Eishockey-WM in Dänemark:"Wir werden unglaublich hart fighten"

Eishockey: WM, Deutschland - Norwegen

Jonas Holos aus Norwegen (r) in Aktion gegen Markus Eisenschmid aus Deutschland.

(Foto: dpa)
  • Nach den Niederlagen gegen Dänemark und Norwegen braucht die deutsche Nationalmannschaft Punkte, um in der WM weiterzukommen.
  • Am heutigen Montag sind die USA um 16.15 Uhr der Gegner.

Von Johannes Schnitzler, Herning

Leon Draisaitl ging voran. Bog um eine Ecke. Dann um noch eine. Noch eine. Und noch eine. Dann war er weg, grußlos durch die Mixed Zone gerauscht, an allen Journalisten vorbei. Die deutsche Eishockey-Nationalmannschaft hatte zwei Tage nach der 2:3-Auftaktniederlage gegen Gastgeber Dänemark auch ihr zweites Spiel bei dieser 82. WM in Herning verloren, 4:5 (2:2, 1:1, 1:1) gegen Norwegen diesmal. Wieder im Penaltyschießen. "Wir hatten genug Chancen, dieses Spiel zu gewinnen", sagte Patrick Hager, der zweimalige Torschütze. 17:8 führten die Deutschen nach dem ersten Drittel. Aber eben nur nach Schüssen. Am Montag (16.15 Uhr) gegen das Team USA, das bislang zwei Siege gegen Kanada (5:4 nach Penaltyschießen) und gegen Dänemark (4:0) gefeiert hat, steht die Auswahl von Bundestrainer Marco Sturm bereits erheblich unter Zugzwang. "Vom Viertelfinale brauchen wir jetzt nicht zu reden", sagte Sturm.

Sechs Jahre ist es her, dass Dennis Endras während eines Spiels gegen Norwegen sein Tor verließ und glühend vor Zorn seinen Schläger an der Bande zertrümmerte. Die deutsche Mannschaft war bei der WM 2012 gerade dabei, sich mit einem 4:12 gegen Norwegen bis auf die Knochen zu blamieren, es war der Anfang vom Ende der kurzen Amtszeit des Schweizers Jakob Kölliker als Bundestrainer. Eine solche Schmach blieb den Deutschen am Sonntag erspart. Glücklicher waren sie trotzdem nicht. "Wir hatten heute einen schlechten Start", sagte der Münchner Verteidiger Yannic Seidenberg, "haben unglückliche Tore bekommen, mehrmals den Ausgleich geschafft, gute Chancen gehabt, um das Spiel auch zu gewinnen. Aber wir sind zu spät aufgewacht." 2:0 führten die Norweger bereits, als die Deutschen im Spiel ankamen.

Am Samstag hatte Sturm noch einmal Überzahl und Unterzahl üben lassen. Ihm hatte nicht gefallen, was er gegen Dänemark gesehen hatte: "In so einem Spiel entscheiden Kleinigkeiten", sagte er. Nach nur 40 Sekunden bot sich den Deutschen die erste Gelegenheit zum Powerplay. Doch erst hämmerte Matthias Plachta den Puck gegen die Latte, dann fand Kapitän Dennis Seidenberg im eigenen Drittel keine Anspielstation, verlor die Scheibe an Ken André Olimb, und Timo Pielmeier war zum ersten Mal geschlagen (2.). "Das Tor dürfen wir nicht bekommen", sagte Yannic Seidenberg. Und die Norweger, nun ihrerseits erstmals mit einem Mann mehr auf dem Eis, legten nach: Thomas Valkvae Olsen traf zum 2:0 (8.). Ein Gegentor bei Überzahl, eins in Unterzahl - es war der denkbar schlechteste Start. "Danach mussten wir uns erst mal berappeln", sagte der Kölner Moritz Müller. Eine Hoffnung blieb: Gegen Lettland hatte Norwegen ein 2:0 verspielt und noch 2:3 verloren.

Sturm hatte die Probleme in den Special Teams angesprochen: "Wir spielen gut außen rum, aber wir sind vor dem Tor nicht gefährlich." Die Vorbereitung sei zu kurz gewesen, "wir hatten immer wieder neue Formationen, das war vogelwild". Insgesamt 15 Silbermedaillen-Gewinner von Pyeongchang fehlen in Herning, "das war nicht so geplant, da kommt einiges zusammen", sagte er nach dem Spiel.

Gegen Dänemark war jede Scheibe wie ferngesteuert zu Spielmacher Leon Draisaitl gewandert: Der NHL-Profi würde schon etwas damit anzufangen wissen. Am Sonntag dagegen bekamen die Deutschen Gelegenheit, sich einzuspielen. Norwegen kassierte zwei Strafen hintereinander, die Scheibe lief nun flüssiger, die Deutschen spielten gut außen rum - nur vor dem Tor blieben sie ungefährlich. Erst das vierte Überzahlspiel zeitigte Erfolg: Ludvig Hoff schubste den Puck ins eigene Netz (15.), offizieller Torschütze war Hager. Die Deutschen legten zu, Marc Michaelis, der College-Spieler aus Minnesota, versenkte einen Pass im Netz (19.), nach 20 Minuten stand es 2:2. Aber kurz nach dem Wechsel kombinierten sich die Norweger wieder durch die unsortierte deutsche Abwehr, bis Anders Bastiansen keine Mühe mehr hatte, auf 3:2 (22.) für Norwegen zu stellen.

Defensiv solide wie alle skandinavischen Teams hatten die Deutschen die Norweger erwartet. Sie selbst kämpften indes nach wie vor um Stabilität. Im Nachschuss traf abermals Hager (28.), der schon im Vorrunden-Duell bei den Olympischen Spielen zwei Tore zum 2:1-Sieg des Weltranglisten-Siebten gegen den Neunten erzielt hatte, zum 3:3. Es war ein Tanz auf einem dünnen Seil. Norwegen legte abermals vor (50:13); Deutschland glich durch Yannic Seidenberg aus (50:38). "Wir sind das ganze Spiel hinterher gelaufen, haben viel Kraft investiert", sagte Hager, charakterlich sei der Mannschaft nichts vorzuwerfen.

Wieder musste die Entscheidung im Penalty-Schießen fallen, wie bei Olympia. Damals trafen alle deutschen Schützen. Diesmal keiner. "Wir werden uns gegen die Amerikaner trotzdem nicht verstecken. Wir werden unglaublich hart fighten und strukturierter spielen als heute", sagte Hager. Dann ging auch er. In Schlappen. Aber kämpferisch.

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