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DFB-Pokal:Schreie aus der Kabine

DFB Cup - Semi Final - Borussia Dortmund v Holstein Kiel

Schreckensszene: Mateu Morey verletzt sich schwer.

(Foto: Friedemann Vogel/Reuters)

Die schwere Verletzung des Spaniers Mateu Morey überschattet das lockere 5:0 von Borussia Dortmund im Halbfinale des DFB-Pokals. Beim Sieg gegen den Zweitligisten Holstein Kiel fehlt Mittelstürmer Haaland angeschlagen - trotz der jüngsten Gerüchte um einen Wechsel soll er aber auch kommende Saison beim BVB spielen.

Von Freddie Röckenhaus, Dortmund

Edin Terzic tat sich sichtlich schwer. 5:0 gewonnen, Pokalfinale erreicht - normalerweise ein Tag für überschäumende Freude. Aber Borussia Dortmunds Trainer hatte schon die letzten 15 Minuten des Pokal-Halbfinales gegen Holstein Kiel nur noch versteinert auf seinem Bankplatz gesessen, und auch die ganze Mannschaft wirkte beklommen statt begeistert. BVB-Nachwuchsspieler Mateu Morey hatte sich eine Viertelstunde vor dem Ende des Spiels bei einem harmlosen Laufduell vertreten und dann minutenlang am Boden vor Schmerzen schreiend am Boden gewälzt. Die genaue Diagnose stand auch am Sonntag noch nicht fest. Dortmunds Lizenzspielerchef Sebastian Kehl verkündete aber, dass es sich nach bisheriger Erkenntnis um eine "schwere Kapsel- und Bänderverletzung" handele und dass der junge Spanier wahrscheinlich "lange ausfallen" werde.

Während die Geschichte des Spiels schnell erzählt war und der BVB schon bei Halbzeit den späteren 5:0-Endstand erreicht hatte, hallten die Schmerzens-Schreie von Morey in den Köpfen nach. Trainer Terzic, unter dessen Leitung Morey erstmals kontinuierlich zu Einsätzen im Dortmunder Edelkader kam, meistens sogar in der Startelf, war auch nach dem Spiel noch geschockt. "Wenn man das gesehen und gehört hat, tut einem das extrem weh", sagte Terzic nach dem Spiel, "vor allem, weil wir den Menschen Mateu kennen, der ein unglaublich guter Typ ist." Auch BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke sagte: "Alle Borussen sind mit ihren Gedanken bei Mateu, und ich glaube, auch viele, die nicht unbedingt mit uns halten, werden Anteil nehmen."

Die Untersuchungen, vor allem auch im Magnetresonanz-Tomographen (MRT) im Dortmunder Klinikum Westfalen, sollen am Montag weiter fortgesetzt werden. Bisher sei der Verlauf den Umständen entsprechend normal, es gebe keine ungewöhnlichen Schwellungen am Bein, heißt es. Morey, der seit 2019 in Dortmund ist und vorher bei den Junioren des FC Barcelona spielte, hat vor seinem Wechsel zum BVB schon einmal eine schwere Knieverletzung erlitten, sich davon aber wieder erholt. Die starken Schmerzen, die der 21-Jährige offenbar zu durchleiden hatte, deuten zunächst nicht unbedingt auf die gefürchtetste Fußballer-Verletzung hin, also einen Kreuzbandriss.

Es wird aber befürchtet, dass im rechten Knie von Morey mehrere Strukturen kaputtgegangen sein könnten, so dass auch ein Kreuzbandriss dabei sein könnte. Erst eine ausgiebige Diagnose wird klären, mit welchen Schäden man es zu tun hat. Das Kniegelenk von Morey war im vollen Lauf in die falsche Richtung umgeschlagen. "Es war in der Szene gleich zu sehen, dass sich Mateu sehr schwer verletzt hat", sagte Kehl. "Seine Schreie waren sehr lange im Stadion zu hören, auch in der Kabine dann noch. Es tut uns allen sehr, sehr leid für den Jungen."

Am Sonntag konnte man beim BVB nicht einmal ausschließen, dass die Verletzung für Morey sogar das Karriereende bedeuten könnte. Mannschaftskollege Erling Haaland, der wegen "muskulärer Probleme" eine Pause verordnet bekommen hatte, konnte es auf der Tribüne kaum mit ansehen und anhören, wie schlimm es Morey offenbar erwischt hatte. Der junge Norweger hielt sich immer wieder die Hände vor die Augen.

Haaland werde im Sommer auf keinen Fall wechseln, versichert BVB-Geschäftsführer Watzke

Morey gilt in der Mannschaft als besonders beliebter Kollege, auch sein Deutsch ist nach nicht einmal zwei Jahren bereits sehr gut. Am Samstag gegen Kiel war er, wie in den letzten Spielen meistens, erst nach gut einer Stunde für den derzeit sehr stark spielenden Veteranen Lukasz Piszczek aufs Feld gekommen. Zwölf Minuten später kam es im Laufduell mit dem Kieler Finn Porath zu jenem Unfall, den man vor allem in der späteren Fernseh-Zeitlupe kaum mitansehen konnte.

Borussia Dortmund - Holstein Kiel

Da war aus BVB-Sicht noch alles in Ordnung: In der ersten Halbzeit traf Giovanni Reyna zum zwischenzeitlichen 2:0.

(Foto: Martin Meissner/dpa)

"Die Freude hält sich in Grenzen", meinte denn auch Emre Can nach dem Einzug ins Cup-Finale. Dortmund, zuletzt Pokalsieger 2017, muss nun kurioserweise zweimal hintereinander gegen RB Leipzig antreten. Am kommenden Samstag im Bundesliga-Heimspiel, das für den BVB besonders wichtig ist, um die Chancen auf einen Champions-League-Platz zu wahren; und schon fünf Tage später, an Christi Himmelfahrt, in Berlin zum coronabedingt ungewöhnlichen Final-Termin am Donnerstag. "Es ist doch klar", sagte Terzic, "dass wir beide Spiele gewinnen wollen."

Erling Haaland dürfte dann wieder auf dem Rasen mitmischen. Während der Mittelstürmer auf der Tribüne die Torflut in der ersten Halbzeit bejubelte, mit Treffern von Giovanni Reyna (zwei), Marco Reus, Jude Bellingham und Thorgan Hazard, mühte sich sein umstrittener Berater Mino Raiola erneut ums Anfachen von Transfer-Gerüchten. Diesmal kündigte er in der spanischen Zeitung AS an, dass man bis zum Ende des Transferfensters, also bis September, nicht sagen könne, ob Dortmund nicht doch eine Freigabe für einen Wechsel erteilen werde.

Litt mit Morey auf der Tribüne mit: Erling Haaland bekam gegen Kiel aufgrund muskulärer Probleme eine Pause. Im Finale soll er wieder dabei sein - genauso wie nächste Saison, wenn es nach den Dortmundern geht.

(Foto: Ina Fassbender/AFP)

Dortmunds Geschäftsführer Watzke wies das am Sonntag auf Anfrage der SZ ein weiteres Mal zurück. Haaland werde in diesem Sommer auf keinen Fall wechseln. Auch im Falle von Jadon Sancho glaubt Watzke nicht, dass ein anderer Klub - angesichts der coronabedingten Flaute am Transfermarkt - die für den jungen Engländer aufgerufene Ablösesumme tatsächlich bieten könnte. Die massiven finanziellen Ausfälle durch Corona erlauben im Moment auch den Großklubs kaum große Transfers.

© SZ/nee/cca
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