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Wahl zum Eisschnelllauf-Präsidenten:Mit der Schubkraft von 250 000 Euro

Matthias Große

Matthias Große: Will am Samstag gewählt werden

(Foto: dpa)

Matthias Große wird am Samstag voraussichtlich zum Eisschnelllauf-Chef gewählt, eine Viertelmillion hat er schon selber in die DESG gesteckt. Sein Stil stößt aber weiter auf Kritik.

Von Barbara Klimke

Was sich an diesem Samstag in einem Hotel in Frankfurt abspielen könnte, hat Matthias Große kürzlich so umrissen: "Wenn wir nicht gewählt werden, stehen wir auf; und dann verlässt das ganze Team den Raum." Das ist jedoch ein relativ unwahrscheinliches Szenario. Denn selbst jene, die sich zu Großes Kandidatur in der Vergangenheit kritisch äußerten, mutmaßen nun, dass er samt seiner Mannschaft im Saal sitzen bleibt. "Ich kenne keinen Gegenkandidaten", sagt etwa Moritz Geisreiter, der Athletensprecher der Deutschen Eisschnelllauf-Gemeinschaft (DESG): "Ich erwarte deshalb, dass Matthias Große gewählt wird."

Wenn die DESG-Delegierten auf der Mitgliederversammlung ihr Votum abgeben - wegen Corona sind nur 80 Personen zugelassen -, fällt die Entscheidung, ob sie den seit Juni amtierenden kommissarischen Präsidenten Große, 52, bis 2024 zum regulären Präsidenten ernennen. Große, der Lebensgefährte von Claudia Pechstein, ist nicht nur wegen seiner Nähe zu Deutschlands erfolgreichster Eisschnellläuferin umstritten. Der Berliner Geschäftsmann, der in der Vergangenheit als eine Art Bodyguards Pechsteins auftrat und den Sport extrem gespalten hat, stünde dann dauerhaft an der Spitze eines kleinen, aber nicht unbedeutenden olympischen Verbandes, den er in kurzer Zeit in bemerkenswerter Weise auf sich zugeschnitten hat: finanziell, personell und in der Kommunikationsstruktur. Er hat Stellen neu geschaffen, umbesetzt und hält sogar Pressekonferenzen des Sportverbandes auf dem Gelände des Berliner Müggelturms ab, einem Anwesen seiner Immobilienfirma.

Als kommissarischer Präsident wurde Große im Juni vorerst bis 19. September eingesetzt; berufen von einem Restpräsidium aus zwei Personen, Dieter Wallisch und Uwe Rietzke. Die wirtschaftliche Lage des Verbandes war angespannt, die Stimmung desolat. Wallisch bestritt, dass es nach dem Rückzug des Hauptsponsors ein Defizit von 400 000 Euro gab. Aber das Bundesinnenministerium (BMI), das die Förderungen zahlt, hatte die DESG schon im November aufgefordert, eine Verbesserung ihrer Einnahmen anzuzeigen, und im Mai Planungsgespräche anberaumt. So wurde womöglich auch auf Druck der Fördermittelgeber Große der Weg ins Präsidium geebnet: Dessen Bewerbung lag vor.

Von Geldsorgen wäre der Verband wohl befreit, sollte er Große zum DESG-Chef küren. Beizeiten hat er einen neuen Hauptsponsor präsentiert, dessen Engagement an seine Wahl gebunden ist: die B&O Gruppe, ein Wohnungswirtschaftsunternehmen aus Bad Aibling. Mit Details zum Vertrag will die Firma sich bis zur Mitgliederversammlung zurückhalten. Ausführlich erläutert sie aber, was sie an Großes "Neuausrichtung" überzeugt: die Professionalisierung eines olympischen Spitzenverbandes etwa, sowie der Umstand, dass Große sich "vielerorts selbst ein Bild von den Bedingungen gemacht und spontan Soforthilfen zugesagt" habe. Diese Tatkraft hat dem Sponsor offenbar imponiert.

Insgesamt 250 000 Euro, "ohne externe Sponsorengelder", hat Große nach eigenen Angaben bereits selbst in die DESG gesteckt, wie er der SZ auf Anfrage schriftlich bestätigte. Als Verwendungszwecke listet er auf: "Investitionen in Mobilität, Infrastruktur und Kommunikation: Zum Beispiel vier Kleinbusse, Opel Zafira als 9-Sitzer, drei weitere sind geordert, Computer-Hardware, Laptops, Tablets, Smartphones, alle mit entsprechenden Kartenverträgen."

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