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DFB:Verfrühte Gratulationen

VfB Stuttgart - FC Augsburg

Dynamik auf der Außenbahn: Sosa beim Sieg gegen Augsburg am vergangenen Wochenende.

(Foto: Tom Weller/dpa)

Borna Sosa demnächst ein deutscher Nationalspieler? Das könnte an den Regeln der Fifa scheitern. Eine Nominierung des Linksverteidigers vom VfB Stuttgart wäre erst mal ein Fall für die Rechtsabteilung.

Von Philipp Selldorf

Borna Sosas Karriere in der deutschen Nationalmannschaft könnte vorbei sein, bevor sie begonnen hat. Der Wunsch des 23 Jahre alten Linksverteidigers des VfB Stuttgart lässt sich möglicherweise nicht mit den Regularien des Weltverbandes Fifa vereinbaren. Zwar hat Sosa kürzlich den Einbürgerungstest bestanden und die deutsche Staatsbürgerschaft erhalten, doch seine Aufnahme ins DFB-Team könnte nun daran scheitern, dass er im vorigen November an einem EM-Qualifikationsspiel der kroatischen U 21 teilgenommen hatte. Zu diesem Zeitpunkt war er 22 Jahre alt. Gemäß den aktuellen Statuten der Fifa wäre er dadurch zu einem Wechsel ins deutsche Trikot nicht mehr berechtigt.

Sosa ist in der kroatischen Hauptstadt Zagreb geboren, seine Mutter stammt jedoch aus Berlin, das berechtigte ihn zum Erwerb der deutschen Staatsbürgerschaft. Nicht nur sein Klub-Trainer Pellegrino Materazzo gratulierte ihm zum fehlerfreien Bestehen des Tests, auch beim Deutschen Fußball-Bund nahm man erfreut Notiz davon. Als Flankengeber und Vorbereiter ist Sosa in der Bundesliga angenehm aufgefallen. Am Freitagabend informierte er über das Interesse des DFB an seinen Diensten: Er habe Kontakt mit Oliver Bierhoff gehabt, "wir sprachen über mich und meine Perspektiven". Dabei sei es auch um die EM gegangen - "wenn ich mich für Deutschland entscheide".

Letzteres ist inzwischen zwar geschehen, womöglich aber zu spät. Das Fachmagazin kicker verwies auf einen Passus in den Fifa-Gesetzen, der Sosa den Wechsel zu einem anderen Verband versagen könnte. Allerdings steht nicht fest, ob dieser Passus bereits auf ihn anzuwenden ist, denn er ist erst kürzlich verabschiedet worden. Rückwirkend wird er sicherlich nicht zur Geltung kommen dürfen, das verstieße gegen einen elementaren Rechtsgrundsatz. Es kommt also auf den Zeitpunkt an, zu dem der neue Erlass in Kraft getreten ist. Auf Befragen der dpa erklärte die Fifa, dass sie keine Auskunft geben könne, weil ihr kein Antrag des DFB für einen Einsatz von Sosa vorliege. Bevor Joachim Löw oder dessen Nachfolger den Flankenspezialisten nominieren dürfen, ist wohl erstmal die Rechtsabteilung des DFB am Zuge.

© SZ/fse
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