Deutsche Eishockey Liga:"Ohne Privatleute, die eigenes Geld investieren, würde es im Eishockey nicht gehen"

Was heißt das?

Sportlicher Erfolg wird immer mit den sportlich handelnden Personen zusammenhängen. Das muss immer unabhängig in der sportlichen Entscheidung, aber in Kooperation mit der geschäftsführerischen Seite geschehen. Ich glaube, die Symbiose von sportlicher Entscheidungsqualität und wirtschaftlicher Seriosität bildet die Basis für Erfolg. Entscheidend sind die Personen, die Struktur und der Inhalt!

Unterhalb der DEL und DEL2 führt der Präsident oft persönlich die Geschäfte. Selbst in den Profiligen hängen viele Klubs von einzelnen Geldgebern ab und leben von der Hand in den Mund.

Der Eishockeysport muss mehr sportökonomische Experten rekrutieren. Wir haben gut ausgebildete Leute, aber wir müssen noch viel mehr über den Tellerrand hinaus schauen, interdisziplinär denken, um auch gegenüber anderen Sportarten wettbewerbsfähig zu bleiben. Und - ich überstrapaziere es fast - um die Nachhaltigkeit im eigenen Sport zu gewährleisten. Man muss aber auch klar sagen: Ohne die Privatleute, die auch eigenes Geld investieren, würde es im Eishockey nicht gehen.

Mehr Expertise und weniger Emotion in den Gremien könnte die Vereine vor mancher Fehlentscheidung bewahren.

Das kann man so unterstreichen. Wir haben viele ehemalige Spieler, auch in anderen Sportarten, die sich nach der Karriere in Positionen begeben, für die ihnen die nötige Ausbildung fehlt. Das ist mit Sicherheit nicht wegzudiskutieren. Man braucht Profis an den entscheidenden Positionen.

Sie haben bei der jüngsten DEB-Versammlung ein Modell zur Ausbildungsentschädigung vorgestellt. Wie sieht das aus?

Die Höhe des Betrags richtet sich nach dem Alter des Spielers. Im Alter von elf Jahren zum Beispiel ist Betrag x für einen Spieler zu hinterlegen. Wenn der Spieler im Alter von zwölf Jahren wechselt, wird in den Betrag eingerechnet, was er als Elfjähriger gekostet hätte, plus den Teilbetrag dessen, was er als Zwölfjähriger kosten würde.

Was dürfte der ausbildende Verein erwarten, wenn zum Beispiel ein 15-Jähriger in Mannheims DEL-Mannschaft wechselt?

Das wären rund tausend Euro.

Tausend Euro? Braucht es dafür ein sportfachlich ausgeklügeltes Modell? Und: Was hat ein Verein von 1000 Euro?

Aus der externen Sicht mag das keine hohe Summe sein. Aber wir dürfen das Ganze auch nicht überstrapazieren. Schon heute werden ja bestimmte Summen fällig, wenn ein Spieler zu einem Oberligisten oder Zweitligisten wechselt. Und wir müssen beachten, dass diese Entschädigung die kleinen Vereine auch ein Stück weit selbst trifft. Es werden ja nicht immer nur Spieler abgegeben. Fast jeder Verein holt auch Spieler von woanders her. Darum halten wir die Entscheidung sehr offen. Deshalb auch der Hinweis an die Vereine, das mal für sich durchzurechnen.

Bis wann erwarten Sie Ergebnisse?

Ich denke, wir sind Anfang 2019 damit fertig. Dann würden wir es noch mal mit den Klubs besprechen und zum nächstmöglichen Zeitpunkt zur Abstimmung bringen.

Sie waren als Eishockeyspieler aktiv, haben eine akademische Ausbildung und Erfahrungen im Profifußball: Sind Sie der Prototyp des neuen DEL-Managers?

Ich kann beide Schubladen bedienen, die sportfachliche und die angewandte, praktische. Wenn andere Verbände bei uns nachfragen: ,Wie habt ihr dies gemacht, wie habt ihr jenes gemacht?', dann ist das sicher auch ein Gütekriterium, dass Eishockey, vielleicht auch durch unsere Arbeit, inzwischen anders wahrgenommen wird.

© SZ vom 13.09.2018/schm
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