bedeckt München
vgwortpixel

Claudia Pechstein:Machtkampf auf dem Eis

Eisschnelllauf Inzell 08.11.2019 Saison 2019 / 2020 Deutsche Meisterschaften DM Michelle Uhrig *** Speed skating Inzell

Deutsche Meisterin über 1000 und 1500 Meter, über 5000 Meter allerdings wie fast alle nicht dabei: Michelle Uhrig aus Berlin.

(Foto: Tilo Wiedensohler / imago)
  • Der nationale Eisschnelllauf-Verband sucht einen neuen Präsidenten.
  • Der nun von Claudia Pechstein vorgeschlagene Kandidat polarisiert.

Nichts benötigen die Eisschnellläufer nach dem Rücktritt der Verbandspräsidentin Stefanie Teeuwen dringender als einen Lichtblick. Wer wollte, konnte diesen nach dem 1000-Meter-Rennen in Inzell aufblitzen sehen, als Nico Ihle und Joel Dufter hintereinander mit langen Schritten über die Ziellinie jagten. Es war der 22. deutsche Meistertitel für den 31-jährigen Ihle; der Sprintkollege Dufter, 24, hatte sich tags zuvor den Goldpokal über 500 Meter gesichert. Dass die Kontrahenten nun gemeinsam in einer Trainingsgruppe laufen, die der neue Bundestrainer etablierte, dass Ihle sein Solistendasein in Chemnitz zugunsten der Mannschaft aufgab, ist als ein Zeichen zu werten. "Der Verband sucht händeringend neue Strukturen", sagt Moritz Geisreiter, bis 2018 Mitglied der Nationalmannschaft und inzwischen Aktivensprecher. Zumindest der Umstand, dass die früheren Einzelkämpfer unter den Kufenläufern bereit sind, ihre Rivalität zu begraben, stimmt ihn hoffnungsfroh.

Stefanie Teeuwen, 50, hat ihren abrupten Amtsverzicht wenige Stunden vor Beginn der Meisterschaften mit "Anfeindungen" in der Deutschen Eisschnelllauf-Gemeinschaft (DESG) erklärt, mit Kritik an ihrem Kurs "auf einer persönlichen Ebene". Details nannte sie nicht. Die Athleten und das neue Leistungssportpersonal sprach die ehemalige DESG-Chefin aber ausdrücklich von allen Vorwürfen frei; bei der sportlichen Entwicklung glaubte sie ihren Verband auf dem richtigen Kurs.

Der Vorschlag hat den Verband schon jetzt gespalten

Doch ein Ende der Querelen zeichnet sich nicht ab. Vielmehr bahnt sich in der DESG, die nach zwei Olympischen Spielen ohne Medaillenerfolg auch finanziell in eine schwierige Lage schlitterte, ein eisiger Machtkampf um das vakante Spitzenamt im Verband an. Die verbliebenen Vizepräsidenten Dieter Wallisch (München) und Uwe Rietzke (Dresden) wollen in dieser Woche über das weitere Vorgehen beraten. Bislang ist nur ein Präsidentschaftsanwärter bekannt: Claudia Pechstein, 47, die fünfmalige Olympiasiegerin, hat ihren Lebenspartner Matthias Große in Stellung gebracht.

Pechstein hat Große, einen Unternehmer aus Berlin, bisweilen ihren "Bodyguard" genannt, der Deutsche Olympische Sportbund schickte ihn an ihrer Seite sogar schon mit zu den Winterspielen. Der Vorschlag hat den Verband schon jetzt gespalten. Wohl auch deshalb hat sich Moritz Geisreiter, Vorstandsmitglied des unabhängigen Vereins Athleten Deutschland, als einer der Ersten am Sonntag klar positioniert: "Aus meiner Sicht wäre Große nicht der Richtige", sagte er am Telefon: "Ein Präsident muss in dieser Situation den ganzen Verband einigen können, und diese Voraussetzung sehe ich bei ihm nicht." Matthias Große stehe als Lebensgefährte von Claudia Pechstein zu nahe an einer Sportlerin, glaubt Geisreiter. "Ein Teil der DESG wird seine Kandidatur deshalb stützen. Der andere Teil aber wird argumentieren, dass Große niemand ist, der eine Gemeinschaft erzeugen kann."