Dritte Liga:Alles verloren

18.09.2021, xmohx, Fussball 3.Liga, 1.FC Saarbruecken - Tuerkguecue Muenchen emspor, v.l. Mario Müller (Saarbrücken), Ün

Nur vorübergehend souverän: Albion Vrenezi (re.), zuletzt gegen Duisburg Siegtorschütze, blieb in Saarbrücken wie die meisten seiner Türkgücü-Kollegen hinter den Erwartungen zurück.

(Foto: Steven Mohr/imago)

Türkgücü gibt in Saarbrücken eine Führung aus der Hand und hinkt den eigenen Erwartungen hinterher.

Von Stefan Galler

Die Spieler schauten ziemlich bedröppelt zu Boden, das Wort führte der Trainer. Petr Ruman versammelte sein Team nach der 1:3 (1:2)-Niederlage beim 1. FC Saarbrücken um sich und versuchte sich offenbar in einer Kurzanalyse. Der Coach von Türkgücü München ist keiner, der lautstark wütet, selbst wenn er sagt, dass auch ihm, dem ruhigen Analytiker, Wutausbrüche in der Kabine nicht fremd sind. Seinen Unmut merkte man ihm am Samstagnachmittag auch ohne Tiraden an. Nach nunmehr neun Gegentoren in den jüngsten vier Spielen, von denen nur jenes am vergangenen Montag gegen den MSV Duisburg (1:0) gewonnen wurde, hinkt Türkgücü den Erwartungen meilenweit hinterher.

Und so kam in Rumans Aufarbeitung in der Pressekonferenz nach dem Spiel vor allem eine Vokabel gehäuft vor - das Wörtchen verloren: "Nach unserer Führung haben wir den Faden verloren, haben wichtige Zweikämpfe verloren, vorne zu schnell den Ball verloren und ein bisschen den Glauben an uns selbst verloren", sagte der tschechische Fußballlehrer also. Vor allem eine Sache ärgerte den 44-Jährigen: "Nach unseren eigenen Standards hat Saarbrücken gefühlt 28 Konter gefahren. Da müssen wir uns besser verhalten."

In der Tat fiel das womöglich spielentscheidende Gegentor zum 1:2 genau auf diese Weise: Tobis Jänicke trieb den Ball nach einer Ecke der Gäste schnell durchs Mittelfeld. Als der von ihm in Szene gesetzte Minos Gouras zu Fall kam, bediente Jänicke den mitgelaufenen Sebastian Jacob, der unbewacht einköpfeln konnte (32.).

Zugang Törles Knöll gelingt die Führung für Türkgücü, danach kommt von den Münchnern nicht mehr viel

Damit war die Partie gedreht, nachdem Türkgücü, das ohne Sercan Sararer (Magen-Darm-Infekt) antreten musste, überraschend in Führung gegangen war: Nach einer Hereingabe von Philip Türpitz legte Albion Vrenezi die Kugel geschickt ab, und Törles Knöll, der erst Ende August vom kroatischen Erstligisten Slaven Belupo geholt worden war, schoss aus 16 Metern flach und knochentrocken ab (14.). "Natürlich war es schön, wieder auf deutschem Boden getroffen zu haben, aber wir konnten nicht das Resultat erzielen, das wir uns gewünscht haben", sagte der frühere Nürnberger bei Magentasport, musste aber auch einräumen, dass die Niederlage verdient war. "Wir haben nicht das gebracht, was wir uns vorgenommen haben."

Ruman drückte es so aus: "Wir haben nach der Führung aufgehört, an uns zu glauben, und nur noch reagiert." Die Abwehrbemühungen beim 1:1-Ausgleich waren jedenfalls höchstens halbherzig: Einen Eckball konnte der aufgerückte Innenverteidiger Pius Krätschmer platziert aufs Tor köpfeln, via Innenpfosten sprang das Spielgerät in die Maschen (26.). Schon zuvor hatte sich vor allem Torwart René Vollath einem Gegentreffer entgegengestemmt, etwa beim Schuss von Jacob (24.).

Als Türkgücü voller Tatendrang aus der Kabine kam, wurde jener recht schnell wieder im Keim erstickt, weil Mergim Mavrajs Pass auf Nico Gorzel nicht genau genug war, jener den Ball verlor und der frühere Löwe Adriano Grimaldi mustergültig für Torschütze Gouras auflegte (52.). In der Folgezeit blieben die Münchner ideenlos, Saarbrücken hätte auch noch höher gewinnen können.

Man müsse die Partie analysieren, sagte Coach Ruman, der kein Motivationsproblem bei seiner Mannschaft feststellt: "Die Einstellung stimmt", sagte er, räumte aber ein, dass im Spielverlauf "step by step die Unzufriedenheit" innerhalb des Teams gewachsen sei. Nun gelte es, sich intensiv aufs nächste Spiel am kommenden Sonntag gegen Aufsteiger Borussia Dortmund II im Olympiastadion vorzubereiten. Ruhig wird es womöglich nicht zugehen in dieser Woche bei Türkgücü.

© SZ/lib
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