Eishockey:Kometeneinschlag

Cengiz Ehliz

"Keiner hat mehr gelitten als ich": Jetzt strahlt Sponsor Cengit Ehliz (li.) mit Löwen-Geschäftsführer Jürgen Rumrich wieder um die Wette.

(Foto: privat/Tölzer Löwen)

Erst kündigt der DEL2-Klub Tölzer Löwen Hauptsponsor Wee wegen Vertragsbruch, nun ist Cengiz Ehliz wieder da: Mit einer "deutlich sechsstelligen Summe" für zwei Jahre.

Von Christian Bernhard

Da saß er. Der Mann, den die Tölzer Löwen so lange so sehr vermisst hatten. Der Mann, der sie nach eigener Auffassung monatelang hatte hängen lassen. Einige Löwen-Spieler absolvierten auf dem Eis gerade eine freiwillige Trainingseinheit, als Löwen-Geschäftsführer Jürgen Rumrich am Freitag wenige Meter oberhalb in der Stadion-Gaststätte verkündete, dass "heute ein wirklich guter Tag" für alle Freunde des Tölzer Eishockeys sei. Das lag daran, dass direkt neben ihm Cengiz Ehliz, der Gründer der Wee-Gruppe, in einem dunkelblauen Nadelstreifenanzug mit passender Weste und weiß-blauem Einstecktuch saß. Man habe mit Wee eine "einvernehmliche, gute Lösung gefunden" und die "alte Saison mit Wee abgeschlossen", sagte Rumrich, über die Modalitäten wurde Stillschweigen vereinbart. "Es ist erledigt", sagte Ehliz.

Rückblick: Mitte April hatten die Löwen den Vertrag mit ihrem Hauptsponsor und Arena-Namensgeber gekündigt. Wee komme seinen vertraglichen Verpflichtungen "in keiner Weise" nach, hatte Hubert Hörmann, Präsident des EC Bad Tölz und Mitglied im Löwen-Beirat, damals gesagt. Mindestens 450 000 Euro entgingen dem Klub dadurch nach SZ-Informationen in der vergangenen Saison, Hörmann schloss selbst rechtliche Schritte nicht aus. Er formulierte es so: "Der Hauptsponsor ist uns abhandengekommen."

Nun ist Ehliz wieder da.

Für die anstehenden zwei Spielzeiten wurde ein neuer Sponsoringvertrag abgeschlossen, dessen Volumen sich laut Klub im "deutlich sechsstelligen Bereich" bewegt. Die Summe für die zwei Jahre sei schon überwiesen, sagte Peter Grünewald, IT-Leiter der Wee-Plattform, "das Geld ist von unserem Konto schon weg". Das Ehliz-Unternehmen wird auf dem Trikot-Ärmel zu sehen sein, für den Brustschriftzug sei der Klub "nach wie vor" auf der Suche, sagte Rumrich. Mit dem Stadionnamen hat Wee nichts mehr zu tun.

Ehliz entschuldigte sich auf der Pressekonferenz bei allen, die ob der unklaren Situation in den vergangenen Monaten "frustriert" gewesen seien und übernahm die "komplette" Verantwortung. Es solle keine Ausrede sein, sagte er, aber die Pandemie habe den Wee-Konzern, dessen Umsätze um 70 Prozent eingebrochen seien, "wie ein Kometeneinschlag" getroffen. "Derjenige, der am meisten gelitten hat, war ich", sagte der gebürtige Tölzer, da er sich seiner Heimat und dem Eishockey sehr verbunden fühle. Deshalb sei die Zeit nicht leicht für ihn gewesen, da "einige auf mich eingeschlagen und mir eine richtige Watschn verpasst haben. Das war okay und prägend für mich." Nun soll der Blick nach vorne, in die Zukunft, gehen: "Schwamm drüber", sagte Ehliz.

Rumrich ist noch auf der Suche nach einem vierten Kontingentspieler, da ihm "ein nordamerikanischer Angreifer trotz Vertragsunterschrift noch abgesprungen ist". Trotzdem freue er sich auf die neue DEL2-Saison, "mit unserem neuen oder Wieder-Partner."

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