Elf des Spieltags:Schnecke wird zum Tiger

Der katastrophal spielende Rafinha fährt auch noch die Krallen aus. Arango beweist endlich, dass er mehr Körperteile besitzt als nur einen linken Fuß. Und Henrikh Mkhitaryan therapiert sich selbst. Die Elf des 30. Bundesliga-Spieltags.

Elf des Spieltags

Juan Arango

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(Foto: Federico Gambarini/dpa)

Der katastrophal spielende Rafinha fährt auch noch die Krallen aus. Arango beweist endlich, dass er mehr Körperteile besitzt als nur einen linken Fuß. Und Henrikh Mkhitaryan therapiert sich selbst. Die Elf des 30. Bundesliga-Spieltags. Juan Arango: Wer die allwöchentliche Berichterstattung in den Medien verfolgt, der könnte meinen, dass Juan Arango das ein oder andere Körperteil fehlt. Arango wird nämlich stets auf seinen linken Fuß reduziert, ein besonders feines Exemplar, mit dem sich nachweislich wunderbare Tore erzielen lassen. Der Venezolaner sei "der beste Linksfuß der Welt", adelte ihn einst sein Trainer Lucien Favre. Doch Favre und all die anderen Gönner staunten an diesem Wochenende nicht schlecht: Arango traf zum späten 1:1 gegen Stuttgart, nicht etwa mit links (wie sonst immer) oder mit rechts (auch das wäre eine Überraschung gewesen): Nein, mit dem Kopf! 24 Mal hatte er zuvor in der Bundesliga getroffen, 24 Mal mit links. Wenn das kein Grund zum Feiern ist. (ebc)

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Kevin de Bruyne

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(Foto: Ronny Hartmann/Getty)

Kevin de Bruyne: Mehr als 20 Millionen Euro kostete Kevin de Bruyne, als er im Winter von Chelsea zum VfL Wolfsburg wechselte. Eine Summe, die Sportdirektor Klaus Allofs nach dem 4:1-Sieg gegen den 1. FC Nürnberg als "Rucksack" bezeichnete. Einen Rucksack, den der 22-Jährige in den vorangegangenen 90 Minuten zum ersten Mal wirklich abgelegt hatte. Der Belgier war der beste Spieler auf dem Platz, bereitete den Ausgleich und die 2:1-Führung seiner Mannschaft mit starken Pässen direkt vor und war auch an weiteren Chancen beteiligt. 78 Ballkontakte wies die Statistik für ihn aus. Einzig ein Tor fehlte ihm zu einem perfekten Fußballtag. Auch dank de Bruyne träumt der VfL jetzt sogar von der Champions League - vier Spieltage vor Saisonende steht die Mannschaft von Dieter Hecking auf Tabellenplatz fünf. (mane)

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Henrikh Mkhitaryan

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(Foto: dpa)

Henrikh Mkhitaryan: Drei Riesenchancen hatte er gegen Real Madrid vergeben und so den BVB um den Einzug ins Champions-League-Halbfinale gebracht. "I am sorry", schrieb er nach dem Spiel auf Twitter. Doch dann stand am Samstagabend die Bundesliga-Partie gegen den FC Bayern an - und der Armenier machte alles wieder gut. Mkhitaryan spielte entfesselt. Das 1:0 schoss er selbst. Beim zweiten Treffer rannte er nach einem Konter über den halben Platz, kein Bayern-Spieler kam hinterher, dann passte er geschickt zu Aubameyang, der nur noch an Reus weitergeben musste. "Es waren schwierige Momente diese Woche", sagte Mkhitaryan nach der Partie. Er lachte.

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Rafinha

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(Foto: Bongarts/Getty Images)

Rafinha: Der Ex-Schalker Rafinha hätte beim Spiel gegen Borussia Dortmund eigentlich besonders motiviert sein sollen. Doch der Brasilianer verteidigte so lustlos wie einer, für den die Deutsche Meisterschaft längst entschieden ist. Beim ersten Gegentreffer kam er zu spät, beim zweiten schaute er zu, beim dritten sah er sich nicht bemüßigt, Jonas Hofmann hinterher zu rennen. Und in der Nachspielzeit krallte er sich in Henrikh Mkhitaryans Gesicht fest. Die logische Folge: Platzverweis. Bayerns Sportvorstand Matthias Sammer klagte allerdings nach dem Spiel, die Rote Karte sei viel zu hart gewesen. "Ich weiß nicht, ob er Creme an der Hand hatte und etwas abgeben wollte." Auch für diese Äußerung wäre ein klarer Platzverweis fällig gewesen. (sonn)

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Erik Durm

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(Foto: dpa)

Erik Durm: Vor wenigen Monaten wusste kaum jemand, wer dieser Erik Durm ist. Seit dieser Woche wissen es sogar Gareth Bale und Arjen Robben ganz genau. Am Dienstag bewachte Durm den teuersten Bewohner Wales wie ein Schäferhund seine Schafsherde. Am Samstag hatte es Robben gegen Durm dann noch schwerer: Der 21-Jährige ließ dem zuletzt besten Bayern-Spieler kaum Raum, folgte ihm überallhin. Nur nicht in die Kabine, als der entnervte Robben nach 70 Minuten kapitulierte. (sonn)

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Lukas Raeder

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(Foto: Bongarts/Getty Images)

