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Eishockey:Ein Leuchten auf dem Eis

Eisbären Berlin - Red Bull München

"Ob auf dem Ergometer, beim Krafttraining oder wenn ich gerade einmal Schmerzen hatte - der mögliche Gewinn der Meisterschaft war immer meine Motivation, weiterzumachen." - Derek Roy (r., mit Frank Mauer).

(Foto: Andreas Gora/dpa)

Stürmer Derek Roy, 37, hat knapp 800 Spiele in der NHL absolviert. Nach einer langwierigen Verletzung ist er für den EHC München in der Deutschen Eishockey Liga nun so wertvoll wie erhofft - mit seiner Erfahrung, seiner Übersicht und seiner Schlitzohrigkeit. Und er ist auf den Punkt für die Playoffs fit.

Von Christian Bernhard

Frank Mauer lachte verschmitzt, als er erläuterte, wie es zu seinem Treffer gekommen war. Derek Roy habe ihm "spontan" vor dem Anspiel der Partie gegen Köln (6:2) Ende März gesagt, dass er direkt nach vorne gehen und somit seinen Anspiel-Gegner überrumpeln würde. "Das hat er gemacht und es hat funktioniert", erklärte Mauer, der dank Roys überraschender Aktion und eines perfekten Querpasses des Kanadiers leichtes Spiel hatte, die Scheibe im Tor unterzubringen. Normalerweise klappe das nicht, sagte Roy, "aber diesmal hatten wir Glück".

An Erfahrung und Schlitzohrigkeit mangelt es Roy nicht. Der 37-jährige Stürmer des EHC Red Bull München ist seit 18 Jahren Eishockeyprofi, er hat knapp 800 Spiele in der NHL absolviert, spielte in Russland, der Schweiz und Schweden und gewann mit Kanadas Nationalmannschaft bei Weltmeisterschaften und Olympischen Spielen Medaillen. Roy, der in seinen elf NHL-Jahren geschätzt mehr als 27 Millionen Dollar verdient hat, ist mit allen Eishockey-Wassern gewaschen.

Und doch sprüht er aktuell vor besonderer Spiellaune, da er sehr lange auf solche Momente hatte warten müssen. Eine Verletzung an der Schulter zwang ihn zu einer mehr als einjährigen Pause, ehe er Ende März sein Comeback feierte - die Partie gegen Köln war erst seine zweite nach der Unterbrechung. "Das waren zwei harte Jahre für mich", sagte Roy, der bereits im Sommer 2019 nach München gekommen war, aber bis März 2021 erst zehn Ligaspiele für den EHC absolviert hatte. Schulterprobleme inklusive einer Operation zogen eine lange Rehabilitationsphase nach sich. Roy erinnert sich an "viele Tage in der eiskalten Halle mit Hoodie und langen Turnhosen", die nötig waren, um aus ihm wieder einen Eishockeyprofi zu machen. "Das waren keine lustigen Tage, aber ich sah das Licht am Ende des Tunnels."

"Wenn er an die Scheibe kommt, fällt er auf", sagt Trainer Don Jackson

Nun leuchtet er für den EHC auf dem Eis. Roys große Stärke ist seine Übersicht und seine Fähigkeit, Pässe auch durch viele gegnerische Beine und Schläger an die Mitspieler zu bringen. "Er spielt einfach klasse Pässe", sagt Kollege John-Jason Peterka über den Mittelstürmer. Roys Spezialität: Querpässe in Schussgeschwindigkeit, in die seine Angriffskollegen nur noch den Schläger halten müssen, um die Scheibe Richtung Tor abzufälschen. "Wenn er an die Scheibe kommt, fällt er auf", sagt Trainer Don Jackson, Roy wisse einfach, wohin der Puck muss.

All das ist besonders in Überzahl gefordert, wenn die Gegner den Raum vor dem eigenen Tor sehr eng machen und man viel Geduld und Präzision braucht, um seine Mitspieler in Szene zu setzen. Roy hat beides. Beim 4:1-Heimsieg gegen die Eisbären Berlin, das beste Team der DEL-Nord-Gruppe, stand Roy kürzlich vier Minuten und 25 Sekunden in Überzahl auf dem Eis - so viel, wie kein anderer Angreifer. Am liebsten hält er sich im Powerplay auf der halbrechten Seite auf, wo er das Überzahlspiel lenkt und manchmal auch selbst abzieht. So wie beim 9:2 gegen die Krefeld Pinguine, als sein Schlenzer mit viel Tempo im Kreuzeck einschlug.

Jackson weiß, was er an dem erfahrenen Kanadier hat. Der Trainer gab ihm seit dem Comeback im eng getakteten Spielplan zwei Spiele Pause und hatte Roys Eiszeit genau im Blick. Er sollte mit Blick auf die Playoffs behutsam wieder herangeführt werden. Im Schnitt kommt Roy seit seinem Comeback 14 Minuten pro Spiel zum Einsatz, zuletzt in Wolfsburg hatte er schon knapp 19 Minuten Eiszeit, da in Patrick Hager und Mark Voakes zwei der Münchner Top-Mittelstürmer verletzt fehlen.

Roy hat seinen Platz zwischen Frank Mauer und Philip Gogulla gefunden

Sein Körper macht die Mehrbelastung vor dem letzten Hauptrunden-Wochenende, in dem die Münchner zu Hause auf die Iserlohn Roosters (Freitag, 19.30 Uhr) und die Düsseldorfer EG (Sonntag, 14.30 Uhr) treffen, mit. Roys Plan, auf den Punkt für die Playoffs fit zu sein, scheint zu funktionieren. Zudem hat er seinen Platz zwischen Frank Mauer und Philip Gogulla gefunden, die Angriffsreihe harmoniert prächtig. "Die beiden Flügelstürmer passen sehr gut zu ihm", meint Jackson, "die Reihe produziert gut." Roy hat in sechs seiner zehn Saisonspiele gepunktet, zwei seiner drei Tore waren spielentscheidend.

Am kommenden Dienstag startet der EHC als Hauptrundenzweiter der Süd-Gruppe in die Playoffs - und Roy hat jetzt schon den Titelgewinn im Hinterkopf. "Egal zu welchem Zeitpunkt: Ob auf dem Ergometer, beim Krafttraining oder wenn ich gerade einmal Schmerzen hatte - der mögliche Gewinn der Meisterschaft war immer meine Motivation, weiterzumachen", sagt er. "Der Klub hat mich geholt, um Titel zu gewinnen. Und genau das werde ich tun."

© SZ/lein
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