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DFL plant Torlinientechnik:Der Videobeweis kommt - nur wann?

Die Diskussion ist so alt wie das Wembley-Tor: Drin oder nicht drin? Jetzt hat die Fifa den Weg zur Einführung von technischen Hilfsmitteln zur Überprüfung eines Tores im Fußball freigegeben. Die Deutsche Fußball Liga allerdings zögert mit der Umsetzung noch. Beschlossen wurde auf der Mitgliederversammlung noch nichts, auch nicht beim Punkt Stadionsicherheit.

Stefan Kießling und seinen Leverkusenern war es ziemlich egal, dass der Ball in der siebten Minute die Linie des Augsburger Tores nicht mit vollem Durchmesser überschritten hatte. Kießling freute sich über seinen zweiten Saisontreffer und am Ende über das 3:1 seiner Elf.

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"Der war doch drin?" Stefan Kießling versichert sich nach seinem umstrittenen Tor zum 1:0 gegen Augsburg mit einem fragenden Blick beim Schiedsrichter. In Zukunft soll Technik die Frage eindeutig beantworten. 

(Foto: AFP)

Dass der Aufschrei beim FCA über die Fehlentscheidung von Schiedsrichter Bastian Dankert aus Rostock, der erst sein zweites Spiel in der Eliteklasse leitete, nicht allzu heftig ausfiel, mag wohl daran gelegen haben, dass die Schwaben in der Folge klar unterlegen waren.

Vielleicht lag es aber auch daran, dass es aus Sicht des Unparteiischen kaum, oder gar nicht zu erkennen gewesen war, ob der Ball nun regelkonform mit vollem Umfang hinter der Torlinie gewesen war, oder eben nicht. Erst eine aufwendige 3D-Animation eines TV-Senders brachte annähernd Klarheit.

"Ich bin eine ehrliche Haut. Ich habe gespürt, dass der Ball nicht drin war, als ich ihn weggekratzt habe", sagte Augsburgs Torhüter Mohamed Amsif. Trainer Markus Weinzierl ärgerte sich über eine "Ungerechtigkeit", die mitverantwortlich für die Niederlage gewesen sei.

Noch ist "nichts beschlussfähig"

Jetzt wurde bei der Vollversammlung des Ligaverbandes in Frankfurt/Main mal wieder unter anderem über die Torlinientechnik gesprochen. Der Weltverband Fifa hat den Weg seit Wochen freigegeben, doch noch ist in Deutschland nicht klar, wann die Neuregelung eingeführt wird. "Nicht beschlussfähig" sei zu diesem Zeitpunkt eine Entscheidung zur Einführung der Torlinientechnologie im Ligabetrieb oder im Verbandspokal, hieß es von Seiten der DFL.

"Dem Konzept wurde im Grundsatz zugestimmt", sagte Reinhard Rauball, Präsident des Ligaverbands. Er schränkte jedoch ein, dass weder über die zur Anwendung kommende Technik, noch über die Finanzierung oder den Zeitpunkt eine Entscheidung gefällt wurde. Diese Punkte sollen auf der nächsten ordentlichen Mitgliederversammlung geklärt werden.

Doch nicht nur über die Torlinientechnik wurde diskuttiert. Im Gepäck hatten Rauball und sein Vizepräsident Peter Peters auch die Erkenntnisse vom Berliner Sicherheitsgipfel im Juli. Auf der aufwendig inszenierten Pressekonferenz nach der Sitzung hatten Rauball und Peters jedoch nur zu verkünden, dass es vorerst nichts zu verkünden gibt. "Dies ist nicht der Tag der Entscheidungen", sagte Rauball und dämpfte damit die Erwartungen schon in der Begrüßung. Man habe "in freundschaftlicher Atmosphäre diskutiert" und "Konzepte erörtert", erläuterte der Präsident im Beisein von Vize Peters.

Peters ist auch Vorsitzender der sechsköpfigen "Kommission Sicherheit" der DFL, deren Strategiepapier er heute allen Klubvertretern vorstellte und das inhaltlich die Punkte Stadionverbote, Gewaltprävention, Fan-Privilegien und die Rolle der Sportgerichtsbarkeit behandelt. Im Bereich der Stadionverbote will die DFL den Fans offenbar entgegenkommen. So soll ein Anhörungsrecht der Beschuldigten Eingang in das Liga-Statut finden.

Gleichzeitig verlangt die Kommission eine Erklärung, die alle Vereine gemeinsam mit ihren Fan-Vertretern abgeben sollen. Sie soll sich an den drei Punkten Gewaltverzicht, Einhaltung der gesetzlichen Vorschriften (Verbot von Pyrotechnik) und Distanzierung von Rassismus orientieren. Die Sportgerichtsbarkeit soll weiterhin in den Händen des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) verbleiben, dort aber um weitere mögliche Strafmaßnahmen erweitert werden. Es stehe im Raum, künftig Fernsehgelder einzubehalten, um den Druck auf die Vereine zu erhöhen und damit ein härteres Vorgehen zu erreichen.

Am 12. Dezember trifft sich der Ligaverband erneut. Bis zum 22. Oktober haben die Vereine Zeit, Stellungnahmen zu den Themenkomplexen einzureichen, die dann in ein "beschlussfähiges Format" Eingang finden sollen. Erst dann wird sich zeigen, ob Peters recht behält. Er hatte, bezogen auf Forderungen von Politik und Polizei, konstatierte: "Die Liga macht unaufgeregt ihre Hausaufgaben."

© sueddeutsche.de/sid/mem
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