bedeckt München -2°

Die Kunst der Bewegung: Hochsprung:Rücklings um drei Achsen

Wie funktioniert Hochsprung? Es gibt viele Möglichkeiten, eine Latte zu überqueren. Stil-Favoriten in der Weltspitze sind Speedflop und Powerflop. Mit Video.

Thomas Hahn

Es gibt Hochsprungtrainer, die lange zögern, ehe sie den Hochsprung erklären. Das liegt daran, dass es keine andere Disziplin in der Leichtathletik gibt, in der es so viele Lösungsvarianten für die zu bewältigende Aufgabe gibt und so viele verschiedene Technikbilder wie eben im Hochsprung. Die Regeln schreiben einen einbeinigen Absprung vor. Wie die Athleten es nach dieser Vorgabe dann schaffen, die Latte zu überqueren, können sie je nach ihren körperlichen Voraussetzungen selbst bestimmen.

Gemein haben sie alle eigentlich nur, dass sie den sogenannten Fosbury-Flop anwenden, den der amerikanische Olympiasieger Dick Fosbury in den sechziger Jahren einführte und bei dem der Hochspringer anders als bei der davor gebräuchlichen Bäuchlingstechnik (straddle) die Latte rücklings ansteuert. Ansonsten sind die einzelnen Springer schwer zu vergleichen.

Ariane Friedrich (siehe Video oben) zum Beispiel, die deutsche Rekordlerin mit 2,06 ist eine Vertreterin des Speedflops, das heißt, sie springt aus einem sehr schnellen Anlauf, der in den letzten drei Schritten über sieben Meter pro Sekunde beträgt. Ihre große Konkurrentin Blanka Vlasic (siehe Video unten) hingegen, die kroatische Weltmeisterin und Olympiazweite, ist langsamer, hebt mit mehr Kraft beim Absprung ab und nutzt dabei ihre Körperlänge ab.

Sie ist also eine sprungbetontere Hochspringerin, ohne dass an sie eine echte Vertreterin des sogenannten Powerflops nennen könnte, bei dem der Absprung kraftvoll ist, das Schwungbein sehr aktiv und ein Doppelarmeinsatz die Aufwärtsbewegung unterstützt. Blanka Vasics Technik weist nämlich nur einen kurzen, spitzwinkligen Schwungbeineinsatz auf. Es funktioniert einfach nicht richtig, Hochspringer in Kategorien einzuteilen. Jeder ist anders in der Weltklasse.

Jan Gerrit Keil, Disziplintrainer im Deutschen Leichtathletik-Verband bestätigt: "Der Sprungstil ist schon wie eine Handschrift." Außer der großen Bandbreite an Sprungarten hebt den Hochsprung auch die Tatsache heraus, dass er die einzige leichtathletische Disziplin ist, bei der die Athleten eine Rotation um drei Achsen vollziehen müssen, um Längsachse, Tiefenachse, Körperquerachse. Das liegt an dem halbkreisförmigen Anlauf, der daraus folgenden Kurveninnenlage und der Rücklage im Absprung.

"Deswegen ist der Hochsprungabsprung nicht ganz ungefährlich und muss sehr sauber gesetzt werden", sagt Keil, "weil dabei extreme Scherkräfte auftreten können. Wenn man bei dieser Körperrücklage und Körperinnenlage in den Absprung geht und den Fuß mit der Ferse unsauber aufsetzt, kann man sich auch mal böse verletzen."

© sueddeutsche.de/hum
Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema