Ominöse Schließfächer beim DFB:Münzen im Wert von 10 bis 15 Euro

Lesezeit: 2 min

Ominöse Schließfächer beim DFB: Die Videoabteilung des DFB hat gerade gut zu tun.

Die Videoabteilung des DFB hat gerade gut zu tun.

(Foto: Boris Roessler/dpa)

Der DFB lässt zwei mysteriöse Tresore von professionellen Panzerknackern öffnen und stellt fest: Es sind nur Briefmarken und Gedenkmünzen drin. Nochmal Glück gehabt.

Von Thomas Kistner

Der Deutsche Fußball-Bund findet immer neue Wege der Selbstinszenierung. Das Video, mit dem der DFB jetzt die Öffnung zweier Tresore präsentierte, war jedenfalls ein echtes Novum. Zu sehen war ein musikalisch unterlegter Gang durch lange Büroflure, den nicht weniger als fünf Vertreter von Staatsanwaltschaft und Steuerbehörden hin zu den Objekten des Interesses bewältigen mussten. Offen bleibt, welches Filmmaterial versendet worden wäre, hätten die Tresore, wie im Stillen wohl befürchtet, tatsächlich juristisch heikles Materialien enthalten.

Nun aber Entwarnung: Die vom DFB "aus Transparenzgründen" zum Öffnungsakt hinzugebetenen Behördenvertreter mussten ihre Taschen nicht füllen, die Funde waren harmlos. Die Panzerschränke enthielten nur "einige wenige Briefmarken und zirka 400 Gedenkmünzen, überwiegend von der WM 2006. Diese Münzen werden unter Sammlern derzeit zwischen 10 und 15 Euro gehandelt", beschloss der DFB das filmische Happy-End. Ein Tresor stamme aus den achtziger Jahren, der zweite von 2007.

Die Aufregung entstand, weil der DFB nach dem Umzug zu Jahresbeginn aus der Frankfurter Fleck-Schneise in den neuen Verbands-Campus bemerkt hatte, dass in seinen früheren, bereits von der Fußball-Union Uefa bezogenen Büros, noch etliche Tresore herumstünden, die man vielleicht mal öffnen sollte. Auf SZ-Anfrage stellte der DFB dies dann als ausgeklügelte Strategie innerhalb der Umzugs-Logistik dar: Der DFB-Campus sei eine Baustelle gewesen, daher hätten die Tresore "an ihrem bisherigen Standort sicherer" gestanden. Statt im eigenen Neubau fand man also mehr Sicherheit für eigene Wertsachen in den Räumen einer anderen Organisation, bei der Besuche anzumelden sind.

Es gäbe noch ein neues, spannendes Thema für die DFB-Videoabteilung

Zwei der vier Tresore waren intern bekannt, sie enthielten durchaus Kostbares: Den Nachlass von Alt-Bundestrainer Sepp Herberger und Gattin, Pretiosen im Wert von 150 000 Euro. Was aber in den anderen Safes war, an deren Existenz sich niemand erinnern konnte und zu deren Öffnung nun professionelle Panzerknacker anrücken mussten, war zunächst unklar.

Selbst alte Fahrensleute wie Horst R. Schmidt, DFB-Schatzmeister bis 2013, konnten sich nur an die ersteren zwei Safes (samt Inhalt) erinnern, nicht aber an die ominösen anderen. Wurden sie erst nach seiner Zeit gebraucht, womöglich in den brisanten Affären-Jahren ab 2015? Und falls ja, wofür? Schmidt kann sich nach Genuss des DFB-Videos zwar weiter nicht an diese Tresore erinnern, mag ihre Existenz zu seiner Zeit aber auch nicht ausschließen.

So gesellt sich zur Frage, ob die mysteriösen Tresore auch früher nur Banalitäten beinhaltet haben, auch die zur originellen Aufbewahrungskultur im DFB: Wenn schon Briefmarken und WM-Münzen in mannshohen Panzerschränken ruhen, die erst in stundenlanger Arbeit aufgebrochen werden müssen, wo sind dann andere Pretiosen wie DFB-Wimpel und Ehrennadeln untergebracht? Vielleicht in Schweizer Bankschließfächern? Ein neues, spannendes Thema für die DFB-Videoabteilung.

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