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DFB-Pokal:Historischer Abend

Schulter an Schulter: die Regensburger beim Elfmeterschießen im Achtelfinale 2003/2004 (v.l).

(Foto: Bernd Müller/Imago)

Erstmals seit 2003 steht der SSV Jahn Regensburg wieder im Achtelfinale. Gegen den 1. FC Köln hat er die "Rolle des Underdogs" inne - das ist er aber gewohnt.

Von Markus Schäflein

Als der SSV Jahn Regensburg letztmals im Achtelfinale des DFB-Pokals stand, nannte er sich auch in der Außendarstellung noch "SSV Jahn 2000 Regensburg", was ziemlich modern und professionell klingen sollte. Er hatte gerade den Aufstieg aus der Regionalliga in die zweite Fußball-Bundesliga geschafft, die Spieler hießen noch Harry Gfreiter, Markus Weinzierl, Carsten Keuler, Oliver Straube oder Carsten Sträßer. Ein gewisser Altin Rraklli erzielte in jenem Achtelfinale zwei Treffer für den Jahn, die reguläre Spielzeit endete 3:3, das Elfmeterschießen verloren die Regensburger dann. Nach nur einer Spielzeit stiegen den Regensburger dann wieder in die Drittklassigkeit ab.

Seit 2017 hat sich der SSV nun in der zweiten Liga etabliert, der Namenszusatz "2000" klingt antiquiert und wird längst verschwiegen, die Erfolge im DFB-Pokal waren im Gegensatz zum Ligabetrieb allerdings recht bescheiden. Nun aber bietet sich die große Chance, erstmals in der Vereinsgeschichte ins Viertelfinale einzuziehen - an diesem Mittwoch (20.45 Uhr) gegen den 1. FC Köln, der in der ersten Liga gegen den Abstieg kämpft.

"Es geht darum, leidenschaftlich und mutig unterwegs zu sein. Dann wirst du vielleicht eine Chance kriegen", sagte Trainer Mersad Selimbegovic, der sich nicht zu sehr nach dem Gegner richten will, auch wenn Köln einen großen Namen hat: "Wir bleiben bei uns", kündigte Selimbegovic an - also: beim aktiven Verteidigen und beim schnellen Umschalten. Wenn man nur darauf achte, sich anzupassen, "dann verlierst du das, was du gut kannst". Die "Rolle des Underdogs" sei seine Mannschaft ja auch aus der zweiten Liga gewohnt.

In den ersten beiden Runden hatte sich der Jahn gegen die Drittligisten Kaiserslautern und Wehen Wiesbaden durchgesetzt, jeweils im Elfmeterschießen. Es war also auch Los- und Spielglück, das den lang vermissten Pokal-Erfolg begünstigte: ein Achtelfinale gegen einen Bundesligisten - allerdings ohne die Fans, die so lange darauf warten mussten. "Nur eine Sache trübt das Ganze leider: Das Stadion ist leer", meinte Selimbegovic. "Das ist echt traurig. Wir versuchen aber, das auch ohne unsere Fans durchzuziehen." Das Gute: Sollte es zum Elfmeterschießen kommen, werden sich die Spieler nicht mehr an 2003 erinnern, sondern an Kaiserslautern und Wiesbaden. Selbst Selimbegovic, der seit einer Ewigkeit (seit 2006) beim Jahn dabei ist, hat das bislang letzte Achtelfinale noch nicht miterlebt.

© SZ/dpa
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