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Dopingaffäre:Image-Pflege auf den letzten Metern

Claudia Pechstein zeigte bei ihrer Pressekonferenz, wie Sportler zunehmend die Möglichkeiten der medialen Darstellung nutzen.

Claudia Pechstein hat bekommen, was sie wollte: eine große Bühne, auf der sie ihre Verteidigung gegen den im Raum stehenden Doping-Verdacht ausführlich darlegen konnte. Zwei TV-Sender übertrugen den Beginn der Pressekonferenz der Eisschnellläuferin am Donnerstag in Berlin live. Wer wollte, konnte die Veranstaltung, die inklusive Fragerunde fast zwei Stunden dauerte, im Internet bis zum letzten Wort verfolgen.

Im Fokus der Öffentlichkeit: Claudia Pechstein.

(Foto: Foto: dpa)

Derlei ist ein Novum im Sport, das zeigt, wie die Protagonisten zunehmend danach streben, die Regie über ihre mediale Darstellung zu übernehmen. Die aktuelle Medienwelt, vor allem aber die modernen Kommunikationstechniken bieten ihnen dazu zunehmend mehr Möglichkeiten. Lance Armstrong pflegt sein Image auf der Internet-Plattform Twitter, Claudia Pechstein schreibt auf ihrer Homepage gegen "Pechstein-Jäger" an. Auf der Seite hatte sie auch schon länger für die Veranstaltung geworben, die ihr einen Befreiungsschlag bringen sollte.

In aller Nüchternheit ist festzustellen: Der ist ausgeblieben. Gewiss, die Auflistung von mindestens elf Blutproben, die in den Akten der Internationalen Eislauf-Union (ISU) andere Nummern tragen als in dem Moment, in dem sie Pechstein abgenommen wurden, war plakativ. Der Hinweis der Labor-Experten, dass Proben für interne Untersuchungen oft umcodiert werden, ist aber ebenfalls einleuchtend. In diesem Punkt sollte die Berufungsverhandlung vor dem Sportgerichtshof Cas schnell Klarheit bringen.

Spannender sind da schon die unterschiedlich hohen Werte, welche in zwei verschiedenen Labors bei zumindest einer Probe herauskamen - und die Behauptung des von Pechstein bestellten Experten, Retikulozyten-Werte seien prinzipiell für den Nachweis eines Doping-Vergehens ungeeignet. In diesen Punkten zielt die Verteidigung auf zwei äußerst heikle Stellen des Sportrechts: Bekommt Pechstein Recht, können sich andere Athleten auf sie als Präzedenzfall berufen.

Auch die Berufungsverhandlung, das steht nun fest, wird als Indizienprozess geführt werden. Die ISU kann nicht beweisen, dass Pechstein gedopt hat, die Athletin wiederum kann nicht alle Zweifel an ihrer Unschuld ausräumen. Die Frage wird lauten: Welche Version ist die wahrscheinlichere? Vor diesem Hintergrund ist der Auftritt zu bewerten. Aus prozesstaktischen Gründen kann es nicht klug sein, die Hauptlinien der Verteidigung vorab preiszugeben. Aus Image-Gründen sieht das anders aus.

Seit Februar ist Claudia Pechstein 37 Jahre alt. Egal, ob der Cas ihr noch einmal den Weg zu Olympia ebnet oder nicht: Ihre Karriere neigt sich dem Ende zu, und wenn sie das Eis verlässt, wird sie auch aus dem Rampenlicht treten. Die Chance, der Welt ihre Sicht zu schildern, bietet sich ihr nur jetzt noch - vor der finalen Verhandlung.

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