Lukas Raeder: Dass Lukas Raeder in dieser Saison sein erstes Bundesliga-Spiel bestreiten würde, hätte der 20-jährige Ersatz des Ersatz-Torwartes des FC Bayern sicher nicht gedacht. Der ehemalige Jugendspieler vom FC Schalke hält normalerweise für den FC Bayern II in der Regionalliga. Doch dann verletzte sich erst Tom Starke im Training am Ellenbogen, Raeder rückte in den Kader auf. Nach der ersten Halbzeit gegen Dortmund konnte dann plötzlich Manuel Neuer nicht mehr weiterspielen, Wadenprobleme. Raeder zog sich die Torwarthandschuhe über. Keine vier Minuten dauerte es, bis der 1,94 Meter große Fußballer sein erstes Bundesliga-Gegentor bekam. Nur sieben Minuten später flog der Ball erneut in seinen Kasten. Dem bemitleidenswerten Raeder ist zugutezuhalten: An beiden Treffern trägt er keine Schuld. (sonn)

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(Foto: dpa)

Nils Petersen: Vollkommen frei kam Werder-Stürmer Nils Petersen im Strafraum zum Abschluss. Er hielt seinen Fuß in der Luft gefühlvoll gegen den Ball, ließ ihn prallen. Der flog in hohem Bogen auf das Tor und senkte sich unhaltbar ins rechte Kreuzeck. Doch Petersen freute sich kein bisschen über seinen Treffer im Spiel gegen Mainz. Und das lag nicht daran, dass er früher einmal beim FSV gespielt hätte und aus Pietät den Jubel verweigerte. Nein, der Strafraum war der seiner eigenen Mannschaft, das Tor demnach ein Eigentor. So schön, dass es selbst ein sehr talentierter Spieler wie Petersen nur an einem guten Tag auf der richtigen Seite des Feldes hinbekommen würde. (mane)

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Die Null

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(Foto: Bongarts/Getty Images)

Die Null: Sie haben zwei Mal vier Gegentore bekommen, ein Mal drei, drei Mal zwei und vier Mal eins. Und nun stand da eine Null. Zum ersten Mal seit dem 1. Februar, als die TSG den HSV 3:0 bezwang, musste der Torhüter der TSG Hoffenheim am Sonntagabend keinen Ball aus dem Gehäuse holen. Erst zum zweiten Mal in dieser Saison überhaupt. Zwar spielte Hoffenheim am Sonntagabend genauso offensiv - und damit hinten löchrig - wie sonst, doch sie hatte das Glück, dass der FC Augsburg zahlreiche Chancen nicht nutzte. Es blieb dabei: Torwart Jen Grahl hüpfte auf und ab, die schwächste Defensive der Liga hielt die Null.

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Julian Brandt

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(Foto: AFP)

Julian Brandt: Hertha-Torwart Thomas Kraft stürmte heraus, er lief auf Julian Brandt zu. Es war einer jener Momente, in denen Fußballer ins Nachdenken kommen: Soll ich links vorbei, es rechts versuchen oder gleich abzielen? Fußballer schießen dann gerne daneben. Nicht so der erst 17-jährige Brandt. Der machte das ganz abgeklärt - und lupfte den Ball ins Tor. Ganz abgeklärt gab der Nachwuchsspieler, der erst im Februar sein Bundesliga-Debüt gefeiert hatte, nach dem Spiel auch Fernsehinterviews. "Das geht jetzt ganz schön rasant", gab Brandt zu. "Ich habe jetzt ein bisschen weniger Zeit mit meinen Kumpels, es gibt aber Schlimmeres." Er lachte schelmisch - und war auch im Interview noch abgeklärt. (sonn)

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Christian Dingert

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(Foto: Bongarts/Getty Images)

Christian Dingert: Wieder einmal diskutieren Fußballfans in ganz Deutschland über den Videobeweis. Den Videobeweis, den es im Fußball im Gegensatz zum Eishockey nicht gibt. Den Schiedsrichter Christian Dingert im Spiel zwischen Schalke und der Frankfurter Eintracht möglicherweise dennoch nutzte, um das 2:0 des Gelsenkirchners Max Meyer erst nach mehr als einer Minute abzuerkennen. Da standen die Spieler schon längst bereit zum Anstoß. Meyer sagte nach dem Spiel: "Der Schiedsrichter hat mir angezeigt, dass er es auf dem Videowürfel gesehen hat." Der Referee erklärte, er habe die Abseitsstellung von Julian Draxler klar gesehen, er habe nur mit seinem Assistenten besprechen müssen, ob der Ball von einem Schalker oder einem Frankfurter Spieler zu Draxler gelangt sei. "Wir haben unsere Informationen zur richtigen Entscheidung zusammengefügt", fasste Dingert zusammen. Nun steht Aussage gegen Aussage, Befürworter des Videobeweises stehen Gegnern gegenüber. Und Schalke wird in Zukunft seinen Videowürfel-Beweis erst abspielen, wenn der Schiedsrichter das Spiel wieder angepfiffen hat. (mane)

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Hotel Klosterpforte

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(Foto: AP)

Hotel Klosterpforte: Vier Spiele hintereinander hatte Hannover 96 nicht mehr gewonnen, die Abstiegsplätze waren plötzlich bedrohlich nahe. Trainer Tayfun Korkut musste reagieren - und verordnete der Mannschaft ein dreitägiges Trainingslager in dem westfälischen Örtchen Marienfeld. Die Spieler wohnten in dem Hotel mit dem schönen Namen Klosterpforte, in dem sich schon Portugals Nationalmannschaft 2006 auf die WM vorbereitete. Die H96-Spieler übten in der Klosterpforte und übten. Mit Erfolg. Denn am Samstag gegen den Hamburger SV spielten sie plötzlich wie ein Champions-League-Teilnehmer. Korkuts Team gewann 2:1, vom drohenden Abstieg sprach keiner mehr. Dem Hotel Klosterpforte sei Dank. (sonn)

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