bedeckt München

Champions League:Der BVB nutzt seine Ortskenntnisse

Thorgan Hazard (2.v.r.) nach seinem Treffer zum 1:0.

(Foto: AP)

Borussia Dortmund übernimmt die Tabellenführung in Gruppe F. Beim 3:0 in Brügge überzeugen Haaland mit zwei Treffern - und die Belgier im Team.

Von Ulrich Hartmann

"Gefährlich", hatte ein besorgter Reiseleiter namens Lucien Favre den Dienstausflug ins belgische Brügge genannt und das ausnahmsweise einmal nicht nur sportlich gemeint. Aus Angst vor Corona-Infektionen wollten die Fußballer von Borussia Dortmund nach Mitternacht in einer Chartermaschine wieder heimfliegen. Sie nehmen eine rechte angenehme Ausgangsposition für die Rückrunde in ihrer Champions-League-Gruppe mit nach Hause: Mit sechs Punkten liegt der BVB auf Rang eins.

Nach einer 1:3-Blamage bei Lazio Rom zum Auftakt und einer 2:0-Pflichterfüllung gegen Zenit St. Petersburg im zweiten Spiel feierten sie im Jan-Breydel-Stadion gegen den FC Brügge nun einen souveränen 3:0 (3:0)-Sieg. Sollte vor dem Bundesliga-Spitzenspiel am Samstagabend gegen Bayern München keine Corona-Infektion mehr auftauchen, dann darf man entspannt bilanzieren: Der Dortmunder Ausflug ins Hochrisikogebiet Belgien ist glimpflich abgelaufen und damit auch bezeichnend für die spielerisch so zäh begonnene Hinrunde in dieser Champions League.

Mit Thomas Meunier, Axel Witsel und Thorgan Hazard hatten die Dortmunder drei und damit nur einen Belgier weniger in der Startelf als die Brügger. Und Dortmunds Belgier nutzten den Heimatbesuch, um ein bisschen vorzuführen, was sie so drauf haben. Hazard erzielte ein Tor, Witsel und Meunier bereiteten je eines vor. Nach einer halben Stunde stand es schon 3:0. Man hatte das Gefühl, die Dortmunder fühlten sich von den jeweils sechs Auswärtstoren der Bundesliga-Konkurrenten FC Bayern und Borussia Mönchengladbach tags zuvor inspiriert. Doch in der zweiten Halbzeit ging ihnen die diesbezügliche Inspiration wieder verloren.

Ohne ihren zuletzt so torgefährlichen Abwehrchef Mats Hummels waren die Westfalen angetreten. Den derzeit wichtigsten BVB-Spieler zwickte der Oberschenkel. Das hätte umso schwerer ins Gewicht fallen können, als in Emre Can (Corona) und Dan-Axel Zagadou (Knie) zwei weitere Innenverteidiger ausfielen. Als Improvisationskünstler war Favre aber wieder ganz in seinem Element und formierte aus Meunier, Witsel, Manuel Akanji und Raphael Guerreiro eine vitale Viererkette. Tatsächlich spielte Witsel ungewohnt in der Innenverteidigung, er war Hummels-Ersatz auch als Spieleröffner. Jude Bellingham, Marco Reus und Jadon Sancho saßen bei Beginn - vielleicht schon mit Blick aufs Spiel gegen die Bayern - auf der Bank.

Es dürfte an den hervorragenden Ortskenntnissen des Belgiers Hazard gelegen haben, dass der BVB-Angreifer in einer fragilen Anfangsphase zunächst einmal hinten in höchster Not retten konnte und dann in der 14. Minute vorne die wegweisende 1:0-Führung erzielte. Dazu brauchte er wenig beitragen - Torwart Simon Mignolet behandelte eine Flanke von Thomas Delaney wie eine heiße Kartoffel und servierte sie Hazard genussfertig. Ohne Navi und Faltkarte fand vier Minuten später auch der Belgier Witsel den Weg in den Brügger Strafraum, drückte einen Ball per Stirn ins Zentrum und überließ den Rest dem zuverlässigen Erling Haaland, der im Nachschuss Mignolet zum 2:0 überwand. Da wollte Meunier, der einst fünf Jahre in Brügge gespielt hat, nicht nachstehen. Er rannte in der 32. Minute mit nach vorne, bediente Haaland und sah den Norweger mit dem 3:0 im elften Champions-League-Spiel schon sein 14. Tor erzielen. Das war zuvor noch keinem Spieler gelungen.

Der erste Wechsel in diesem Spiel war nach nur elf Minuten im Schiedsrichter-Team vorgenommen worden. Damir Skomina musste vom Vierten Offiziellen Dragoslav Peric ersetzt werden, und eine der ersten Amtshandlungen von Peric war dann der Austausch des schlaffen Spielballs. Favre sah lange keinen Grund zum Wechsel, brachte Reus und Bellingham erst nach 72 Minuten. Die Dortmunder brachten die Führung über die Zeit, so, dass das Duschen hinterher schneller ging.

© SZ vom 05.11.2020/chge
Zur SZ-Startseite
Sport Bilder des Tages RB Leipzig - Paris SG / 04.11.2020 Leipzig, 04.11.2020, Red Bull Arena, Champions League, Gruppe

Champions League
:Harte Arbeit schlägt Tuchels ausgezeichnete Ideen

Leipzig dreht einen Rückstand gegen ein PSG ohne Neymar und Kylian Mbappé. Durch den Sieg wahrt der Bundesligist die Chancen aufs Weiterkommen.

Von Javier Cáceres

Lesen Sie mehr zum Thema