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Sport in der Corona-Krise:Dass die Kontrollen just jetzt fehlen, ist jedenfalls fatal

Dass die Kontrollen just jetzt fehlen, ist jedenfalls fatal. Der große Dopingkonsum findet ja erfahrungsgemäß nicht unmittelbar im Wettkampf statt, sondern in der Vorbereitungsphase, wenn es darum geht, die Grundlagen für Kraft und Ausdauer zu legen - und das können Sportler auch trotz der Coronakrise gerade tun. Dabei hat die Situation nicht nur zur Folge, dass aktuell kein Doper überführt werden kann. Es fehlen auch wertvolle Informationen für die sogenannten Blutprofile, die seit einiger Zeit insbesondere in den dopinganfälligen Ausdauersportarten zum Alltagswerkzeug bei der Strafverfolgung zählen. Mit deren Hilfe können die Verantwortlichen die Entwicklung verschiedener Werte über ein paar Monate nachvollziehen und so eher Auffälligkeiten finden. In den Blutprofilen vieler Ausdauerleister werden künftig einige Lücken klaffen.

Die Welt-Anti-Doping-Agentur reagiert auf alle diese Problematiken nur ausweichend. "Die Wada wird die Testaktivitäten in allen vom Coronavirus betroffenen Regionen eng verfolgen, um mögliche Kontrolllücken zu ermitteln", teilt sie auf Anfrage mit. Wenn sich da Lücken auftun, wolle sie das Internationale Olympische Komitee informieren - wann auch immer dessen angeschlossenen Kontroll-Organisationen dann testen können. Einzelne nationale Anti-Doping-Agenturen setzen nun immerhin ihre sogenannte Intelligence-Arbeit fort. Das ist der Versuch, etwa über Anzeigen oder die Zusammenarbeit mit Strafbehörden Verdachtsfälle zu ermitteln.

Aber selbst bei den wenigen Urintests, die es dieser Tage gibt, tun sich noch Fragezeichen auf. Immerhin gilt in Deutschland der flammende Appell der Bundesregierung, unnötige Sozialkontakte zu vermeiden. Eine Kontrolle gehört eher nicht zu den Dingen, die sich digitalisieren lassen, der Kontakt fällt dabei naturgemäß sogar tendenziell näher aus. Die Nada erklärt dazu auf Anfrage, dass sie das Dopingkontrollpersonal angewiesen habe, Schutzvorschriften zu beachten. Aber es sind doch manche Athleten verunsichert.

Noch habe auch niemand deshalb den Test verweigert, sagt die Nada. Aber es ist eine durchaus spannende Rechtsfrage, wenn es dazu käme. Und sollte in noch mehr Landkreisen oder gar in ganz Deutschland eine Ausgangssperre verhängt werden, ist ohnehin gar kein Test mehr denkbar - so wie jetzt schon in anderen Ländern, die im Ausnahmezustand sind. Auch wenn die Nada über dieses Szenario nicht spekulieren will.

Vielleicht, sagt der Marathonläufer Arne Gabius, müsse man 2020 in diesem Licht "als ein Jahr sehen, in dem der Sport ruht". Da müsse das IOC "jetzt mal über seinen Schatten springen", die Spiele um ein Jahr verschieben, und allen Beteiligten mehr Zeit verschaffen, den Behörden, Athleten, Sponsoren - und auch dem Dopingkontrollsystem. "So kann man gemeinsam durch die Krise kommen", findet Gabius: "Und den Athleten wird die Ungewissheit genommen."

© SZ vom 20.03.2020/sonn
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