest als Erstes den Rückzug ankündigte; als nächste Gruppe kämen die Nachzügler Atletico Madrid, Inter Mailand und AC Mailand; und schließlich gebe es das Anstifter-Trio Real Madrid, Juventus Turin und FC Barcelona, das sich bis heute renitent gibt. Erst kürzlich betonte Reals Präsident Florentino Perez noch einmal, dass die Super-League-Pläne nicht endgültig gestoppt seien, sondern nur auf Stand-by gestellt seien.

Bei den Konsequenzen stehen insbesondere zwei Aspekte im Raum. Zum einen droht ein Champions-League-Ausschluss fürs nächste Jahr, was insbesondere Real, Juve und Barca fürchten müssten, falls sie sich nicht klar von der Super League distanzieren. Zum anderen aber, und das gilt für alle Klubs, könnte es bei der beschlossenen Champions-League-Reform noch zu Korrekturen kommen, die den Großvereinen nicht passen.

Die Reform war am Montag vor einer Woche von der Uefa-Exekutive verabschiedet worden. Ein zentraler Punkt in der langen Debatte dazu war die Frage gewesen, an wen die vier zusätzlichen Plätze gehen, die es nach der Aufstockung des Teilnehmerfeldes von 32 auf 36 Mannschaften von der Saison 2024/25 an gibt. Der ursprüngliche Plan sah vor, dass zwei davon über eine Traditionswertung verteilt werden würden, also eine Art Netz für Klubs darstellen, die in einer Saison die Qualifikation für die Champions League auf sportlichem Weg verpassen. Dies war ein Entgegenkommen für die Großklubs gewesen, ehe die sich ihren Super-League-Plänen hingaben.

Die Vertreter der mittleren und kleinen Ligen sowie viele Fans liefen dagegen Sturm, nun stellt Ceferin das ausdrücklich wieder infrage. Zur SZ heißt es aus der Uefa, dass sie selbst dies nicht alleine klären, sondern den Vertretern der Klubvereinigung ECA sowie den nationalen Ligen überlassen wolle. Das könnte ein Manöver sein, an dessen Ende tatsächlich die Streichung der beiden Startplätze über die Traditionswertung steht. Denn nach dem Umsturz zu Wochenbeginn haben die zwölf Großklubs in der ECA keinen Einfluss mehr. Stattdessen prägen nun insbesondere Paris Saint-Germain und der FC Bayern die insgesamt zirka 240 Klubs vertretende Organisation. Paris und München stellten sich in dem Machtkampf gegen die Super League auf die Seite der Uefa, flankiert von den Vertretern mittlerer und kleinerer Klubs.

© SZ/SZ/moe
Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema

Süddeutsche Zeitung
  • Twitter-Seite der SZ
  • Facebook-Seite der SZ
  • Instagram-Seite der SZ
  • Mediadaten
  • Newsletter
  • Eilmeldungen
  • RSS
  • Apps
  • Jobs
  • Datenschutz
  • Kontakt und Impressum
  • AGB