Eintracht Frankfurt Finale der anderen Art

Nächster Rückschlag in der Bundesliga: Eintracht-Torwart Kevin Trapp hechtet zu spät, als Anthony Ujah (in Rot) zum 2:0 für Mainz trifft.

(Foto: Jan Huebner/Imago)

Frankfurt fürchtet nach der 0:2-Niederlage gegen Mainz um den Lohn einer starken Saison. Nun braucht es einen Punkt in München für die Qualifikation für die Europa-League-Gruppenphase. Theoretisch ist sogar noch die Königsklasse drin.

Von Johannes Aumüller, Frankfurt

Europa, das weiß jeder Frankfurter, ist ein wunderbarer Kontinent, in dem wunderbare Städte wie Mailand, Lissabon oder London liegen, in denen wunderbare Klubs wie Inter, Benfica oder der FC Chelsea beheimatet sind und gegen die Eintracht Frankfurt wunderbare Dramen abliefern kann. Aber manchmal kann Europa noch ein bisschen mehr sein. Zum Beispiel ein Kontinent, in dem Städte wie Plowdiw, Qostanai oder Ventspils liegen, in denen nicht ganz so wunderbare Klubs wie Botew, Tobyl oder schlicht FK beheimatet sind - und gegen die Eintracht Frankfurt vielleicht trotzdem bald spielen muss.

Als die Frankfurter Spieler am Sonntagabend ihr 24. und letztes Pflicht-Heimspiel dieser Saison mit einem 0:2 gegen Mainz abgeschlossen hatten, da feierte sie das Publikum noch einmal kräftig für ihre Auftritte in den zurückliegenden Monaten. Aber die meisten Eintracht-Profis empfanden doch eher Enttäuschung und Leere, weil sie mit Blick auf die Qualifikation für die neue Europa-Saison eine große Chance vergeben hatten. "Das ist sehr, sehr ärgerlich", sagte Trainer Adi Hütter.

Die Eintracht hat ja nicht nur eine starke Europapokal-, sondern auch eine starke Bundesliga-Spielzeit absolviert. Viele Spieltage lag sie unter den besten sechs Teams der Tabelle, die vergangenen sechs Wochen gar auf einem Champions-League-Platz. Jetzt ist die Eintracht Sechster, einen Punkt braucht es für die Qualifikation für die Europa-League-Gruppenphase, theoretisch ist gar noch die Königsklasse drin. Aber weil der Gegner am letzten Spieltag FC Bayern heißt und die Verfolger Wolfsburg (gegen Augsburg) und Hoffenheim (in Mainz) leichtere Gegner haben, muss die Eintracht einen weiteren Absturz befürchten.

Martin Hinteregger, die Leihgabe aus Augsburg, bleibt wohl in Frankfurt

Rang acht würde bedeuten, dass der Europapokal 2019/20 gänzlich ohne Frankfurt stattfindet. Und Rang sieben, dass vor einer erneuten Europa-League-Teilnahme der über mehrere Runden notwendige Gang durch die Qualifikation anstünde - inklusive solcher Reisen wie nach Plowdiw oder in andere europäische Orte mitten in der Saison-Vorbereitung.

"Wir haben alle gesehen, wie geil es ist, durch Europa zu fliegen und internationale Spiele zu bestreiten. Das wollen wir nächstes Jahr unbedingt wieder erleben", sagte Abwehrspieler Martin Hinteregger, der Leihspieler aus Augsburg, der wohl in Frankfurt bleibt. Sein Trainer Adi Hütter flüchtete sich in die Bemerkung, dass im Fußball alles möglich sei - aber er sagte auch, dass sie "selbst schuld" seien. Nur ein Punkt aus den vergangenen drei Heimspielen, das sei einfach zu wenig.

In der Tat waren es nicht gerade unbezwingbare Gegner, Frankfurt spielte 1:3 gegen Augsburg, 0:0 gegen Hertha und nun 0:2 gegen Mainz. Dabei war die Niederlage am Sonntag keine zwangsläufige, weil die Frankfurter zumindest in der ersten halben Stunde allen Dauerstrapazen zum Trotz ordentlich agierten. Aber später ließen sie nach, die Defensive war zweimal bei Einwürfen ungewohnt unaufmerksam - so sorgte Anthony Ujah mit einem Doppelschlag (53./57.) für den Mainzer Sieg.

Trainer Hütter muss sich nun bis zum Samstag einiges einfallen lassen. Direkt nach dem Spiel gegen Mainz sagte er auf die Frage, warum er trotz des schweren Gegners zuversichtlich sei, den nötigen Punkt zu holen, nur trotzig: "Weil wir ihn brauchen." Aber eine Lehre der Saison ist, dass der Abruf einer Energieleistung in einem Spiel als klarer Außenseiter die Rolle war, die der Eintracht am besten behagte. Und das Spiel beim FC Bayern kann sie nun so angehen, als bestritte sie doch noch, wenn auch auf andere Art, ein Europapokal-Finale.